Der in Kooperation mit der ITB Berlin ins Leben gerufene World Legacy-Award zeichnet die Bemühungen führender Touristikunternehmen, Organisationen und Destinationen im Bereich des nachhaltigen Tourismus aus.

Insgesamt gingen in fünf Kategorien mehr als 150 Bewerbungen aus 56 Ländern von sechs Kontinenten ein. Mit seinem beispielhaften Umweltengagement überzeugt Aruba die Jury, einem internationalen 18-köpfigem Team aus Experten im Bereich nachhaltiges Reisen – und geht als Gewinner der Kategorie “Destination Leadership“ hervor.  

Aruba bildet das A der ABC-Inseln vor der Küste Südamerikas. Die Karibikinsel lockt mit ganzjährig angenehmen Temperaturen um die 28°C und elf Kilometer langen, weißen Sandstränden vor kristallklarem Wasser. Im Arikok Nationalpark zeigt Aruba sich von seiner wilden Seite – hier trifft eine bizarre Kakteenlandschaft auf raue Felsküste. Nicht umsonst trägt Aruba den Beinamen One Happy Island: Die 120.000 Einwohner gelten als die freundlichsten der Karibik. Spaß pur lautet die Devise bei den zahlreichen Wassersport- und Landaktivitäten – vom Spaziergang auf dem Meeresgrund bis zum Fallschirmsprung.

Costas Christ, Editor-in-Large von national Geographic erläuterte anlässlich der Preisverleihung: „Der Tourismus beruht darauf, das Erlebnis von Kultur- und Naturerbe zu verkaufen. Dies kann eine Reise nach Ankor Wat oder eine Safari in Afrika sein. 2014 hatten wir über eine Milliarde internationaler Touristen mit steigender Tendenz. Angesichts dieser Zahl müssen wir sicherstellen, dass der Tourismus für die Menschen und Orte, die die Reisenden besuchen, als Chance und nicht als Bedrohung begriffen wird. Die World Legacy Awards sollen dabei helfen, einen Weg in die Zukunft zu weisen.“

Aruba: Vorbildliches Beispiel bei Kampf gegen den globalen Klimawandel

Bis 2020 plant die Insel, ihre Stromerzeugung auf 100 Prozent erneuerbare Energien umzustellen und damit erstes „carbon free island“ („Insel ohne fossile Brennstoffe“) weltweit zu werden. Hierfür hat sich die Regierung von Aruba 2012 mit dem Carbon War Room (CWR) zusammengetan – die private Institution wurde einst von Virgin Gründer Sir Richard Branson ins Leben gerufen und entwickelt Konzepte gegen den weltweiten Klimawandel.

Mit seinen ehrgeizigen ökologischen Zielen, unterstützt vom CWR und weiteren renommierten Partnern wie der Harvard University, nimmt Aruba eine Vorreiter- und Führungsrolle in der Karibik ein. In der Vergangenheit investierte die Regierung bereits über eine Milliarde US-Dollar in alternative Energien und Öko-Tourismus.

So werden beispielsweise neben dem Ausbau neuer Anlagen zur nachhaltigen Energiegewinnung weite Inselteile gerade mit Fuß- und Radwegen erschlossen. In der Hauptstadt Oranjestad fährt die erste solarbetriebene Tram der Welt und öffentliche Gebäude werden mit neuesten grünen Technologien ausgestattet. Aruba plant weiter jährlich 50 Millionen US-Dollar in seine Nachhaltigkeitsbemühungen zu investieren. Das „Aruba-Modell“ ist Beispiel für mittlerweile sechs weitere Karibikinseln, die sich gegenüber dem CWR dem Ziel verpflichtet haben, nach und nach komplett auf fossile Brennstoffe zu verzichten.

„Von der National Geographic Society ausgezeichnet zu werden ist eine Ehre und Anerkennung unserer konsequenten Aktivitäten für Nachhaltigkeit“, sagt Oslin B. Sevinger, Aruba Minister für Integration, Infrastruktur und Umwelt, der den Preis auf der ITB Berlin entgegengenommen hat. „In den vergangenen Jahren haben wir eng mit den innovativsten Vordenkern der Welt zu diesem Thema gearbeitet und sind stolz darauf, dass unsere Anstrengungen mit Vorbildcharakter auch auf andere karibischen Inseln abfärben. Dies ist erst der Anfang.“

Weitere Gewinner sind:

In der Kategorie: Earth Changers – In dieser Kategorie wird die innovative Marktführerschaft im Bereich umweltfreundlicher Geschäftspraktiken und grüner Technologien prämiert – von erneuerbaren Energien und dem Schutz des Wassers bis hin zu Null-Abfall-Systemen und der Verringerung der CO2-Emissionen.

  •  Orange County Resorts, Indien – Orange County arbeitet eng mit örtlichen Gemeinschaften und Regierungsbehörden bei der Aufklärung über nachhaltige Praktiken zusammen, wie etwa der Vermeidung von Plastik, dem Recyceln von Glas und Metall, dem Wasserschutz und der Nutzung alternativer Energien. Der Wasserschutz wird durch den Einsatz von Umkehrosmoseanlagen betrieben, die nicht nur sauberes Trinkwasser liefern, sondern auch 150.000 Plastikflaschen pro Jahr vermeiden. Der Strom wird überwiegend aus Windkraft erzeugt und die Auswirkungen von Energie, Wasser und Abfall werden laufend durch die Green Teams des Resorts überwacht.

In der Kategorie: Sense of Place – Diese Kategorie prämiert hervorragende Leistungen zur Aufwertung der Atmosphäre eines Ortes und dessen Authentizität, wie etwa dem Schutz historischer Monumente, archäologischer Stätten, kultureller Ereignisse, dem indigenen Erbe sowie künstlerischer Traditionen.

  • Cavallo Point Lodge, USA – Durch die erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen den Lodge-Eigentümern, der City von Sausalito und Golden Gate National Recreation Area, hat Cavallo Point die heruntergekommene ehemalige Militärkaserne Fort Baker zu einer florierenden, nachhaltigen Tourismus-Lodge mit LEED Gold-Zertifizierung umgestaltet, wobei 17 bedeutende historische Gebäude in ihrer ursprünglichen Gestaltung erhalten wurden (ausgezeichnet für die Architektur vom National Trust for Historic Preservation). Die Wiederbelebung von Fort Baker stellt einen wichtigen Meilenstein im Erbe von San Francisco dar, neben der Golden Gate Bridge.

In der Kategorie: Conserving the Natural World – In dieser Kategorie werden außerordentliche Leistungen zur Erhaltung der Natur, zur Wiederherstellung natürlicher Lebensräume sowie zum Schutz seltener und bedrohter Arten, sowohl auf dem Land als auch im Meer, ausgezeichnet.

  •  Huilo Huilo Biological Reserve, Chile – Im Regenwald der patagonischen Anden gelegen, ist das Huilo Huilo ein privatwirtschaftliches Ökotourismusprojekt zum Schutz der hohen Artenvielfalt der Region. Bis heute wurden ca. 1.000 Quadratkilometer früher von der Holzindustrie bedrohter Wildnis geschützt und durch wissenschaftliche Forschung und Aufklärung der Gemeinschaften in ein Modell für nachhaltige Entwicklung und Naturschutz verwandelt. Zu den laufenden Projekten gehört auch die Auswilderung der seltenen und gefährdeten Huemel-Andenhirsche, nebst weiterer bedrohter Arten.

In der Kategorie Engaging Communities – Diese Kategorie würdigt direkte, konkrete wirtschaftliche und gesellschaftliche Leistungen, die zur Verbesserung der Lebensgrundlage vor Ort beitragen. Unter anderem sind hier aufzuführen: Schulung und Aufbau von Kapazitäten, gerechte Löhne und Sozialleistungen, Gesundheitsfürsorge und das Bildungswesen.

  •  Tropic Journeys in Nature, Ecuador – Als Vorreiter im gemeindenahen Tourismus in Ekuador begann Tropic Journeys vor 20 Jahren, mit den indigenen Huaorani im ekuadorianischen Amazonasgebiet zusammenzuarbeiten. Heute wird die Huaorani Ecolodge zu 100 Prozent durch Huaorani betrieben, die ihre Löhne selbst festlegen und das Tagesgeschäft erledigen, indem sie ihre erlernten Fähigkeiten an andere Mitglieder der Huaorani-Gemeinschaft weitergeben. Das nächste Projekt von Tropic Journeys ist ein gemeindenahes Tourismus-Modell auf der Insel Floreana, die zu den Galápagos-Inseln gehört.

 

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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