Biolandwirtschaft braucht nicht unbedingt mehr Anbaufläche, ergab jetzt eine Studie.

Eine Langzeitstudie des Schweizerischen Forschungsinstituts für biologischen Landbau (FiBL) in Kenia hat deutlich erwiesen, dass biologische Landwirtschaft nicht nur vergleichbare Erträge erzielt, sondern den Bauern auch mehr Einnahmen beschert als konventioneller Landbau.

Die zehnjährige Studie in Thika und Chuka wurde seit 2007 mit örtlichen Partnern durchgeführt. Sie widerspricht dem Mythos, dass der Biolandbau für vergleichbare Erträge größere Anbauflächen benötigt. Nach fünf Jahren erzielen Biolandwirte dank der geringeren Produktionskosten und der höheren Marktpreise für biologisch angebaute landwirtschaftliche Erzeugnisse höhere Erträge, die sich nach dem sechsten Jahr auf 63  Prozent beziffern lassen.
Ein weiterer wichtiger Faktor, den die Studie erforschte, ist die verbesserte Fruchtbarkeit der Böden beim biologischen Landbau. Da in der biologischen Landwirtschaft keine chemischen Mittel eingesetzt werden und somit keine schädlichen Rückstände anfallen, wirkt sich diese außerdem vorteilhaft auf natürliche Ökosysteme und auf die Gesundheit der Bevölkerung aus.

In Parallelstudien beim Baumwollanbau in Indien und der Kaffeeproduktion in Bolivien führte der biologische Ansatz zu ähnlich positiven Ergebnissen. Der langfristige Vergleich der Anbausysteme in den Tropen (Systems Comparison in the Tropics, SysCom) soll wissenschaftliche Belege für die Vor- und Nachteile von biologischen bzw. konventionellen landwirtschaftlichen Systemen liefern. Das Ziel der SysCom besteht darin, die Entwicklung von Richtlinien und Strategien zu unterstützen, mit denen die Einführung nachhaltiger Landnutzungspraktiken auf örtlicher, regionaler und internationaler Ebene gefördert werden kann.

Die Studie zeigt ganz eindeutig, dass der biologische Ansatz in den Tropen eine sinnvolle Strategie ist, zu deren wesentlichen Herausforderungen die Verbreitung des nötigen Wissens und die Ausbildung biologischer Landwirte zählen. Geldgeber der Langzeitstudie in Kenia sind Biovision, das Schweizerische Departement für Entwicklung und Zusammenarbeit, der Liechtensteinischen Entwicklungsdienst und die schweizerische Supermarktkette Coop.

Zusätzlich zur Langzeitstudie, die noch mindestens bis ins Jahr 2019 laufen wird, sollen durch Forschungsarbeit auf den Bauernhöfen unter Beteiligung der Landwirte Praktiken für nachhaltigen Landbau entwickelt und gefördert werden, die an die jeweiligen örtlichen Bedingungen angepasst sind. Gemeinsam mit den örtlichen Bauern und anderen Interessengruppen wurden verschiedene Versuchsfelder eingerichtet, um unterschiedliche innovative Praktiken auf den Höfen und den Versuchsstationen zu testen und zu analysieren.

Über den Autor

Markus Lichtenberg ist Journalist und spezialisiert auf Thema rund um Mobilität und Stadtentwicklung.

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