Präsentierten heute den Jahresbericht 2015 der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (v.l.): Generalsekretär Dr. Heinrich Bottermann sowie Finanzchef und Verwaltungsleiter Michael Dittrich.

Heute hat die Deutsche Bundesstiftung Umwelt ihren Jahresbericht 2015 in Osnabrück vorgestellt:  247 Projekte wurden mit knapp 50 Millionen Euro gefördert.  

„Wir wissen, dass unsere heutigen Lebensformen nicht mehr im Einklang mit Umwelt und Natur stehen. Wenn wir auf eine Zukunft setzen, die uns und folgenden Generationen gerecht werden soll, müssen wir umsteuern. Wie wir mit unseren natürlichen Lebensgrundlagen umgehen, ob wir aus vermeintlichem Müll neuen Wertstoff gewinnen und nutzen, wie wir im Alltag Öl und Kohle durch klimaschonende Alternativen ersetzen, ist entscheidend, wenn wir die Belastungsgrenzen unseres Planeten nicht überstrapazieren wollen. Die politischen Rahmenbedingungen sind international gesetzt. Jetzt müssen sie endlich in praktisches Handeln umgesetzt werden.“ – Mit diesem Appell verband heute Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), das Vorstellen des Jahresberichtes 2015 der Stiftung. Sie förderte im Vorjahr 247 Projekte (2014: 274) und bewilligte dafür 49,4 Millionen Euro (52,8).

Bottermann betonte, die Menschheit laufe Gefahr, sich ihrer eigenen Lebensgrundlagen zu berauben. Millionen Menschen litten an den Folgen ungesunder Umwelt- und Lebensbedingungen wie Luftverschmutzung oder in Teilen der Welt an Wassermangel. Darüber hinaus seien menschenverursachte globale Klimaveränderungen nachweisbar, die Wetterereignisse mit katastrophalen Auswirkungen zur Folge haben – der Planet gerate aus dem Gleichgewicht.

Jetzt umsteuern

Plötzliche, unumkehrbare und gravierende globale Veränderungen der Umwelt seien nicht mehr auszuschließen. Doch das Tempo für das Lösen der drängenden Probleme „schleicht der täglich wachsenden Verschärfung der Situation hinterher“. Um weiter sicher leben zu können, müsse die Natur der klimatischen, geophysikalischen, atmosphärischen und ökologischen Prozesse im Erdsystem zwingend respektiert werden. Jährlich steige das Risiko, an einen Punkt zu kommen, an dem es mit Blick auf die Umweltbelastung der Erde kein Zurück mehr gebe. Dabei sei mit umweltbewusstem Verhalten ein gutes Leben in Wohlstand möglich, wenn der dazu notwendige Umdenkungsprozess stattfinde.

Neue Leitlinien zur Förderung von Projekten

Natürlich könne die DBU diese Situation nicht allein ändern. Aber sie versuche, ihren Beitrag zu leisten, indem sie aktuelle Umweltprobleme anpacke, die insbesondere aus nicht nachhaltigen Wirtschafts- und Lebensweisen entstehen. Das schlage sich auch in veränderten Arbeitsstrukturen bei der DBU nieder. Die zum 1. Januar in Kraft getretenen neuen Förderleitlinien orientierten sich an den zentralen Umweltproblemen, die es zu vermeiden oder beseitigen gelte. Sie seien so komplex, dass sie nur durch eine stärker interdisziplinär ausgerichtet Zusammenarbeit von Experten unterschiedlicher Fachrichtungen gelöst werden könnten. Dazu sei die Förderung in den für die DBU fundamentalen Feldern Technik, Naturschutz, Forschung, Kommunikation und Bildung auch organisatorisch neu ausgerichtet worden.

Gleichzeitig solle aber auch eine themenoffene Förderung für besonders innovative Einzelprojekte möglich bleiben. Dabei müsse berücksichtigt werden, dass der Mittelstand dynamischen, strukturellen Veränderungsprozessen unterliege. Neben der zentralen Gruppe der produzierenden mittelständischen Wirtschaft sollen deshalb weitere Unternehmenstypen wie z. B. Firmengründer, Unternehmen des Dienstleistungssektors oder der elektronischen Datenverarbeitung sowie Unternehmen, die sich innovativ, pragmatisch und langfristig für einen wesentlichen, positiven Wandel einer Gesellschaft einsetzen, stärker berücksichtigt werden.

Bottermann verdeutlichte das an einem Projekt der Firma UNISENSOR (Karlsruhe) und einem Gemeinschaftsprojekt von PROASSORT (Werdohl), Clean-Lasersysteme (Herzogenrath) und Secopta analytics (Berlin). Diese mittelständischen Unternehmen entwickelten Anlagen, die am Ende eines Reinigungs- und Sortierprozesses eine entscheidende Rolle beim Recycling spielen. Sowohl bei der Kunststoffwiederverwertung – das betreffe etwa PET-Flaschen – als auch bei der Rückgewinnung von Stahl und anderen Metallen aus zum Beispiel Altautos und Elektroaltgeräten seien laserbasierte Sortiersysteme entwickelt worden, die in diesem Jahr in den großtechnischen Betrieb übergehen.

Die neuen Anlagen seien so wirkungsvoll, dass qualitativ hochwertige Rohstoffe zunehmend wieder in den Kreislauf gebracht werden könnten. Die hohe Recyclingquote von Kunststoffen und Stahl sei ganz im Sinne des Ressourcenschutzes – also des Schutzes aller natürlichen Lebensgrundlagen und Rohstoffe einschließlich Luft, Wasser und Boden – und somit wichtig für eine nachhaltige Entwicklung.
Einen weiteren Beitrag leistet die DBU nach Bottermanns Angaben beim Emissionsschutz. Durch die Unterstützung der Universität Rostock wurde ein Gasmotor für Traktoren entwickelt. Er verfüge über die gleiche Leistung wie der ursprüngliche Dieselmotor, stoße aber deutlich weniger Kohlendioxid und andere Schadstoffe aus.

Ein weiteres Förderprojekt der DBU im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung befasse sich mit den Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringe. „Starkregen und Hochwasser sind keine Jahrhundertereignisse mehr“, so Bottermann. Es komme jetzt darauf an, praxisnahe Lösungsansätze für die Flächennutzung zu entwickeln. So könnten etwa multifunktional genutzte Freiflächen einen wichtigen Beitrag zur urbanen Überflutungsvorsorge leisten. Konkret gehe es darum, bei Starkregen an der Oberfläche abfließendes Wasser gezielt in ausgewählte Verkehrs- und Grünflächen zu leiten und dadurch nur geringen Schaden zu produzieren. Bei einem von der DBU fachlich und finanziell geförderten Projekt entwickeln die Firma MUST Städtebau (Köln) und Partner neue methodische Ansätze und Handlungsleitlinien dazu.

Raus aus der Kohle bei der Geldanlage

Auch bei der Anlage des Stiftungsvermögens würden die globalen Herausforderungen noch stärker berücksichtigt, erläuterte DBU-Finanzchef Michael Dittrich. Die DBU habe mit einer Dekarbonisierungsstrategie ihrer Kapitalanlagen begonnen, es würden also seit Jahresbeginn keine Investitionen mehr in Unternehmen getätigt, deren Geschäftsmodell zu einem erheblichen Teil auf Kohle basiere. „Als langfristiger Kapitalanleger glauben wir nicht, dass Kohleinvestments sowohl ökonomisch als auch ökologisch noch sinnvoll sind. Bestehende Anleihen lassen wir auslaufen und Aktien werden nach und nach abgebaut“, erklärte Dittrich. Seit Ende 2015 seien die Bestände von ehemals knapp 40 Millionen Euro aktuell bereits um drei Viertel auf unter zehn Millionen Euro verringert worden. Derzeit arbeite die DBU zudem an einer Bewertung des Kohlendioxid-Ausstoßes ihrer Kapitalanlagen.

Zur Finanzsituation erklärte Dittrich, dass die DBU auch in der sehr schwierigen Situation an den Kapitalmärkten aufgrund ihrer langfristigen Anlagestrategie ausreichende Mittel erwirtschafte. So habe sie 2015 einen Ertrag von 96,1 Millionen Euro (126,8) nach Abschreibungen und Verwaltungsaufwendungen erzielt. Das Vorjahresergebnis sei dabei das beste finanzielle Jahresergebnis in der Geschichte der DBU gewesen. Dittrich: „Obwohl Anlagen bester Bonität inzwischen in erheblichem Umfang negative Zinsen verzeichnen und damit überhaupt kein Geld mehr zu verdienen ist, erzielen wir noch immer so hohe Erträge, dass wir unsere Reserven ausbauen können.“ So konnten dem Stiftungskapital 38 Millionen Euro als Rücklage zugeführt werden, das damit jetzt 2,15 Milliarden beträgt. „Wir werden auch in den nächsten Jahren unverändert Fördermittel von rund 50 Millionen Euro ausschütten können“, so Dittrich weiter.

Insgesamt gingen im Vorjahr bei der DBU 675 Anträge und Projektskizzen ein (831). Die Bewilligungssumme blieb mit 49,4 Millionen Euro (52,8) „im Zielkorridor“, 247 Projekte (274) wurden gefördert. Damit hat die Stiftung seit Aufnahme ihrer Fördertätigkeit im März 1991 über 1,6 Milliarden Euro für mehr als 9.200 Projekte an Fördermitteln bewilligt und damit mehr Geld in den innovativen Umweltschutz investiert als sie seinerzeit als Stiftungskapital erhalten hatte (1,288 Milliarden Euro).

Über den Autor

Ähnliche Beiträge

Ein Bericht des Climate Service Center fasst zusammen, wie sich der Klimawandel auf den...

Das Schleswig-Holsteinische Verwaltungsgericht hat am 27. März 2017 negativ über den Antrag des...

Auch Abwasser kann man als Ressource nutzen. Darauf weist jetzt zum Weltwassertag am 22. März...

Antworten