Die Bundesregierung sieht Klärungsbedarf über die Gefahren, die von einer sogenannten Carbon Bubble auf den Finanzsektor ausgehen könnten. Das berichtet das Nachrichtenmagazin Der Spiegel in einer Vorabmeldung. Sie prüfe derzeit die Möglichkeit, ein Forschungsgutachten hierzu in Auftrag zu geben, heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion. Die Regierung unterstütze „einen ergebnisoffenen Prüfprozess auf internationaler Ebene, um festzustellen, ob Risiken aus dem Engagement in fossile Energieträger richtig bewertet sind und inwieweit hieraus Finanzstabilitätsrisiken resultieren“, so die Stellungnahme. Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Bärbel Höhn sieht umgehend Diskussionsbedarf: „Das Thema gehört auf die Agenda der G7“, sagte sie dem Nachrichtenmagazin.

Die Theorie der Carbon Bubble besagt, dass fossile Energieträger überbewertet sind und eine Spekulationsblase entstanden ist. Wenn die Staats- und Regierungschefs auf dem Klimagipfel Ende des Jahres in Paris das Zwei-Grad-Ziel vereinbaren und dem Ausstoß an Treibhausgasen Grenzen setzen, verlören die Rohstoffreserven der Energiekonzerne erheblich an Wert – weil ein Großteil des Öls, Gases und der Kohle ungenutzt im Boden bleiben müsste.

Einige Finanzakteure haben bereits Konsequenzen gezogen und angekündigt, sich von fossilen Anlagen zu trennen, vor allem von Kohle-Beteiligungen, darunter die Axa-Versicherungsgruppe, der norwegische Staatsfonds und die Kirche von England. Die Münchener Rück hat ein konzernweites Gremium eingerichtet, das sich unter anderem dem Umgang mit „Carbon Investments“ widmet. Die Allianz sucht derzeit nach einem Verfahren, mit dem der Münchner Versicherer sein Portfolio nach sogenannten ESG-Kriterien (Umwelt, Soziales, Unternehmensführung) überprüfen kann.

Die Bundesbank gibt indes Entwarnung, was die Blasengefahr angeht, zumindest für die heimischen Geldhäuser. Sie sieht „kein erhöhtes Risiko dahingehend, dass Banken aufgrund einer plötzlichen Abwertung von Aktientiteln des fossilen Sektors nennenswerte finanzielle Schäden erleiden“, heißt es in einer Stellungnahme. Bei Krediten gegenüber Energieunternehmen besteht nach Aussage der Zentralbanker ebenfalls kein Wertberichtigungsbedarf. Die Summe der Forderungen an diese Branchen betrage rund 151 Milliarden Euro, das entspreche ungefähr sechs Prozent der Kreditvergabe durch Banken an Unternehmen.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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