Die chinesische Regierung will inländische Autohersteller zu Marktführern in der Elektromobilität machen. „Die Dominanz ausländischer Unternehmen auf Chinas Automobilmarkt soll auf diese Weise beschnitten werden. Umwelt- und Energieaspekte spielen eine untergeordnete Rolle bei der Förderung der Elektromobilität. Die Regierung verfolgt in erster Linie industriepolitische Ziele“, sagt Mirjam Meissner vom Mercator Institute for China Studies in einer aktuellen Studie.

Nach Regierungsplänen sollen bis Ende des kommenden Jahres 500.000 E-Fahrzeuge auf chinesischen Straßen unterwegs sein, bis 2020 sogar 5 Millionen. Vor allem der öffentliche Sektor ist gefordert, auf E-Fahrzeuge umzusteigen. Seit einem guten Jahr hat die Entwicklung der Elektromobilität in China rasant Fahrt aufgenommen. Der Sektor, dessen Zukunftschancen bis vor kurzem als wenig erfolgversprechend galten, genießt in Peking plötzlich höchste politische Aufmerksamkeit. Staats- und Parteichef Xi Jinping betrachtet die E-Mobilität als einzigen Weg, um China zu einem „starken Land des Autos“ zu machen.

Trotz ausländischer Joint-Venture-Partner, die wie im Falle von VW seit knapp 30 Jahren ihr Knowhow teilen, verzeichnen chinesische Hersteller nach wie vor sehr geringe Verkaufszahlen. Da die Regierung bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor kaum Chancen sieht, die starke Wettbewerbsposition ausländischer Hersteller anzugreifen, setzt sie nun auf Elektromobilität. Unter Hochdruck entwickeln die Behörden neue Fördermaßnahmen und Pilotprogramme. Sie wollen erreichen, dass die Elektromobilität sich durchsetzt.

Aufgrund der staatlichen Subventionen können chinesische Hersteller ihre Elektroautos zu Preisen anbieten, die mit herkömmlichen Autos durchaus konkurrieren können. So kostet je nach Ausstattung der Beiqi E150EV bis zu 14.000 EUR, der BYD E6 bis zu 26.900 EUR, während die Importmodelle von Tesla oder BMW zwischen 54.000 und 102.000 EUR liegen. Die Absatzzahlen für E-Fahrzeuge und Plugin-Hybridwagen sind zwar noch relativ niedrig, konnten jedoch zuletzt einen deutlichen Zuwachs verzeichnen:

Allein im ersten Halbjahr 2014 wurden in China mehr Fahrzeuge verkauft als im gesamten Jahr 2013. Besonders die Plugin-Hybridfahrzeuge sind auf dem Vormarsch: 8.700 Wagen (fast ausschließlich chinesische Modelle) wurden zwischen Januar und Juni in China verkauft, 2013 waren es erst 3.038 gewesen.

Sollte die chinesische Regierung ihre neue Automobilpolitik konsequent fortsetzen, wird die momentan sehr starke Stellung deutscher Automobilhersteller weiter unter Druck geraten. Mit einem Marktanteil von knapp 23 Prozent erwirtschaften die deutschen Autobauer in China große Teile ihrer Erträge. Für die VW-Gruppe ist China gar der wichtigste Einzelmarkt: 3,3 Mio. und damit fast ein Drittel aller weltweit verkauften Fahrzeuge des Konzerns gingen 2013 nach China.

Die neue Förderpolitik der chinesischen Führung benachteiligt offen ausländische Autobauer: Für Importierte E-Autos gelten keine staatlichen Subventionen oder Steuervergünstigungen. Zudem sind abweichende chinesische Ladestandards in Vorbereitung.

Mirjam Meissner betont allerdings: Noch befindet sich Chinas neue Automobilpolitik in einer Phase der Neuausrichtung. Es bestehe daher ein Zeitfenster zur Mitgestaltung. Deutsche und internationale Marktteilnehmer haben gemeinsam mit ihren chinesischen Partnern die Chance, sich an der Ausgestaltung von Standards und politischen Maßnahmen zu beteiligen.

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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