Cloud benötigt immer mehr Strom

eGovernment  /   /  Von Frank Tetzel

Der Anteil von Rechenzentren und Telekommunikationsnetzen am Stromverbrauch der Informations- und Kommunikationstechnologien wird sich bis zum Jahr 2020 auf 46 Prozent erhöhen, vor drei Jahren waren es noch  33 Prozent.

So wird nach einer Studie der Öko-Instituts in Zusammenarbeit mit der TU Berlin im Aufrag der EU-Kommission der Strombedarf von Rechenzentren künftig von 52 Terawattstunden (TWh) in auf 70 TWh im Jahr 2020 steigen. Der Grund: eine europaweite verstärkte Nutzung des Internets sowie von so genannten Cloud-Dienstleistungen.

Für die Netze ist die Steigerung des Stromverbrauchs noch deutlicher: Hier erwarten die Expertinnen und Experten Wachstum von 20 auf 50 TWh zwischen 2011 und 2020. Damit steigt der Strombedarf allein für die Telekommunikationsnetze um 150 Prozent an. Insgesamt erwarten Öko-Institut und TU Berlin ein Wachstum des Stromverbrauchs der Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) von 214 TWh jährlich auf 259 TWh im Jahr 2020.

Wachsende Datenmengen sorgen für Anstieg des IKT-Energieverbrauch

Heute noch entfällt ein Großteil des für den IKT-Sektor aufgewendeten Stroms auf privat und beruflich genutzte Geräte – rund 66 Prozent. Insbesondere Fernseher verbrauchen zurzeit fast ein Drittel des im IKT-Bereich genutzten Stroms. Dies wird sich in der Zukunft ändern. Insbesondere die zunehmende Nutzung von mobilen Geräten und zunehmend energieeffiziente Geräte lassen den Stromverbrauch der Produkte bis 2020 sinken.

„Der dennoch steigende Gesamtstrombedarf der IKT-Branche ist also in erster Linie auf wachsende Datenmengen für die mobilen Telekommunikationsnetze  zurückzuführen“, sagt Siddharth Prakash, Senior Researcher am Öko-Institut und Experte für Nachhaltigkeitsanalyse von IKT.

Mehr Effizienz für Rechenzentren und Netze nötig

In der Studie fordern die Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen daher, die Energieeffizienzmaßnahmen im Bereich Rechenzentren und Netze deutlich zu verbessern. „Existierende verpflichtende Politikinstrumente, wie die Ökodesign-Richtlinie der EU, fokussieren auf die Produktebene und wollen dort den Stromverbrauch reduzieren“, erläutert Prakash. „Komplexe system-basierte Dienstleistungen, wie Rechenzentren und Telekommunikationsnetze, werden von der Umweltpolitik bisher nicht ausreichend behandelt“.

Die Datengrundlage für die Erfassung und Messung von Energieverbräuchen von Rechenzentren und Telekommunikationsnetze bleibt dabei sehr lückenhaft. Auch aus diesem Grund ist es bisher nicht möglich, sich auf eine einheitliche methodische Grundlage zur Messung, Monitoring und Berichterstattung zu Energieverbräuchen von Rechenzentren und Telekommunikationsnetze zu einigen.

Studie „Study on the practical application of the new framework methodology for measuring the environmental impact of ICT – cost/benefit analysis, SMART 2012/0064“ von Öko-Institut und TU Berlin

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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