Foto: Chicobag_Motiv_Nachhaltig einkaufen mit dem VeggieBag

Premiere in der Domstadt Köln. Am 21. und 22. November 2015 finden in der Kölner XPost (ehemals EXPO XXI) die Messen fairgoods und Veggienale statt.

Das Motto „Deine Messe für nachhaltigen Lebensstil“ zielt bewusst auf den Megatrend Sustainability und Aussteller aus den Bereichen Bio-Essen, grüne Mode, ethische Finanzen, Upcycling, alternativer Mobilität und Ökostrom stellen zukunftsfähige Produkte und Dienstleistungen vor.

„Wir wollen Nachhaltigkeit mehr in die gesellschaftliche Mitte rücken und deren Praxistauglichkeit aufzeigen“, sagt Daniel Sechert, Gründer und Geschäftsführer des Veranstalters ECOVENTA aus Berlin. „Bereits heute gibt es in nahezu allen Lebensbereichen die besseren Alternativen. Darüber wollen wir aufklären, informieren und für einen bewussteren Konsum werben“, so Sechert weiter. FAIReconomics wollte mehr wissen und hat Daniel Sechert in Berlin getroffen.

Herr Sechert, was verstehen Sie unter nachhaltigem Lebensstil? Sind das die Menschen, die auf „es gibt sie noch die guten Dinge“ stehen?

Ich denke es reicht nicht aus, nur auf Nachhaltigkeit „zu stehen“, man muss es auch Realität werden lassen. Auch wenn die Angebote stetig zunehmen, vom Mainstream sind wir noch ein ganzes Stück entfernt.

Das verdeutlicht ein Blick auf die Statistiken: So geben Deutsche pro Jahr gerade mal 96 Euro für Bio-Lebensmittel aus, beim Fairen Handel sind es 13 Euro. Der Anteil nachhaltiger Textilien in der Modebranche stagniert bei etwa 4 Prozent. Der Anteil bei grünen und ethischen Geldanlagen liegt im Nullkomma-Bereich und von den ambitionierten eine Million Elektroautos bis zum Jahr 2020 fahren aktuell gerade mal 19.000 auf deutschen Straßen.

Wir wissen, dass viele Menschen nach Alternativen suchen. Oft sind die Möglichkeiten aber nicht offensichtlich. Dazu kommt der Zeitfaktor. Für umfangreiche Recherchen nach Feierabend fehlt oft die Zeit. Qualität im Sinne von Funktionalität und Langlebigkeit ist eine Facette von „guten Dingen“.

Den Menschen geht es auch um Herkunft der Materialien und Entlohnung der Produzenten. Wer dafür ein Bewusstsein hat, konsumiert anders, eben nachhaltiger. Möglicherweise ist eine 100prozentige nachhaltige Lebensweise nicht möglich. Wer aber nach und nach für sich die besseren Alternativen entdeckt, lebt nachhaltiger und unterstützt damit die dafür notwendigen Entwicklungen, z.B. dass sich die „guten Dinge“ am Markt etablieren und durchsetzen. So gesehen geht es also darum, aus dem Trend zu mehr Nachhaltigkeit ein Selbstverständnis im Alltag werden zu lassen.

Wie kann man die Zielgruppe am besten definieren?

Grundsätzlich sollte das Thema alle betreffen, doch gilt es etwas weiter auszuholen. Die im Frühjahr diesen Jahres veröffentlichte Umweltbewusstseinsstudie des Umweltbundesamtes (UBA) differenziert in fünf Umwelttypen. Danach sind „Umweltbesorgte“ (22Prozent) und „Nachhaltigkeitsorientierte“ (14 Prozent) am ehesten bereit, sich ökologisch korrekt zu verhalten.

Der „Orientierungssuchende“ (20Prozent) wäre gerne öko, weiß aber noch nicht so richtig, wie er das anstellen soll. Diese drei Gruppen machen immerhin mehr als 50 Prozent aus, so dass wir hier schwerpunktmäßig auch unsere Besucher und Besucherinnen sehen. Diese Menschen sind für unsere Aussteller am interessantesten, weil Interesse und Vorwissen schon da sind, aber auch die Bereitschaft, sich inhaltlich tiefer damit auseinanderzusetzen. So erwarten wir zur fairgoods junge Menschen, Eltern, aber auch Leute höheren Semesters, weil Umwelt- und Klimaschutz keine Frage des Alters, sondern der Einstellung ist. Die ist bei Menschen mit höherer Bildung und im Idealfall gutem Einkommen meistens nachhaltigkeitsorientierter. Tendenziell sind Frauen etwas mehr am Thema interessiert als Männer, aber das muss ja nicht so bleiben.

Sie haben die Stuttgarter Messe Fair Handeln mit initiiert, sind Messen, wie Sie sie betreiben, eher regional zu betrachten, oder überregionale Veranstaltungen, zumal da es in der Nachhaltigkeitsdiskussion sehr stark in Richtung Regionalisierung geht.

Nun ich habe sie nicht initiiert, das hat schon im vor neun Jahren die  Stiftung Entwicklungszusammenarbeit Baden-Württemberg. Ich habe sie als Projektleiter bei der Landesmesse Stuttgart betreut und weiter entwickelt.

Aber nun zu Ihrer Frage:  Was die Besucher und Besucherinnen angeht, ist es sicherlich so, dass die Gäste aus dem regionalen bzw. lokalen Umfeld kommen. Bei den Ausstellern ist es da schon etwas anders. In den jeweiligen Städten sind natürlich die lokalen Akteure präsent. Insbesondere bei Lebensmitteln spielt der Regionalfaktor eine große Rolle. Es gibt aber auch Aussteller, die Ihre Marke dem Endverbraucher vorstellen oder den Online-Shop bekannter machen möchten. Deshalb kommen die Aussteller aus dem gesamten Bundesgebiet. Für Köln können wir sogar Teilnehmer aus den Niederlanden, Dänemark, der Schweiz und Österreich, Finnland sowie Belgien melden.

Was ist das Konzept von fairgoods?

Wir möchten das Thema noch mehr in der gesellschaftlichen Mitte verankern, weg vom Öko-Image hin zu mehr Lifestyle – eine Messe für das gute Leben eben. Gute Produkte machen Spaß – fairtrade, bio & vegan sind keine Kompromisse, sondern gewinnbringende Eigenschaften für alle Beteiligten. Man hat teilweise schon noch den Eindruck, als sei die Rettung der Welt der alternativen Szene vorbehalten. Das größte Veränderungspotential geht aber vom Otto-Normalverbraucher aus, der sich künftig für die besseren Alternativen entscheidet. Heutzutage gibt es bereits in nahezu allen Lebensbereichen mindestens ein nachhaltigeres Angebot. Dafür zu sensibilisieren ohne den erhobenen Zeigefinger, ist unser Anliegen mit der fairgoods, die sinnhafterweise an allen Standorten parallel mit der Veggienale – Messe für vegan-vegetarische Lebenskultur durchgeführt wird.

Damit bieten wir die perfekte Verkaufsplattform für faire Alltagslösungen und nachhaltigen Genuss.

Und können Sie schon einen Zwischenstand geben, wie das Thema angenommen wird?

Wir sind mit den Rückmeldungen sehr zufrieden. In Köln werden wir jetzt etwas mehr Platz einplanen, etwa 100 Aussteller aus den Bereichen bio-vegane Lebensmittel, grüne Mode, ethische Finanzen, alternativer Mobilität, Upcycling und Fairer Handel werden dabei sein. Wir erwarten ca. 8.000 Besucher und Besucherinnen. Auch für unsere Standorte im ersten Halbjahr 2016 (Hannover am 16./17. Januar, Graz am 9./10. April und Dresden am 7./8. Mai) haben wir bereits Ausstelleranmeldungen.

Weitere Informationen gibt es auf www.fairgoods.info sowie www.veggienale.de.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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