Die Grüne Wohe in Berlin ist nicht nur eine Leistungsschau der Landwirtschaft. Es gibt inzwischen immer mehr Raum für umweltpolitische Diskussionen. So wurde mm Tag des Ökologischen Landbaus zum Thema „Bio ist günstiger – für alle!“ diskutiert. Dabei ging es um die wahren Kosten der Lebensmittelproduktion – Politik, Wirtschaft und Wissenschaft diskutierten.

Martin Weyand, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft schilderte den hohen Aufwand, der betrieben werden muss, um das geförderte Grundwasser von Pestiziden und Nitrat zu reinigen. Laut Weyand wäre richtige Weg, dafür zu sorgen, dass schädliche Stoffe gar nicht erst in unser Wasser gelängen. Dafür müsse nicht nur das Verursacher- sondern auch das Vorsorgeprinzip angewendet werden – es brauche dringend eine Agrarwende.

In dieselbe Kerbe schlug Volkswirt Anselm Görres, Vorsitzender des Forums Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft. Für Görres zeigt die Erfahrung aus 200 Jahren sozialer Marktwirtschaft, dass es Gesetze brauche, damit sie funktioniert. Diese Gesetze müssten dafür sorgen, dass Preise die Wahrheit sprechen – ökologisch und sozial. Sonst könnten sie ihre Steuerungswirkung nicht entfalten.

Der Vorstand des Bundesverbandes Ökologische Landwirtschaft (BÖLW), Jan Plagge, präzisierte: „Abgaben auf den Einsatz von Pestiziden und den umweltschädlichen Stickstoff-Überschuss sind Instrumente, mit denen einfach und wirksam das Marktversagen behoben werden kann, dass entsteht, wenn öffentliche Güter wie Boden, Artenvielfalt, Klima oder Grundwasser geschädigt werden können, ohne dass die dabei entstehenden Kosten sich im Preis der Produkte wiederfinden.“

Bio muss nicht teuer sein

Jenny Teufel vom Öko-Institut stellte die Ergebnisse der Studie „Ist gutes Essen wirklich teuer?“ vor, in der diese „externen Kosten“ am Beispiel der Lebensmittelproduktion detailliert hergeleitet und quantifiziert wurden. Die Ergebnisse zeigen, dass Bio nicht teurer ist als der Kunde an der Kasse dafür bezahlt. Die Preise für konventionell produzierte Lebensmittel hingegen sprechen nicht die Wahrheit – wenn man die externen Kosten mit einrechnet.

Gleichzeitig machte Teufel deutlich, dass eine an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung orientierte, fleischreduzierte Bio-Ernährung kaum mehr kostet als der übliche Lebensmitteleinkauf; pro Person und Jahr müsse der Kunde nur 81 Euro mehr für ökologisch produzierte Lebensmittel berappen.

Alexander Beck, Vorstand des BÖLW, brachte in seinem Schlusswort die politischen Forderungen der Ökologischen Lebensmittelwirtschaft auf den Punkt: „Preise müssen die soziale und ökologische Wahrheit sagen, damit diese ihre wirtschaftliche Steuerungsfunktion erfüllen. Der BÖLW fordert deshalb ein ganzes Maßnahmenbündel: Fiskalische Instrumente wie etwa eine Pestizid und Stickstoffabgabe. Funktionale Gestaltung von Naturschutzrecht und Landwirtschaftlichem Fachrecht. Durchsetzung von Haftungsregeln, die Bevorzugung bei öffentlichen Aufträgen von Unternehmen mit Umweltbilanzierungssystemen sowie die ausschließliche Orientierung der Agrarförderung an ökologischen und sozialen Leistungen. Das sind taugliche Elemente, welche die Transformation des gesamten Agrar- und Ernährungssystems in Richtung Nachhaltigkeit einleiten.“

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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