Einsparbeträge bei der Energie von 500 Milliarden Euro kann für Unternehmen der Einstige in die Photovoltaik-Selbstversorgung bringen. So eine Studie von Ernst & Young

Das Beratungsunternehmen Ernst&Young hat in einer Marktstudie die Möglichkeiten der Fotovoltaik untersucht und dabei Einsparpotentiale von knapp 500 MIlliarden US-Dollar errechnet.

Nach Ansicht der Unternehmensberater bietet der Verfall der Preise für Fotovoltaik und Batterien Unternehmen weltweit große Einsparpotenziale und zwar dann, wenn sie dazu übergehen, eigene Energieerzeugungs- und -speicherkapazitäten aufzubauen um Leistungsspitzen mittels gespeichertem Strom abzufangen und ihren eigenen Strombedarf verstärkt über – ebenfalls immer billiger werdende – Photovoltaik-Anlagen sowie Blockheizkraftwerke zu decken. Auf diese Weise lassen sich in Summe die Stromkosten deutlich senken.

Insgesamt bieten dezentrale Stromspeicher, in Verbindung mit einem verstärkten Einsatz von Photovoltaik (PV) und Blockheizkraftwerken (BKHW) in den zehn größten OECD-Ländern sowie den zehn größten Nicht-OECD-Ländern im Jahr 2020 ein jährliches Einsparpotenzial von 141 Milliarden US-Dollar im Bereich Handel, Dienstleistung, Gewerbe und 298 Milliarden in der Industrie – macht zusammen ein Einsparvolumen von 439 Milliarden US-Dollar.

Einsparungen werden direkt durch geringere Preise für vorgehaltene Kapazität und tatsächlich verbrauchte Kilowattstunden (kWh) sowie durch die Nutzung von Abwärme der BHKWs erzielt. Darüber hinaus stellt gerade in den Schwellenländern die Vermeidung von Stromausfallkosten einen erheblichen Vorteil dar. Letztlich wird zudem die Klimabilanz insgesamt verbessert, ein im Zuge der anstehenden Dekarbonisierung nicht zu unterschätzender Vorteil.

Das sind Ergebnisse einer Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young). Für die Studie wurden die jeweils zehn größten OECD Länder und Nicht-OECD-Länder untersucht, die zusammen für 73 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsprodukts sowie gut die Hälfte des weltweiten Stromverbrauchs stehen.

Laut der Studie bieten Blockheizkraftwerke – heute schon eine wichtige Säule der dezentralen Strom- und Wärmeversorgung der Unternehmen – die größten Potenziale. Immer wichtiger wird in Zukunft aber auch die dezentrale Stromversorgung mit Photovoltaik und durch Stromspeicher. Möglich wird der verstärkte Aufbau dezentraler Speicherkapazitäten durch den rapiden Preisverfall auf dem Speichermarkt. Lagen die Kosten pro Kilowattstunde 2015 je nach Nutzer und Nutzungstyp zwischen 400 und 800 US-Dollar oder sogar darüber, so werden sie nach EY-Prognose bis 2020 auf unter 300 US-Dollar pro Kilowattstunden gesunken sein. Damit werden ganz neue Anwendungsbereiche erschlossen.

Derzeit rechnet sich der Einsatz von Lithium-Ionen Speicher in erster Linie im Rahmen von Systemdienstleistungen zur Netzstützung, wobei die Anbieter entweder Großspeicher bauen oder viele kleine Speicher koordinieren und virtuell zusammenschließen. Produktionskapazitäten für entsprechende Batterien gibt es bereits und sie werden derzeit kräftig ausgebaut. Laut Studie wird es sich für Dienstleistungs- und Handelsunternehmen aber in den nächsten Jahren rentieren, Speicherkapazitäten aufzubauen, um Leistungsspitzen abzufangen (sogenanntes ‚peak shaving‘) und auf diese Weise die Leistungspreiskomponente zu reduzieren.

Einsparpotenzial in Deutschland: 17,1 Milliarden US-Dollar
Welches Einsparpotenzial sich dabei bietet, zeigen folgende Zahlen: Derzeit verbraucht der GHD-Sektor (Gewerbe, Dienstleistungen und Handel) in Deutschland 140,3 TWh Strom und bezahlt dafür etwa 24,2 Milliarden US-Dollar. Würden die Unternehmen des GHD-Sektors im großen Stil BHKWs, Photovoltaikanlagen und Lithium-Ionen-Speicher zubauen, so könnten die Stromkosten im GHD-Sektor im Jahr 2020 um 6,9 Milliarden US-Dollar niedriger liegen als bei reinem Strombezug aus dem allgemeinen Stromnetz. Hinzu kommt der Wertbeitrag durch die nutzbare Abwärme der BHKWs, den EY bei 2,4 Milliarden US-Dollar sieht.

Etwas geringer ist das Sparpotenzial für die deutschen Industrieunternehmen, die als Großkunden bereits von niedrigeren Stromkosten profitieren. Auch produzieren die Industrieunternehmen schon heute 45,4 TWh selbst und verfügen in 425 Betrieben über Erzeugungskapazitäten von 10,1 GW, was etwa 17 Großkraftwerken entspricht. Die Industrie verbraucht derzeit 225,8 TWh Strom und bezahlt dafür geschätzt 32,8 Milliarden US-Dollar. Die Industrie könnte 2020 ihre Stromkosten um 4,4 Milliarden US-Dollar reduzieren und zusätzlich 3,4 Milliarden US-Dollar durch Nutzung der Abwärme verdienen.

In Summe liegt das Einsparpotenzial für die deutschen Industrie- und GHD-Unternehmen im Jahr 2020 damit bei 17,1 Milliarden US-Dollar im Jahr – und wird mit weiter sinkenden Preisen für Speicher und Photovoltaik-Anlagen in den Folgejahren weiter zunehmen.

„Selbst wenn voraussichtlich längst nicht alle Unternehmen die Chancen ergreifen werden, die ein Einsatz von Energiespeichern bietet, werden sich – neben den niedrigeren Energiekosten für Unternehmen – massive Auswirkungen für einzelne Branchen ergeben. Es werden neue Lösungen und Angebote zur Bereitstellung dezentraler Energien beim Kunden und zur Steuerung der dezentralen Erzeugungsanlagen entstehen. Zudem dürften goldene Zeiten für Ausrüster und Hersteller aus der Speicher- und PV-Industrie anbrechen.“

Robert Seiter, Executive Director bei EY
Dies geht zu Lasten der herkömmlichen Energieversorgung, denen Metin Fidan, Partner bei EY und Leiter Energiesektor für Deutschland, Schweiz und Österreich daher empfiehlt: „Zur Vermeidung erheblicher Umsatz- und Gewinneinbußen sollten Energieversorger neue Geschäftsmodelle entwickeln, in deren Mittelpunkt technische und kommerzielle Lösungen stehen, die am konkreten Energiebedarf des Kunden orientiert sind.“

Hinzu komme, dass durch den Wegfall großer Mengen an Netzstrom Investitionen in Netze gestreckt oder ganz gestrichen werden können. Die aktuellen Debatten im Rahmen der Energiewende über erhebliche Investitionen in den Ausbau der Netze sollten also immer berücksichtigen, dass die Zukunft zunehmend der dezentralen Energieerzeugung gehört.

Erhebliche Chancen für Schwellenländer
Während die jährlichen Einsparpotenziale für Unternehmen in den Industrieländern – unter anderem abhängig vom jeweiligen Strompreis – zwischen 2,3 Milliarden US-Dollar in Frankreich und 28,8 Milliarden US-Dollar in Japan liegen, ergeben sich für einige große Schwellenländer weit höhere Summen: In China könnten Industrie- und GHD-Unternehmen zusammen 265 Milliarden US-Dollar im Jahr sparen, was sich einerseits aus dem sehr hohen Stromverbrauch der chinesischen Industrie und dem hohen Arbeitspreis, andererseits aus einem sehr günstigen Gaspreis sowie den weltweit niedrigsten Kosten für PV-Anlagen ergibt.

Neben den Einsparungen beim Strompreis bietet der Vormarsch der dezentralen Energieversorgung in einigen Schwellenländern – etwa Indien und Indonesien – die Möglichkeit, die Versorgungssicherheit erheblich zu verbessern: Aktuell führen Stromausfälle dort zu hohen Kosten für die Betriebe, die mit dezentralen Stromspeichern und einer teilweisen Eigenversorgung minimiert werden könnten, wodurch diese Länder als Produktionsstandorte deutlich an Attraktivität gewinnen könnten.

„Es sind die Unternehmen, die für einen Großteil des Stromverbrauchs verantwortlich sind“, betont Robert Seiter. „In den 20 untersuchten Ländern verbrauchen sie rund zwei Drittel des Stroms. Eine breite Investitions- und Innovationsbereitschaft der Wirtschaft wäre aufgrund des erheblichen Potenzials ein enormer Hebel und könnte langfristig erhebliche Kosteneinsparungen, sondern auch Fortschritte bei der Versorgungssicherheit bedeuten.“

Hier geht es zur Studie

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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