In den Mitgiedsstaaten der Europäischen Union liegt der Energieverbrauch von Raumheizung, Warmwasser, Klimaanlagen und Beleuchtung bei etwa 60 Prozent. 20 bis 30 Prozent könnten eingespart werden, setzten die EU-Mitgliedsstaaten innovative Lösungen im Gebäudebereich um, das meinen Forscherinnen und Forscher des europäische Forschungskonsortium ENTRANZE, in dem für Deutschland das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI sowie das Öko-Institut beteiligt waren.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen beispielsweise vor, Ölheizungen allmählich zu ersetzen, energiesparende Beleuchtung verstärkt einzusetzen und vor allem ältere Gebäude energiesparend zu sanieren.

Judit Kockat, Wissenschaftlerin am Fraunhofer ISI, betont: „Große Chancen gibt es bei der Altbausanierung, da in vielen europäischen Ländern derzeit viel Raumwärme über schlecht isolierte Türen, Fenster und Mauern verloren geht. Die ENTRANZE-Ergebnisse zeigen, dass Deutschland, Frankreich und Italien für etwa 46 Prozent des Energiebedarfs für Raumwärme und Warmwasser in der Europäischen Union verantwortlich sind. Je nachdem, welchen politischen Weg wir einschlagen und wie sich die Energiepreise entwickeln, kann dieser Energiebedarf für die 28 EU-Staaten bis 2030 um 20 bis 30 Prozent reduziert werden.“

Mehr politische Förderung von Niedrigenergiegebäuden in Deutschland gefordert
Die Energieeinsparverordnung (EnEV), zinsgünstige Kredite, Zuschüsse und Tilgungsboni für die Sanierung von Bestandsgebäuden sowie für Neubauten, Investitionsbeihilfen für Bestandsgebäude und Nutzungspflicht von erneuerbaren Wärmetechnologien für Neubauten – in Deutschland gibt es bereits gute gesetzliche Regelungen für die energetische Sanierung von Gebäuden. Dennoch braucht es weitere politische Maßnahmen, um effizienten Klimaschutz bei Gebäuden zu erreichen.

„Jetzt ist es vor allem wichtig, die Energieeinsparverordnung konsequent durchzusetzen – dazu gehört auch die bessere Information von Hauseigentümern über die energetische Sanierung und entsprechende Förderungen ebenso wie schärfere Bauvorschriften“, fasst Tanja Kenkmann, Projektleiterin am Öko-Institut, zusammen. „Zudem zeigen unsere Analysen, dass mit erneuerbaren Energien für die Wärmeerzeugung in Kombination mit einer Sanierung die meiste Energie eingespart werden kann. Werden Heizanlagen ausgetauscht, sollten Eigentümer auf eine klimafreundliche Heizanlage umsteigen.“

Mehr Effizienz bei Klimaanlagen notwendig
Im Gegensatz zu den beträchtlichen Einsparungen, die beim Energiebedarf für Raumheizung und Beleuchtung möglich sind, steigt der Energiebedarf für Klimaanlagen in allen Szenarien deutlich an. Mehr als doppelt so viel Energie würde absehbar bis 2030 für die Raumkühlung benötigt, so die Forscherinnen und Forscher. Ein Grund: steigende Ansprüche der Europäer und Europäerinnen an Komfort. Der Anstieg des Energieverbrauchs könnte reduziert werden, wenn strikte Effizienzmaßnahmen wie eine Beschattung der Fenster, aber auch die Weiterentwicklung hocheffizienter Kälteanlagen umgesetzt würden.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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