FAIReconomics Nachrichten KW 49

Dobrindt Ministerium muss Akten herausgeben: Das Bundesverkehrsministerium muss der Deutschen Umwelthilfe (DUH) Einsicht in die von ihr begehrten Dokumente aus den ersten turbulenten Monaten nach Aufdeckung des Diesel-Abgasskandals gewähren. Dies entschied das Verwaltungsgericht Berlin  nach ausführlicher mündlicher Verhandlung (VG 2 K 288.16) unter dem Vorsitz der Gerichtspräsidentin Erna Viktoria Xalter. klimaretter.info  , duh.de

Streit um Glyphosat-Zulassung:  Nach dem Alleingang des amtierenden Bundeslandwirtschaftsministers Christian Schmidt bei der Zulassung des Pflanzenschutzmittels Glyphosat gab es nicht nur Verwerfungen in der amtierenden Bundesregierung, sondern auch heftigen Krach zwischen den möglichen zukünftigen Koalitionspartnern CDU und SPD. Nun hat die Umweltministerin Barbara Hendricks ihren Kabinettskollegen empfangen, um auf eine sachliche Ebene zurückzufinden. Einigkeit herrscht aber zwischen Hendricks und Schmidt nicht. spiegel.de

Rund 350.000 Jobs könnten wegfallen, wenn sich die E-Mobilität vollständig durchsetzen sollte. Das ist fast jeder zweite Arbeitsplatz in der Automobilbranche. Die Unternehmen müssen sich dringend darauf einstellen, ihre Mitarbeiter auf die Wende hin zur Elektromobilität vorzubereiten. Auch bei einem Anteil von 25 Prozent E-Autos in rund fünf Jahren müssten Unternehmen umgehend mit Umschulungen und Umsetzungen beginnen. automobilwoche.de

Australien: Im Bundesstaat South Australia ist das weltweit größte Batteriesystem der Welt an der Start gegangen.  Die Lithium-Ionen-Zellenhaben insgesamt eine Leistung von 129 Megawatt und werden von einem Windpark gespeist.  Es sei ein „bedeutender Moment für die erneuerbare Energie“, erklärte die Regierung. spiegel.de

Klage gegen RWE „schlüssig“: Das Oberlandesgericht (OLG) Hamm beschloss am vergangenen Donnerstag im Klimaprozess gegen den Energiekonzern RWE den Einstieg in die Beweisaufnahme. Die Klage des peruanischen Bergbauern Saúl Luciano Lliuya sei rechtlich „schlüssig“. Die Umweltorganisation Germanwatch, die den Kläger unterstützt, sprach von einem „historischen Durchbruch mit weltweiter Relevanz“. rp-online.de

Einigung über Fischfangmoratorium: Zehn arktische- und Fischerei Nationen haben sich am Freitag auf ein Fischfang-Moratorium für die Arktis geeinigt. Erst wenn die Region ausreichend erforscht ist, soll ein kommerzieller Fischfang dort möglich sein. Zunächst soll herausgefunden werden, wie und ob der Fischfang im Arktischen Meer überhaupt mit dortigen Ökosystemen vereinbar ist. welt.de

Vassilidis kritisiert Kohleausstieg als Glaubenskrieg: Der Chef der IG-BCE-Chef Michael Vassiliadis kritisierte die Debatten um das nach seiner Ansicht voreilige Abschalten konventioneller Kraftwerke. Statt eine realistische Politik zu betreiben, würden Emotionen geschürt. „Da werden Glaubenskriege in die Gesellschaft getragen“, meint der Gewerkschaftschef.  klimaretter.info

Betrugsverdacht bei Tesla: Der US-Autobauer Tesla steht im Verdacht, sich in Deutschland staatliche Subventionen erschlichen zu haben. Deshalb soll Tesla nicht mehr auf der offiziellen Liste der förderwürdigen Fahrzeuge des Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle stehen.  Der Autobauer bestreitet die Vorwürfe.  Unterdessen wurde bekannt, dass Konkurrent Daimler sich einen Tesla gemietet hat, ihn ausführlich getestet hat und beschädigt zurückgegeben hat. manager-magazin.de  ,  zeit.de (Daimler)

Buchtipp der Woche: Ende des Aufruhrs – Wie die Deutschen mit sich selbst Frieden schlossen – Seit Jahrhunderten waren die Deutschen bei ihren Nachbarn wegen ihrer Wankelmütigkeit gefürchtet. Besonders aber nach dem Ende des Dritten Reiches entwickelten sie ein gebrochenes, von Selbstzweifeln geprägtes Verhältnis zur eigenen Nationalität. Nicht zufällig hat der Begriff von der German Angst Eingang in die englische Sprache gefunden. Doch wo ist die German Angst  geblieben? Rund um Deutschland herum scheint die Welt aus den Fugen zu geraten, doch die Deutschen sind kaum aus der Ruhe zu bringen. Von den alten Selbstzweifeln und der berühmten Wankelmütigkeit ist nur noch wenig übrig. Das Buch beschreibt auf der Grundlage der Umfrageergebnisse des Instituts für Demoskopie Allensbach, wie es dazu kam, wie die Menschen sich langsam, aber beharrlich mit ihrer Demokratie, dem anfangs noch neuen Staatswesen und seinen Symbolen anfreundeten, wie sie die Schatten der Vergangenheit abwarfen und mit ihrer eigenen nationalen Identität Frieden schlossen.
tectum-verlag.de

Klimaforscher Latif: Kohlekraftwerke sofort abschalten. focus.de
EU-Abgeordneter: Agrarpolitik der Europäischen Union fördert Höfesterben.  derstandard.at
Museum in Halle fragt: Kommt die nächste Eiszeit? noz.de
Obama: Kritisiert Trumps Klimapolitik bei einem Besuch in Paris. donaukurier.de
Geplante Erdgasförderung: Proteste auf Usedom. nordkurier.de
Elbvertiefung: NABU fordert neue Prognose. abendblatt.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Wir stehen hinter der Entscheidung von Christian Schmidt, weil sie endlich für die Bauern Klarhreit schafft und so wieder Planungssicherheit herrscht.“
Dr. Marcel Huber, Leiter der Bayerischen Staatskanzlei, Schmidts Entscheidung beruhe auf Faktenlage und sei damit richtig gewesen. Allerdings sollten sich die Bauern in diesen fünf Jahren nicht zurücklehnen, sondern „sich Gedanken machen, wie sie ohne Glyphosat zurechtkommen und trotzdem hochwertige Lebensmittel erzeugen“, Ihr Landwirte müsst auf die Verbraucher stärker zugehen. Angeblich hätten die Grünen in den Sondierungsgessprächen zur Jamaika-Koalition einer Zulassung von Glyphosat um drei Jahre zugestimmt. Auch Frankreichs Präsident Macron wolle Glyphosat nur noch drei Jahre im eigenen Land zulassen, habe dieser kurz der der EU-Entscheidung verkündet. agrarheute.com

„Bei Insekten… steht vor allem die Bestäubungsleistung im Mittelpunkt. Der Großteil unserer Nutzpflanzen ist auf die fliegenden Helfer angewiesen. Wenn sie ausfallen, gibt es große Probleme in der Nahrungsmittelindustrie. Wir schätzen den Wert der Bestäubungsleistung auf zwei bis vier Milliarden Euro.“
Bernd Hansjürgens, Professor für Volkswirtschaftslehre an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg und Leiter des Departments Ökonomie am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung – UFZ in Leipzig, Ökosysteme gehörten zu den wichtigsten Dienstleistern der Wirtschaft. Mal hielten sie das Grundwasser sauber, mal verhinderten sie Bodenerosion oder sorgten für reichhaltige Ernten. Ohne solche Ökodienstleistungen hätten ganze Branchen massive Verluste; gleichzeitig tauchten diese Leistungen in keiner Bilanz auf. Mit der Bewertung – auch mit Preisen – werde deutlich, dass viele Entscheidungen, die der Natur schadeten, auch ein ökonomisches Desaster seien. wiwo.de

MEHR WISSEN

Transporte auf die Bahn: In Deutschland liegt die durchschnittliche Verkehrsleistung pro Person bei rund 41 km pro Person und Tag für die Nutzung aller Verkehrsmittel. In den letzten Jahren ist dieser Wert nahezu konstant geblieben. Im gleichen Zeitraum hat sich die Strecke, die ausländische Kraftfahrzeuge auf deutschen Straßen zurücklegten fast verdoppelt, auf  41 Milliarden Kilometer. Just-in-time-Produktion, die Verlagerung der Herstellung nach China, der Online-Handel, die EU-Erweiterung haben die Verkehre ansteigen lassen. Eine Verlagerung der Verkehre auf die Schiene ist derzeit jedoch nicht möglich, der Güterverkehr dort ist insgesamt zu teuer und veraltet. faz.net

Marina One lotet aus wieviel Klimaschutz möglich ist: Bauen in tropischen Regionen bedeutet eine ganz besondere Herausforderung. Der Gebäudekomplex „Marina One“ der ingenhoven architects umfasst 400.000 Quadratmeter und liegt im Finanzdistrikt in der Marina Bay von Singapur. Das „Green Heart“ im Zentrum der Gebäude umfasst 350 verschiedene Baum- und Pflanzen- und auch Tierarten auf einer Fläche von 37.000 Quadratmetern. von den Architekten wird bei dem Bau ausgelotet, wieviel Klimaschutz in einer tropischen Umgebung möglich ist. Man versucht mit so wenig Energie wie möglich auszukommen und so viel Energie wie möglich vor Ort und nachhaltig zu erzeugen.
deutschlandfunktkultur.de

Holz boomt – zu Lasten der Umwelt: Die EU-Richtlinien zu den erneuerbaren Energien verlangen von den EU-Mitgliedsstaaten, 20 Prozent ihres Energiebedarfs bis zum Jahr 2020 aus Renewable Energies zu beziehen. Nun hat letzte Woche der Industrie- und Energieausschuss des Europa-Parlaments dafür gestimmt, dieses Ziel bis 2030 auf 35 Prozent zu erhöhen und ein zusätzliches Ziel für Heizen mit erneuerbaren Brennstoffen einzuführen. Dies befeuere die Nachfrage nach Holz. Viele Naturschützer sind deshalb besorgt. Die große Nachfrage treibe die Abholzung der Wälder voran und pushe die Kohlendioxid- und die Feinstaubemissionen in die Höhe. dw.com

Zukunft der Arbeit: Selbstbestimmung ist für viele digitale Nomaden das definierte Ziel.  tagesanzeiger.ch
Feigenkaktus: Die UN sehen in Zeiten des Klimawandels die Pflanze als wichtige Notreserve luzernerzeitung.ch
North Stream 2:  Gaspipeline soll trotz massiver Kritik pünktlich fertig werden.  nordbayern.de

DAS LETZTE:

Rausschmeisser: Steve Jobs und Steve Wozniak lernten sich 1971 über einen gemeinsamen Freund kennen. Beide fröhnten in ihrer Jugendzeit illegalen Hackeraktivitäten.  In einer Auktion in New York soll nun eine sogennnte Blue Box von Steve Wozniak unter den Hammer kommen, mit der man in den 70er Jahren das Telefonsystem manipulieren und kostenlos Ferngespräche führen konnte. heise.de

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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