FAIReconomics Newsletter KW 09 NACHRICHTEN

Umstellung auf Elektromobilität: Experten schätzen, dass bei der Komplettumstellung der Autoindustrie vom Verbrennungsmotor auf Elektroantriebe 20 bis 25 Prozent der Arbeitsplätze in der Autoindustrie wegfallen werden. Es entstehen aber auch neue Produkte und Märkte beispielsweise für Zulieferer. Unterdessen forderte der Chef der IGBCE, Michael Vassiliadis, einen Zukunftsfonds für die europäischen Leitindustrien. Durch den Wandel bei den Antriebstechnologien und dem Trend zur Digitalisierung der Fahrzeuge werde in den kommenden Jahren die gesamte Wertschöpfungskette ,auf links‘ gedreht. Bis zu 200.000 Beschäftigte in Chemie-, Kautschuk- und Kunststoffindustrie sind Teil der Zulieferbranche. Vassiliadis forderte einen „Zukunftspakt für die gesamte automobile Wertschöpfungskette“. Gemeinsam könne man im internationalen Wettbewerb verlorenes Terrain etwa in der Batterieproduktion, bei Leichtbau-Werkstoffen oder bei der Digitalisierung zurückgewinnen.taz.de, igbce.de (Gewerkschaftsforderungen)

Billiger Kakao – trotzdem teure Schokolade: Die Bauern in Westafrika leiden unter dem Einbruch der Weltmarktpreise für Kakao. Trotzdem wird hierzulande der Preis für Schokolade immer teurer. Bei den Kakaobauern allerdings kommt wenig vom Ertrag an. Der Fair Trade Anteil der weltweit produzierten Schokolade liegt lediglich bei zwei Prozent. In der Elfenbeinküste, dem größten Kakaoproduzent der Welt, haben die Gewerkschaften 10.000 Bauern zum Streik aufgerufen. sueddeutsche.de

Etwa 10,7 Millionen Menschen in Westafrika sind nach Angaben der UN von Hunger bedroht und auf Nothilfe angewiesen. Hinzu kommen noch einmal etwa 15 Millionen Menschen am Horn von Afrika. Hier sind Äthiopien, Dschibuti, Eritrea und Somalia, besonders betroffen, aber auch in  Kenia und Uganda ist die Situation besorgniserregend. tagesspiegel.de , tagesschau.de

Maut falsch berechnet: Der beim Kanzleramt angesiedelte Normenkontrollrat wirft Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt vor, die Einnahmen aus der PKW Maut falsch berechnet zu haben. bundesrat.de , klimaretter.info (Bericht)

Uniper-Chef stellt sich auf Kohleausstieg ein:  Für Uniper-CEO Klaus Schäfer steht der Ausstieg aus der Kohle fest. Im Rahmen einer Bundestagsanhörung erklärte Schäfer, dass keine neuen Kohlekraftwerke nach 2018 mehr zu erwarten seien. Damit stehe der Kohleausstieg faktisch fest. Ihm gehe es vor allem um Zukunftsperspektiven für die rund 13.000 Arbeitnehmer bei Uniper. Das Unternehmen ist eine eigenständige Gesellschaft, die durch die Abspaltung der Energieerzeugungssparten Wasser, Kohle und Gas von der E.ON SE entstanden ist. energiefirmen.de

Dakota Access Pipeline: Die bayerische Landesbank will sich aus der Finanzierung der umstrittenen Pipeline, die durch Sioux-Gebiet in den USA verlaufen wird, zurückziehen. In der Pipeline soll gefracktes Öl von North Dakota nach Illinois transportiert werden. bizzenenergytoday.com

Buchtipp der Woche: Vor dem Hintergrund der neu aufziehenden Hungerkrisen in Afrika gewinnt das Buch von Martín Caparrós  – „Der Hunger“ »Wie zum Teufel können wir weiterleben, obwohl wir wissen, dass diese Dinge geschehen?« noch einmal an besonders aktueller Bedeutung. Alle zwölf Sekunden stirbt irgendwo auf der Welt ein Kind unter fünf Jahren an den Folgen von Unterernährung. Das sind drei Millionen Kinder im Jahr. Insgesamt knapp neun Millionen Menschen. Jedes Jahr. Wir wissen das, wir kennen die Zahlen. Der Hunger ist, so heißt es, das größte lösbare Problem der Welt. Es sieht aber nicht so aus, als würden wir es in absehbarer Zeit lösen. Fünf Jahre hat Martín Caparrós den ganzen Globus bereist, um diese Schande zu kartografieren: Er war in Niger, wo der Hunger so aussieht, wie wir ihn uns vorstellen; in Indien, wo mehr Menschen hungern als in jedem anderen Land; in den USA, wo jeder Sechste Probleme hat, sich ausreichend zu ernähren, während jeder Dritte unter Fettleibigkeit leidet; in Argentinien, wo Nahrungsmittel für 300 Millionen Menschen produziert werden, obwohl sich viele Bürger kein Fleisch mehr leisten können. suhrkamp.de

Süddeutschland: Neue Gaskraftwerke dringend benötigt faz.net
Vattenfall: Besteht auf Entschädigung n-tv.de
Klimawandel:  Zu warm für Fichten und Eichen badische-zeitung.de
NRW: Umweltwirtschaft wächst schnell  umwelt-magazin.de
Aufbereitung von Notebooks:  Sparen bei Primärressourcen fair-economics.de
Nachhaltige Banken: Übersicht über günstige Konten  ecoreporter.de
RWE: Verlust von 5,7 Milliarden Euro faz.net
EWE: Schlammschlacht um Vorstandsposten handelsblatt.com
Grünes Modeshopping: Perfekte Label gibt es nicht wr.de
Nordex: Aktien verlieren ein Drittel an Wert teleboerse.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Nachdem sich die Manager in den vergangenen Jahrzehnten erfolgreich darum bemühten, die natürliche Umwelt nicht zu zerstören, ist es an der Zeit, dass sich… die führende Elite der Gesellschaft der Herausforderung stellt, die vom Menschen geschaffene Umwelt – hierzu gehört die politische Kultur der Demokratie – zu bewahren und zu deren Weiterentwicklung beizutragen.“
Peter Paschek, Unternehmensberater und Dozent an der Technischen Universität München,  Winfried Weber, Professor für Management an der Hochschule Mannheim, treten dafür ein, dass freie Unternehmer eine menschenrechtsbasierte Demokratie benötige. Für diese müsse man sich aber auch mehr einsetzen.  faz.net

„Meine gegenwärtige Idee ist die, dass man zum Beispiel Energie, Wasser und Mineralien jedes Jahr um gerade so viel Prozent teurer macht, wie im vorhergehenden Jahr die Effizienz zugenommen hat. Also nehmen wir mal an, die deutsche Autoflotte wird im Jahr 2017 genau ein Prozent effizienter im Durchschnitt, also braucht weniger Treibstoff oder Strom. Dann wird die Fahrenergie im Jahr 2018 um genau ein Prozent teurer plus Inflation.Und das heißt dann, der gefahrene Kilometer wird dann im Durchschnitt nicht teurer. Wer dann noch jammert, gehört einfach zu denjenigen, die zu faul sind, sich einigermaßen mit dem Fortschritt zu bewegen.“
Ernst Ulrich von Weizsäcker, Egoismus, Individualismus, Marktorientierung: Die ökologischen Probleme des Globus werden sich weiter verschärfen, weil wir ihnen zu wenig Beachtung schenken, fürchtet der Naturwissenschaftler Ernst Ulrich von Weizsäcker. Er sieht die Welt in einer „philosophischen Krise“. deutschlandradiokultur.de

MEHR WISSEN

Nashörner: Mindestens zwei Nashörner sterben täglich, erlegt durch Wilderer in Afrika. Die Nachfrage nach Nashornpulver vor allem aus dem aufstrebendem China aber auch aus Vietnam ist groß. Dort wird das Pulver der Nashornstoßzähne in Gold aufgewogen. nzz.ch

Studie: Neue Technologien werden Rohstoffnachfrage weltweit senken:  Laut einer Studie des McKinsey Institute wird die Nachfrage nach Erdöl, Kohle und Eisenerz spätestens 2035 ihren Höhepunkt erreichen, der Energieverbrauch sinkt während die Energieproduktivität steigt. Treiber sind dabei die Digitalisierung, die Elektromobilität und geringere Kosten für erneuerbare Energien. mckinsey.de

Sinn und Unsinn des Climate Engineering:  Solar Radiation Management nennt sich ein Teil des Klima Engineerings bei der mit gezielten Eingriffen, wie riesigen Spiegel im All Treibhausgase Treibhausgase vermindert werden sollen. Viele Fachleute kritisieren, dass konkrete Maßnahmen zur Einsparung von CO2-Emissionen erst 2020 greifen sollen, für sie viel zu spät.  Andere Wissenschaftler wollen auf Feldversuche zum SRM verzichten, da diese Versuche die Bemühungen zur CO2  Vermeidung unterlaufen würden und damit moralisch verantwortungsloses Verhalten weiter förderten. euractiv.de

Das Märchen vom sauberen Auto – Wie der Umweltschutz ausgetrickst wird. SWR Fernsehen, Quelle: SWR

China: Auf dem Weg zur elektromobilen Autoweltmacht  zeit.de
Türkei: Gericht stoppt Bau eines Kohlekraftwerkes  klimaretter.info
Iran: Deutschland beschleunigt Energiewende  iwr.de
Galapagos: Tourismus und Wetter bringen Naturparadies in Bedrängnis welt.de

KALENDER

„Nominierungsrunde 2017 für Nachhaltigkeitspreis der Bundesvereinigung Nachhaltigkeit endet am 31.03.2017.
Noch bis zu diesem Datum können Nominierungen online übermittelt werden in den Kategorien Gesellschaft, Politik, Verwaltung und Wirtschaft. Ein Überblick über die bisher Nominierten findet sich auf der Webseite: http://nachhaltigkeit.bvng.org/nachhaltigkeitspreis/

„LiveLife Berlin“ Ausstellung: Elefanten: 93 Prozent, Nashörner: 94 Prozent, Löwen: 97 Prozent. Um diese Quoten sind diese Wildtierbestände in den letzten 100 Jahren geschwunden. Laut Global Trees sind 9.600 Baumarten vom Aussterben betroffen. 183.000 Vögel sterben täglich in den USA durch Pestizide. Natur und Umwelt sind in Gefahr! Dieses Thema und der Erhalt der Schönheit der Natur stehen im Mittelpunkt von „LiveLife Berlin“. Neun KünstlerInnen aus Aserbaidschan und Deutschland: Bildende Künstler, Fotografen, Video- und Installationskünstler wollen mit ihren Kunstwerken zum Nachdenken über die Zukunft der Erde anregen. Galerie Berlin Baku – noch bis zum 12.3.2017 galeriebb.de

DAS LETZTE:

Biologisch abbaubare Urne: Ein spanisches Designbüro hat eine Bio-Urne entwickelt, die nicht nur völlig  biologisch abbaubar ist, sondern im unteren Teil auch Baumsamen enthält. Nach dem Leben soll aus der Urne ein Baum entwachsen. Was in Spanien funktioniert, wird in Deutschland aufgrund der strengen Bestattungsgesetze kaum möglich sein. Bios Urnenorm.de (Artikel)

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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