FAIReconomics Newsletter KW25: NACHRICHTEN

Civil20 – NGO Gipfel im Vorfeld der G20: Gestern und heute diskutieren rund 350 Vertreter von 200 NGOs aus 50 Ländern beim Civil20-Gipfel ihre Positionen zu Themen wie Umwelt, Klima, Landwirtschaft, Gesundheit oder Geschlechter-Gerechtigkeit. Ziel der C20 ist es, die internationale Zivilgesellschaft über die G20-Staaten hinaus stärker in den Prozess einzubinden. ndr.de, civil20.org 

Müller warnt vor 100 Millionen Klima-Flüchtlingen aus Afrika: Bundesentwicklungsminister Gerd Müller warnt vor einer großen Fluchtbewegung von bis zu 100 Millionen Menschen aus Afrika Richtung Norden, wenn das 2 Grad Ziel nicht erreicht werde. Zudem müssten die  Menschen dringend eine wirtschaftliche Perspektive in ihren Heimatländern bekommen. Dazu will der Minister auch die hiesige Industrie mit in die Pflicht nehmen. spiegel.de

Kohleausstieg bis 2030: Der Parteitag der Grünen beschloss am Wochenende einen Ausstieg aus der Kohle bis zum Jahr 2030,  20 der schmutzigsten Kohlekraftwerke sollen aber sofort abgeschaltet werden. Damit beschlossen die Delegierten einen Kompromiss, denn nach dem Beschluss des vorherigen Parteitages sollte der Ausstieg aus der Kohle schon von Jahre früher erfolgen. tagesschau.de

44 von 100 verkauften Flaschen sind Pfandflaschen. Während der Mehrweg-Anteil bei Getränken 2004 noch bei 66,3 Prozent lag, sank er bis 2015 auf 44,3 Prozent. Dabei sollte die  Mehrwegquote laut Verpackungsverordnung 80 Prozent liegen. Mit PET Einweg-Flaschen, in denen beispielsweise Mineralwasser bei Discountern abgefüllt wird,  lässt sich Geld verdienen, da die  PETs aus sortenreinem Kunststoff bestehen , dienen sie zur Produktion neuer Flaschen oder auch von Polyesterprodukten. Zudem sind die Einwegsysteme für die Discounter logistisch besser zu steuern.  wp.de

Neue Treibhausgasvorschriften in der EU: Das EU Parlament billigte in der vergangenen Woche neue Vorschriften für verbindliche Treibhausgasreduktionen im Rahmen des Pariser Abkommens. Die Abstimmung fand im Anschluss an eine Debatte zum angekündigten US-Ausstieg aus dem VN-Klimaabkommen statt. Diese geplante Verringerung der Treibhausgasemissionen soll dazu beitragen, das Gesamtziel der EU für 2030 – eine Senkung um 40 Prozent im Vergleich zu 1990 – zu erreichen. Die EU hat sich im Rahmen des Pariser Abkommens zu diesen Kürzungen verpflichtet. Die neuen Regeln ermöglichen es, das EU-Ziel in verbindliche, nationale Ziele umzusetzen, für Branchen, die nicht Teil des CO2-Markts der EU sind, d.h. Landwirtschaft, Verkehr, Gebäudesektor und Abfallwirtschaft, die zusammen für ungefähr 60 Prozent der EU-Treibhausgasemission verantwortlich sind. eurparl.europa.eu

Viele kleine Trumps in Deutschland: Die Dekarbonisierung steht bei den politischen Parteien, mit Ausnahme der Grünen, nicht hoch im Kurs. Vor allem die Ministerpräsidenten in NRW und in Sachsen sind Kohlebefürworter. Dabei steht schon jetzt fest, dass die Bundesrepublik die Klimaschutzziele 2020 nicht erreichen wird. Ein Grund: Das starke Wachstum der deutschen Wirtschaft. Zudem sind kaum Einsparungen von Treibhausgasen bei Verkehr und bei der Wärme erkennbar. Die Kohlebefürworter, wie Sachsens Ministerpräsident Stanislav Tillich nutzen dies für sich.  Nicht nur die Kohle, sondern auch andere Bereiche der Volkswirtschaft wie Verkehr, Landwirtschaft und die privaten Haushalte und neben dem Strom insbesondere der Wärmemarkt müssten stärker zur CO2-Reduktion beitragen. Zudem sei die Kohleindustrie im Osten  doch schon viel sauberer. wiwo.de

China: Nach dem angekündigten Ausstieg der USA aus dem Pariser Klimaabkommen, orientieren sich Autokonzerne nach China, wo das grösste Wachstum im Bereich der Elektroautos besteht. Auch der Gouverneur von Kalifornien will direkt mit China verhandeln. Hongkong ist schon jetzt eine Modellstadt für den amerikanischen E-Mobilbauer Tesla.  nzz.ch , autmobilwoche.de 

Zukunft der Arbeit: CoWorking Spaces liegen im Trend. Hier sind colloborative Arbeitsformen möglich. Ohne Digitalisierung und digitalisierte Geschäftsmodelle wären diese neuen Arbeitsformen nicht möglich. Menschen und Teams aus verschiedenen Firmen und Branchen erhalten die Chance zusammenzuarbeiten sowie bei Happy Hours und weiteren Events zu netzwerken und voneinander in einer kollaborativen Atmosphäre zu lernen, meint Dan Zakai, Gründer von Mindspace. fair-economics.de

Jamaika-Koalitionsvertrag in Schleswig-Holstein: Der Ausstieg aus dem einzigen Kohlekraftwerk im nördlichsten Bundesland ist dort genauso festgeschrieben wie die Ausweisung von zwei Prozent der Landesfläche als Windeignungsgebiet, in dem grundsätzlich Windräder gebaut werden dürfen. Dabei ist ein größerer Mindestabstand zwischen Wohngebieten und Windrädern festgelegt worden, einen Kilometer zu Siedlungen und 600 Meter zu einzelnen Häusern. klimaretter.info

UTZ und Rainforrest Alliance schließen sich zusammen: Damit soll ein globaler Zertifizierungsstandard geschaffen werden. Zudem soll die Zertifizierung für Farmer vereinfacht werden und es Unternehmen ermöglichen, ihre Lieferketten nachhaltiger und effizienter zu gestalten. 182.000 Kakao-, Kaffee- und Teebauern sind derzeit doppelt zertifiziert. bio-markt.info

Amazon steigt in Biolebensmittel ein: Der US-Onlinehändler Amazon übernimmt für 13,7 Milliarden US-Dollar die weltgrößte Bio-Supermarktkette Whole Foods Market heise.de

Buchtipp der Woche: „Kampf um Gaia“von Bruno Latour.  Die moderne Wissenschaft hat tiefgreifend unser Verständnis der Natur geprägt. In den letzten drei Jahrhunderten bildete diese Idee der Natur den Hintergrund all unseres Tuns. Aufgrund der ökologischen Folgen des menschlichen Handelns tritt die Natur jedoch heute aus dem Hintergrund auf die Bühne, wie Bruno Latour in seinem faszinierenden Buch zeigt. Die Luft, die Meere, die Gletscher, das Klima, die Böden, alles interagiert mit uns. Wir haben die Epoche der Geohistorie betreten, das Zeitalter des Anthropozäns – mit dem Risiko eines Krieges aller gegen alle. Die alte Natur verschwindet und weicht einem Wesen, das schwierig zu bestimmen ist. Es ist alles andere als stabil und besteht aus einer Reihe von Feedbackschleifen in ständiger Bewegung. Gaia ist sein Name. Latour argumentiert, dass die komplexe und mehrdeutige Gaia-Hypothese, wie sie von James Lovelock entwickelt wurde, ein idealer Weg ist, um die ethischen, politischen, theologischen und wissenschaftlichen Aspekte des nunmehr veralteten Begriffs der Natur zu entwirren. Er legt den Grundstein für eine zukünftige Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern, Theologen, Aktivisten und Künstlern, während wir beginnen, mit dem neuen Klimaregime zu leben. suhrkamp.de

Preiswerter Solarstrom: Für Photovoltaikanlagen auf Freiflächen an Land ist die Grenze von 6 Cent je Kilowattstunde zum ersten Mal unterboten worden. faz.net
Dorsch stirbt aus: Die Temperatur in der Ostsee steigt  dreimal schneller als in den Ozeanen abendblatt.de
Merkel beim Papst: Kirchlicher Beistand für Klimaschutz bei G 20 Gipfel tagesspiegel.de
USA: Richter ordnet Überprüfung der Dakota-Access-Pipeline an zeit.de
CO2-Reduzierung: EU hat weitere Sektoren im Visier  energate-messenger.de
Energie-Soli: Das Institut der Deutschen Wirtschaft fordert die Umwidmung des Solidaritätszuschlages background.tagesspiegel.de
Wasserstoff-Allianz: Tankstellennetz ausgebaut, in fünf Jahren bis 230 Tankstellen möglich energate-messenger.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„… Ich glaube, es muss es ein starkes Klima-Kommuniqué mit 19 Ländern geben! Dass sie bereit ist, voranzugehen ohne die Trump-Regierung. Optimal wäre das mit dieser „We-will-move-ahead“-Initiative aus den USA. Aber G19 mit einem Klima-Kommuniqué mit – natürlich – Umsetzung von Paris, aber weiter. Wir brauchen eigentlich Signale, dass diese Länder in Richtung 100 Prozent Erneuerbare Energien bereit sind. Wir brauchen eigentlich von der Kanzlerin ein Signal, dass sie kämpft für „Keine Kohle in Deutschland“, dass es einen Kohleausstieg gibt, und dass die Glaubwürdigkeit von Deutschland als Gastgeber wirklich jetzt vor der Welt steht.“
Jennifer Morgan, Chefin der Umweltschutzorganisation Greenpeace International, zudem solle man den USA mit ihrer jetzigen Politik keine Chance geben. Und es sei sehr klar von Ländern wie Deutschland, von China und anderen Ländern: sie wollen – wie ich auch – ihm keine andere Chance geben, irgendetwas Neues zu verhandeln.(Das Klimaabkommen von) Paris werde  auf höchster Ebene von fast 200 Ländern unterstützt, es habe einen sehr vernünftigen Mechanismus, die Ambitionen zu erhöhen. Es sei in Kraft und es sei sehr klar, dass Pruitt und Trump nicht etwas Ambitionierteres schaffen möchten. deutschlandfunk.de

„Einige Städte haben schon vor Jahren festgelegt, dass alle kommunalen Bauvorhaben vor Einzug auf Schadstoffe hin überprüft werden müssen, weil es zuvor bei jedem vierten bis fünften Bauvorhaben Probleme gegeben hatte. Solche Prüfungen der Lufthygiene in den Innenräumen und Nachweise, wer welche Baustoffe verwendet hat, sollten allgemein Pflicht werden. Heute muss jeder private Bauherr Einzelkämpfer sein, damit eine solche Prüfung im Vertrag festgeschrieben wird.“
Harald Boll, beratender Ingenieur und Mitbegründer der Deutschen Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen über die Schwierigkeiten der Schadstoffbeseitigung bei der Renovierung und Modernisierung im Bestandswohnungsbau. Seit 1992 sei er als Schadstoffberater schon an vielen privaten wie öffentlichen Bauvorhaben beteiligt gewesen. Jeder Handwerker müsse ihm  heute vor Beginn der Arbeiten darlegen, was er mit welchen Baustoffen vorhat. Und da müsse man meist 25 Prozent, bei manchen Gewerken bis zu 50 Prozent der Bauprodukte zurückweisen. Das zeige, Wissen  fehle – und zwar nicht nur bei vielen Handwerkern, sondern auch bei Planern und Architekten. swp.de

MEHR WISSEN

Seen werden immer wärmer: Auf den ersten Blick mag es gering erscheinen: Die durchschnittliche Sommer-Oberflächentemperatur von 235 weltweit untersuchten Seen ist in jeweils zehn Jahren um 0,34 Grad Celsius  gestiegen. Forscher sind der Ansicht, dass der Klimawandel und die steigenden Temperaturen den Stress, den Gewässer durch Überfischung und die intensive Nutzung der Ufer haben, weiter verstärkt. Der Trend der Erwärmung und die Auswirkungen auf die Ökosysteme werden unterschätzt. sueddeutsche.de

Afrikas Grüne Mauer: Mit einem über 7000 Kilometer langen bis zu 15 Kilometer breiten Waldgürtel wollen elf afrikanische Länder zwischen dem Senegal und Dschibuti die Ausbreitung der Sahara verhindern. Während Kritiker diesen Plan für unsinnig halten, weil sich die Wüste ungleichmäßig ausweite, sehen Befürworter des Projektes viele Vorteile. Landstriche, die eigentlich versteppt seien,  wo kaum noch etwas wachse, werden wieder begrünt. Bisher habe sich die Sahara von Nordniger in den Süden immer weiter ausgebreitet. Dem solle etwas entgegengebracht werden. Dazu würden Bäume, die dort besonders gut gedeihen, auf traditionelle Art angepflanzt und die Entwicklung von landwirtschaftlichen Flächen angetrieben. Diese grüne Wand sei eine der wichtigsten globalen Aktivitäten zum Klimaschutz, weil sie große Kohlenstoffsenken schaffe und Menschen vor Ort wieder neue Lebensmöglichkeiten gebe. dw.com

Smart City Charta: Das Bundesbauministerium hat vergangenen Woche die Dialogplattform Smart City Charta vorgestellt. Vier Querschnittsthemen: Big Data, lokale Wirtschaft, digitale Spaltung und Governance stehen dabei im Mittelpunkt. Im Rahmen der Plattform sollen Chancen und Risiken der Digitalisierung bewertet und darauf aufbauend Szenarien und Leitplanken für die Stadtentwicklung im digitalen Zeitalter erarbeitet werden. Zudem sollen Ergebnisse aus Smart City Pionierstädten wie Amsterdam, Kopenhagen, Wien oder Barcelona mit einbezogen werden. bmub.bund.de

200 Jahre Fahrrad: Vom Oberschichtspielzeug zum nachhaltigen Verkehrsmittel fair-economics.de
Führerlose Züge in Frankreich: Ab 2019 Tests für TGVs ohne Lokführer  futurezone.at
Mode: Neue Bikinis aus alten Fischernetzen prime-surfing.de

KALENDER

20.6.2017, Berlin, Palmöl, Soja und Kakao nachhaltig produzieren, ohne Wald zu zerstören: BMEL und BMZ veranstalten Konferenz zum Cross-Learning

20.6. – 22.6.2017, Berlin, Weltkongress Gebäudegrün, Der Weltkongress Gebäudegrün WGIC 2017 ist eine mehrtägige Veranstaltung rund um die Gebäudebegrünung (Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung) mit den dazu gehörigen Begleitthemen (u.a. Stadtklima, Regenwasserbewirtschaftung, Nachhaltigkeit, Zukunftsstadt).Der Kongress bietet u.a.:Wissensvermittlung zur Gebäudebegrünung (Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung)Aufzeigen von Best Practice-Beispiellen, Wissenstransfer durch Fachleute der Branche aus dem In- und Ausland in parallel stattfindenden Vortragsreihen und Diskussionsrunden. Themenübergreifender Erfahrungsaustausch zwischen Städtevertretern, Architekten, Stadtplanern, Siedlungswasserwirtschaftlern, Industrie- und Immobilienvertretern, Herstellern, Verarbeitern, Forschern, Verbänden, Politikern und weiteren Interessierten. wgic2017berlin.com

DAS LETZTE:

Fitbit für Ernährung soll beim Abspecken helfen. Gesundheitstracker sind inzwischen auf dem Markt eingeführt, nun haben Forschergruppen an den amerikanischen Hochschulen Dartmouth University und Clemson University einen  Fitnesserfasser für den Mund entwickelt, der wie ein Hörgerät hinters Ohr passt und mit einem auf der Haut platzierten Mikrofon funktioniert. Über einen Filteralgorithmus kann das System erkennen, ob gerade gegessen, gesprochen, gehustet oder gelacht wird. In Verbindung mit einer Smartphone-App könnte das neue Gerät auch aktiv werden, wenn man zu viel isst oder ein Essvorgang ungewöhnlich lange dauert. heise.de

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