FAIReconomics Newsletter KW 27 NACHRICHTEN

Jeder vierte Euro für die Umwelt: In der langfristigen Haushaltsplanung der Europäischen Union ist ab 2020 vorgesehen, dass jeder vierte Euro in den Klimaschutz fließt. Ein Viertel der Gelder soll zwischen 2021 und 2027 für „Climate Action“ aufgewendet werden. Insgesamt geht es um mehr als tausend Milliarden Euro. So sollen Gelder für den Klimaschutz in alle großen EU-Förderprogramme fließen. Außerdem ist die EU-Agrarpolitik ein wichtiger Faktor. Insgesamt 320 Milliarden Euro sollen zusammenkommen. Kritiker sehen trotz guter Ansätze, Probleme: Nicht überall wo Klimaschutz draufsteht, ist unbedingt Klimaschutz drin. klimareporter.de, ec.europe.eu

Die Energiewende kommt nicht voran: Eine Expertenkommission bescheinigt der Bundesregierung bei der Energiewende eine Schieflage. In der Stellungnahme zum sechsten Monitoring-Bericht der Bundesregierung heisst es: „Die Energiewende in Deutschland kommt nicht auf allen Feldern wie gewünscht voran.“ In den Fokus rücken die unabhängigen Experten „erhebliche Defizite bei der Steigerung der Energieeffizienz“. Zudem laufen insbesondere die Entwicklungen im Verkehrssektor in die „falsche Richtung“. bmwi.de (Report)

Streithähne Schulze und Altmeier: Bundeswirtschaftsminister und Bundesumweltministerin sind in vielen Feldern nicht einer Meinung, während das Umweltministerium Kennern der Materie zufolge mit kreativen Vorschlägen vorprescht, tritt das Wirtschaftsministerium auf die Bremse. „Wir brauchen klare Ansagen, in welche Richtung wir steuern sollen. Vom Wirtschaftsminister werden wir nur vertröstet“, so ein Energiemanager. handelsblatt.com

Um rund 1,8 Prozent wird die Rohstoffproduktivität in Deutschland jährlich bis 2030 zunehmen. In einem Trendszenario des Bundesumweltamtes sinkt der inländische Primärrohstoffeinsatz für Konsum und Investitionen pro Kopf von 2010 bis 2030 um 16  Prozent, in einem technisch sehr ambitionierten Szenario sogar um bis zu 32 Prozent. Deutschland kann damit seinen Rohstoffbedarf bis 2030 auch bei steigender Wirtschaftsleistung und großen Veränderungen wie der Energiewende senken. Das zeigt ein Forschungsprojekt des UBA, in welchem erstmals volkswirtschaftlich untersucht wurde, wie Rohstoffe – unter Berücksichtigung technischer Potenziale und Pfadabhängigkeiten – langfristig produktiver eingesetzt werden können. umweltbundesamt.de

Spektakuläre Protestaktion: Autofahrer, Fußgänger und Fahrradfahrer trauten am vergangenen Dienstag ihren Augen nicht, als der Große Stern um die Siegessäule in Berlin mit gelber Farbe überzogen war. 3500 Liter hat die Umweltschutzorganisation Greenpeace verteilt. Aus der Vogelperspektive sahen die Straßen und der Platz wie eine Sonne aus.  Allerdings gab es auch Kritik. Vor allem in den sozialen Medien wurde die Aktion als „selten dämliche Aktion“ und „unglaubliche Sauerei“ kritisiert, die im direkten Widerspruch zu den Zielen des Umweltschutzes stehe. Greenpeace gefährde Autofahrer und Radfahrer und bringe eine Farbe aus, die alles andere als unbedenklich sei.  Zudem kostete die Reinigung der Straßen etwa 15.000 Euro. tagesspiegel.de , faz.net

In Deutschland werden Mülldeponien knapp: Ein Mangel an Mülldeponien droht in Deutschland, zum einen weil in den kommenden Jahren mehrere hundert Deponien das Ende ihrer Betriebsdauer erreichen, zum anderen steigt das Abfallaufkommen weiter. Zudem werden weitere Deponien nicht genehmigt. Während die zuständigen Ministerien darauf hinweisen, dass genügend Deponiefläche vorhanden sei, sind sie geografisch unterschiedlich verteilt. Getrieben wird der Mangel an Deponiefläche durch Bauabfälle, die inzwischen mehr als die Hälfte des gesamten deutschen Abfalls ausmachen. Entsorgungstourismus und hohe Kosten sind die Folge. faz.net

WWF will Gesetz gegen Plastikmüll: Der Präsident der Umweltorganisation WWF, Sukhdev, hat sich für Gesetze und Vorgaben zur Eindämmung des Plastikmülls ausgesprochen. Freiwillige Aktionen würden lediglich an der Oberfläche des Problems kratzen. Wenn man wirklich einen Wandel wolle, dann seien Gesetze, Vorgaben und manchmal auch Steuern auf Plastikprodukte nötig. Die Lebensmittelproduzenten müssten sicherstellen, dass sie wiederverwertbare und biologisch abbaubare Verpackungen einsetzten. Die Kosten dafür sollten Hersteller und Handel tragen. dlf24.de

Zuviel Ammoniak: Zu viel des schädlichen Ammoniaks wird in Deutschland durch die Tierhaltung produziert. Laut Agrarministerium lag der Ausstoß 2016 bei etwa 662.000 Tonnen, 2015 bei 670.000 und damit in beiden Jahren deutlich über den Grenzwerten. Bei der EU Kommission heisst es: „Deutschland hat Maßnahmen zur Reduzierung der Ammoniakemission angekündigt, die jedoch bisher nicht zu einem Rückgang der gemeldeten Gesamtemissionen geführt haben.“ noz.de

 

BUCHTIPP DER WOCHE:
Genial Lokal. Diesmal wollen wir an dieser Stelle kein Buch vorstellen, sondern ein Buchprojekt, das über eine Crowdfundingkampagne finanziert werden soll. Die Zeit ist reif für eine zukunftsfähige Ernährungswende! Die Politik zeigt bisher jedoch wenig Neigung, sie umzusetzen. Deshalb machen jetzt zivilgesellschaftliche Initiativen den Wandel zu ihrer Sache. Food policy councils liefern das Vorbild, an dem sich die bei uns meist »Ernährungsrat« genannten Bürgerbündnisse orientieren. Valentin Thurn, Gundula Oertel und Christine Pohl zeigen anhand internationaler und lokaler Beispiele, wie entschlossen und erfolgreich diese die Ernährungswende von unten in Gang bringen. Das Buch vertieft die Fragen, die sich dabei stellen. Etwa, wie die Chancen für eine relokalisierte Versorgung und Nahrungssicherheit der Städte und Kommunen aus wissenschaftlicher Perspektive stehen; wie ökologische Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit in einer zukunftsfähigen Ernährungsstrategie vereint werden; oder wie Bürger*innen die Bestimmungsmacht über ihre Teller tatsächlich zurückerobern können. oekom-crowd.de

Stromspeicherübersicht: Inzwischen gibt es eine ganze Reihe von Möglichkeiten, Energie sinnvoll zu speichern. zeit.de
Bundestag: Gesetzesänderung zur Entschädigung der Energiekonzerne verabschiedet. zeit.de
Aufladen beim Kaffeetrinken: Die bundesweit erste Ultra-Schnellladestation für Elektrofahrzeuge steht in der Eifel. fnp.de
Bund gibt Geld für saubere Luft in Städten: Fünf Modellstädte sollen 130 Millionen erhalten. swr.de
Anhörung: Windenergie polarisiert. fair-economics.de
e-Mobilität: Berlin legt Kaufprämie auf. automobilwoche.de
Immobilien: Smart Buildings auf dem Vormarsch. haufe.de
Trockenheit in Deutschland: Schädigt Ernten und fördert Schädlinge. tagesschau.de

WÖRTLICH GENOMMEN:

„Es steht sehr gut um die Qualität der deutschen Badegewässer. Wir haben insgesamt knapp 2.300 Gewässer untersucht beziehungsweise die Daten aus den nationalen Behörden ausgewertet, und in 91 Prozent aller Fälle ist die Wasserqualität sehr gut, ausgezeichnet. Das hat sich sehr stark verbessert auch über die letzten Jahre. Allein in den letzten vier Jahren haben wir noch mal einen Anstieg um zehn Prozent dieser sehr guten Badegewässer-Qualität gesehen.“
Katja Rosenbohm von der Europäischen Umweltagentur, die EU-Gesetzgebung, die die Qualität der Gewässer insgesamt regele, sei sehr vielschichtig. Hier sei nach der Badegewässer-Richtlinie, die vor vier Jahrzehnten schon eingeführt worden sei, untersucht worden. Hauptsächlich sei es darum gegangen, die Abwassereinträge in die Gewässer stark zu reduzieren, Abwasser-Behandlungsanlagen einzurichten, und das habe sich sehr stark ausgewirkt über die letzten Jahre. Das sei fast flächendeckend heutzutage der Fall, dass man keine ungefilterten Abwässer in die Gewässer einleite. deutschlandfunk,de

„Langfristig wird jedes zweite Fahrrad ein E-Bike sein. Warum? Weil es Sinn macht.“
Claus Fleischer, Geschäftsführer beim Motorenhersteller Bosch, in Deutschland gebe es 20 Millionen Pendler, von denen rund die Hälfte weniger als zehn Kilometer weite Arbeitswege hätten. Die Politik sei nun gefordert, den Radfahrern mehr Platz zuzugestehen: Es mangele an sicherer Rad-Infrastruktur.Das umzusetzen bedeute aber, Platz beim motorisierten Verkehr abzuzwacken, um ihn den Radfahrern zukommen zu lassen. Der eingeforderte Mut werde aber auf jeden Fall belohnt, E-Bikes seien ein Trend, der auf die Themen Verkehr, Gesundheit und Umwelt einzahle. derstandard.de

MEHR WISSEN:

Wie Bangkok vor Überschwemmungen geschützt werden kann: Die thailändische Hauptstadt Bangkok liegt im Delta des Mae Nam Chao Phraya, eines Stroms, der sich aus Flüssen speist, die im Goldenen Dreieck entspringen. Der Fluss schwemmte Sedimente nach Süden, die das Ackerland im Delta zu einer der fruchtbarsten Gegenden Asiens machten. Allerdings entstand die Stadt in einem Sumpfgebiet, so dass die thailändische Hauptstadt regelmäßig überflutet wird. Erschwerend kommt die Versiegelung des Bodens dazu, so dass Wasser aus den Bergen aber auch das aus dem Süden wie durch einen Trichter, der an den Südspitzen Singapurs und Vietnams beginnt und an dessen Spitze Bangkok liegt, auf die Stadt zudrückt. Nun plant die Landschaftsarchitektin Kotchakorn Voraarkhom mit ihrem Konzept der „porösen Stadt“, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Sie will unter anderem einen 145 000 Quadrameter großen urbanen Wald samt Wasserreservoir in Bangkok anlegen. sueddeutsche.de

Kakaoplantagen bedroht: Ein Virus bedroht tausende Hektar Kakaobäume. In der Elfenbeinküste hat sich das  sogenannte „Swollen-Shoot-Virus“ ausgebreitet, auch Ghana ist inzwischen betroffen.  100.000 Hektar Plantagen müssen zerstört werden. Denn gegen die Krankheit, die von der Schmierlaus übertragen wird, gibt es kein Gegenmittel. Da die Kakaopflanze ein ausgeprägtes und ausgeglichenes Klima benötigt, könnte auch der Klimawandel ein Grund für die Entstehung des Virus sein, denn in der gesamten tropischen Zone beklagen die Bauern unregelmäßige Regenfälle und Dürreperioden, die in ihrer Härte zuvor unbekannt waren. 2017 sind zum Beispiel regional bis zu 80 Prozent der neu gepflanzten Kakaobäume durch Dürre abgestorben. Eine dramatische Entwicklung, denn viele Bäume in den beiden Hauptanbauländern gelten als ohnehin zu alt. wienerzeitung.at

Neuer Kraftstoff aus CO2 könnte den Klimawandel bremsen: Nordamerikanische Wissenschaftler könnten der Traumlösung für kohlenstoffarme Energie, neuen Kraftstoff aus CO2, einen Schritt näher kommen, wenn sie ihn direkt aus der Luft ansaugen und direkt in Benzin, Diesel oder Flugzeugtreibstoff umwandeln könnten. fair-economics.de 

Schweiz:  Die Schweizer Bevölkerung wünscht sich in der Umweltpolitik vor allem Lösungen im Verkehrssektor. energate-messenger.ch
Kongo: Im Virunga-Nationalpark soll ein Fünftel der Parkfläche für Ölbohrungen freigegeben werden. Hier leben seltene Berggorillas. t-online.de
Studentenwohnheim: Aus Holz und energiesparend. general-anzeiger-bonn.de
Meeresplastik: Der Tüftler Boyan Slat will mit riesigen Fangarmen das Meer von Plastik reinigen, nun weht ihm Kritik ins Gesicht. wiwo.de

DAS LETZTE:

Klimaleugner im Bundestag:  Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen reagierten am Donnerstag auf den Antrag der AfD, die Klimaziele für 2030 aufzugeben mit Entsetzen. Mit windigen Argumenten, fragwürdigen Quellen und politischer Unkenntnis blamiert sich die Rechtsaußen-Fraktion. klimareporter.de

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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