FAIReconomics Newsletter KW 28/2020                   englische Version

berlin-680197_640 FAIReconomics Newsletter KW 28/2020 Kohleausstieg zu teuer erkauft? Strom ist teurer auf dem Land, Elefantensterben, Grüne warnen Autoindustrie, Fischarten bedroht, Neues aus dem Bundestag Newsletter

Bundestag beschließt Kohleausstieg: Am Freitag hat der Bundestag den Kohleausstiegsgesetz beschlossen. Doch inzwischen regt sich Kritik an den hohen Zahlungen, die den Konzernen den Ausstieg eher vergolden als versilbern. 4,35 Milliarden Euro sollen für die Stilllegung aller Kraftwerke bis spätestens 2038  an RWE und die Leag überwiesen werden. Das Bundeswirtschaftsministerium sagt über die Berechnungsgrundlage wenig.  Eine Berechnung des Frei­bur­ger Öko-Insti­tuts im Auftrag der Umweltorganisation Klima-Allianz ergibt: Es sind bis zu zwei Milliarden Euro zu viel. Die Entwicklungen auf den Strommärkten der letzten Jahre – insbesondere der Ausbau der erneuerbaren Energien und steigende CO2-Preise im Emissionshandel – haben dazu beigetragen haben, dass die Braunkohle immer stärker unter Druck geraten ist. Demnach können die Kraftwerksbetreiber die Stromproduktion aus Braunkohle nicht mehr vollständig kostendeckend betreiben.So stünden der Leag statt 1,75 nur 0,77 Milli­arden Euro zu. RWE habe je nach „Umbaukosten der Tagebaue“ ei­nen Anspruch zwischen 1,66 bis 2,66 Milliarden Euro. Im schlechtesten Fall hat die Regierung den Kohle­unternehmen demnach fast doppelt so viel Steuergeld verspro­chen, wie diesen laut aktu­el­ler Marktla­ge zusteht. spiegel.de , oeko.de (Berechnungen)

Rekordhoch bei den Erneuerbaren Energien:  Mit einem Anteil von 55,8 Prozent an der Nettostromerzeugung zur öffentlichen Stromerzeugung – also dem Strommix, der aus der Steckdose kommt – stellten die erneuerbaren Energien einen neuen Rekordwert auf. Im Februar lag ihr Anteil sogar bei 61,8 Prozent. Solar- und Windenergieanlagen speisten gemeinsam 102,9 Terawattstunden (TWh) in das öffentliche Netz ein, gegenüber 92,3 TWh im ersten Halbjahr 2019. Die Stromproduktion aus Kohle ging dagegen stark zurück: der Anteil der Braunkohle sank auf 13,7 Prozent, Steinkohle kommt nur noch auf 6 Prozent. Die Windenergie war mit einem Anteil von 30,6 Prozent erneut stärkste Energiequelle. fair-economics.de

2,8 Kilo Treibhausgase werden für die Produktion eines Kilos Fleischersatz auf Sojabasis ausgestoßen. Für Schweinefleisch beträgt der Ausstoß 4,1 kg, für Geflügel 4,3 kg und für Rindfleisch sogar 30,5 kg. Pflanzliche Fleischersatzprodukte schneiden im Vergleich zum konventionell erzeugten Fleisch am besten ab. Dies liegt unter anderem daran, dass Pflanzen wie Weizen und Soja auf direktem Weg der menschlichen Ernährung dienen können. Werden Pflanzen erst als Tierfutter genutzt, werden deutlich mehr pflanzliche Kalorien und auch deutlich mehr Ackerfläche, Wasser und Energie benötigt, bis die Kalorien beim Menschen ankommen. umweltbundesamt.de

Fleischbranche im Fokus: COVID-19 Erkrankungen in Tönnies – Schlachtbetrieben, der früheren SPD – Vorsitzende, Außen- und Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel als Berater im Fleischkonzern, der seine Tätigkeit inzwischen auch bestätigt hat. Allerdings gehört auch dies zu den Entwicklungen in dieser Woche. Die deutschen Schlachtbetriebe haben vor und noch zu Beginn der Krise soviel umgesetzt wie nie zuvor. Vor und zu Beginn der COVID-19 Krise hat sie Rekordumsätze gefahren. In den ersten vier Monaten dieses Jahres stiegen die Erlöse im Vergleich zu 2019 um 14,8 Prozent auf 14,2 Milliarden Euro. Der März war mit 3,9 Milliar­den Euro der umsatzstärkste Monat seit Beginn der Erhebungen. Ein Grund für den Umsatzwachstum war die hohe chinesische Nachfrage aus China. Der umstrittene Fleischfabri­kant Tönnies hat davon am meisten profitiert. sueddeutsche.de (Gabriel) , tagesschau.de destatis.de (Zahlen Statistisches Bundesamt)

Strom ist auf dem Land teurer als in der Stadt: Die Stromrechnung ist abhängig vom Wohnort. Dass es einen Unterschied zwischen Nord und Süd oder Ost und West gibt, ist landläufig bekannt, doch auch zwischen Stadt und Land herrschen Unterschiede. Vor allem die Verbraucher in Mecklenburg-Vorpommern müssen mehr zahlen.  Berechnungen haben ergeben, dass Strom auf dem Land zwei Prozent teurer als in der Stadt ist. 25 Euro bei einem Jahresverbrauch von 4.250 Kilowattstunden. Das liegt vor allem an den Netznutzungsentgelten, die in geringer besiedelten Gebieten auf die wenigen Haushalte umgelegt werden. Immerhin machen sie 25 Prozent des Strompreises aus. zeit.de

Unerklärliches Elefantensterben in Botswana: Hunderte von Elefanten sind in Botswana auf unerklärliche Weise verendet. Die Wildhüter im Okavango Delta haben inzwischen mehr als 275 Kadaver entdeckt. Die Tierschutzorganisation Elephants Without Borders geht sogar von 356 gestorbenen Tieren aus. Wilderei wird bei den verendeten Tieren ausgeschlossen. Die Tierschutzorganisation ist auch auf lebende Elefanten gestoßen, die allerdings ausgezehrt und lethargisch gewirkt haben. tagesspiegel.de

Irreführende Tierversuche:  Der Konzern Dow Chemical/Corteva aber auch die Zulassungsbehörden stehen unter Verdacht, dass beim Insektizids Chlor­py­rifos die Ergebnisse eines Tierversuchs 1998 irreführend dargestellt worden sei, und die Behörden es erst im vergangenen Jahr korrigierten. Der Chemiker Axel Mie von der schwedischen Medizinuni­ver­sität Karolinska-Institut behauptet, dass das Unternehmen verschwiegen haben soll, dass die Kleinhirne von Jungratten kleiner waren, wenn ihre Mütter während der Träch­tig­keit Chlorpyrifos ausgesetzt waren. Nur sehr geringe Mengen reichten dafür aus.  2005 ließ die EU aufgrund dieser Ergebnisse das Insektizid wieder zu. Seit Anfang dieses Jahres ist es ver­boten. Die EU, so die Forscher, müssten Manipulationen nachgehen. Auch wenn in Deutschland das Mittel nicht mehr gespritzt werden darf, wurden noch vor zwei Jahre Spuren davon in Grapefruits, Bananen und Orangen gefunden. taz.de

BUCHTIPP DER WOCHE:

der-Preis-des-guten-lebens FAIReconomics Newsletter KW 28/2020 Kohleausstieg zu teuer erkauft? Strom ist teurer auf dem Land, Elefantensterben, Grüne warnen Autoindustrie, Fischarten bedroht, Neues aus dem Bundestag Newsletter Der Preis des guten Lebens – Wie aus den Fragen von heute die Antworten von morgen werden
Der Klimawandel entscheidet über die Zukunft künftiger Generationen. Um dem gerecht zu werden, braucht es eine Transformation hin zu mehr Nachhaltigkeit, die alle Lebensbereiche auf den Prüfstand stellt.

Dies unternimmt Autor Ralf Roschlau, dessen zentrale Fragen lauten: Wie ernähren wir die zunehmende Anzahl der Menschen auf der Welt? Wie bekommen wir unser Konsum- und Mobilitätsverhalten in den Griff? Wie können wir die weltweite Versiegelung von Flächen und die damit verbundene Vernichtung von Naturflächen und Biodiversität begrenzen? Wie schaffen wir eine gerechtere Welt? Und  wie sehen eine nachhaltige Politik und klimagerechte Neuausrichtung von Wirtschaft aus? Ralf Roschlau markiert in seinem Buch Leitlinien für eine gesellschaftliche Neuorientierung, die uns allen ein Weiterleben auf der Erde erlaubt – denn wir haben ja nur diese eine. oekom.de

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Elektroschritt: Berg wächst unaufhaltsam. pcgameshardware.de
Arbeitgeberpräsident: Recht auf Homeoffice ist blanker Unsinn. rnd.de
Patente auf Schimpansen: Europäisches Patentamt hebt Patente auf und schafft Präzedenzfall. tagesschau.de
Windräder: Dürfen weiterblinken. rbb.24.de
Spanien: Die Hälfte der Kohlekraftwerke werden geschlossen. handelsblatt.com
Nicht automatisch umweltfreundlich: Synthetische Kraft-und Brennstoffe. klimareporter.de

seventeen-goals--150x150 FAIReconomics Newsletter KW 28/2020 Kohleausstieg zu teuer erkauft? Strom ist teurer auf dem Land, Elefantensterben, Grüne warnen Autoindustrie, Fischarten bedroht, Neues aus dem Bundestag Newsletter

Das seventeen goals Magazin erzählt in inspirierenden Geschichten, wie Menschen die Welt bewegen und zeigt auf, wie jeder einen Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele leisten kann.

Nachhaltige Stadtentwicklung oder: Wie wir morgen leben wollen

Weltweit wachsen Städte unaufhaltsam: Schon heute lebt jeder 2. Mensch in der Stadt. Nachhaltige Stadtentwicklung steht vor großen Herausforderungen, um Lösungen zu finden – doch was bedeutet nachhaltige Stadtentwicklung eigentlich? 17goalsmagazin.de

MOBILITÄT:

Hofreiter drängt Autokonzerne zu Umstieg auf klimaneutrale Antriebe: Eine Warnung spricht der Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter den deutschen Autokonzernen aus, sie würden den rechtzeitigen Umstieg auf klimaneutrale Antriebe verpassen.  „Wenn die Autohersteller dauerhaft an alter Technologie festhalten, sind sie in zehn Jahren pleite“, so der Grünen Fraktionschef im Bundestag.  Hofreiter plädiert für emissionsfreie Antriebe. „Wenn unsere Pläne umgesetzt werden, kann man hoffentlich einen erheblichen Teil der Jobs retten.“ Was er einem Kfz-Mechatronik-Azubi sagen würde, der um seine berufliche Perspektive fürchtet, wurde Hofreiter gefragt: „Ich wäre mit ihm sehr ehrlich und würde ihm sagen: Ja, es kommt ein ganz, ganz grundlegender Wandel auf die Autoindustrie zu. Aber wenn unsere Pläne nicht umgesetzt werden, dann arbeitet in zehn Jahren gar niemand mehr bei BMW, Volkswagen oder den vielen Zulieferbetrieben.“ Das Automobil sei generell auf dem Rückzug – zumindest in Innenstädten, so sieht es der Grünen-Fraktionschef: „Natürlich wird das Auto weiter eine große Rolle spielen, aber eben nicht mehr in jeder Innenstadt.“ watson.de

“Sprunghaft gestiegen” die Kaufprämie erhöht Nachfrage bei Elektroautos: Das Interesse an Autos mit einem E-Antrieb scheint kräftig zuzunehmen, zeigt eine Auswertung bei Neuwagenvermittlern. Denn seit Anfang Juni gilt die erhöhte Kaufprämie bei Elektroautos. Und von der Mehrwertsteuersenkung könnten Fahrzeuge aller Antriebsarten profitieren. Die Anfang Juni erhöhte Kaufprämie für Elektroautos und Plug-in-Hybride sorgt für einen kräftigen Schub beim Interesse an Autos mit diesen Antriebstechnologien. Zwar halten sich die Auswirkungen auf die Neuzulassungen und Förderanträge beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle noch in Grenzen, doch die Nachfrage zieht an, wie Auswertungen der beiden großen Online-Neuwagenvermittler Carwow und Meinauto zeigen. rnd.de

BMW: „Keine Abstriche“ bei Nachhaltigkeit, Klima- und Umweltschutz wegen COVID-19. elektroauto-news.net

Maut Untersuchungsausschuss: Nur mit großen Bedenken hat der damalige Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) die Zustimmungsvereinbarung für die Einbindung von Toll Collect in die Erhebung der Pkw-Maut unterschrieben. Er habe den Unterauftragnehmervertrag für „vergaberechtlich nicht unbedenklich“ gehalten, sagte Ekhard Zinke am Donnerstag als Zeuge im 2. Untersuchungsausschuss („Pkw-Maut“). Zinke war bis Januar dieses Jahres Präsident des Kraftfahrt-Bundesamtes. Er sei zwar kein Vergabeexperte, sagte der Jurist in der vom Ausschussvorsitzenden Udo Schiefner (SPD) geleiteten Sitzung. Aber er habe es für problematisch gehalten, dass ein nicht unwesentlicher Leistungserbringungspunkt nachträglich verändert worden sei. Das Bieterkonsortium aus Kapsch TrafficCom und CTS Eventim verpflichtete nämlich nachträglich die bundeseigene Toll Collect GmbH als Unterauftragnehmerin, um deren Zahlstellenterminals für die Erhebung der Pkw-Maut zu nutzen. Damit sei das Konsortium hinter dem vertraglich Vereinbarten zurückgeblieben, ohne dass erkennbar gewesen sei, ob der Reduktion des Leistungsumfangs eine Honoraranpassung entsprochen habe, sagte der ehemalige Spitzenbeamte. Seine Bedenken äußerte Zinke im Mai 2019 in einem Brief an das Bundesverkehrsministerium. Er sehe sich nicht in der Lage, die Zustimmungsvereinbarung zu unterschreiben, erklärte er darin. Im Antwortschreiben äußerte ein Vertreter des Ministeriums die Bitte, die Unterschrift trotzdem zu leisten. Damit, erläuterte Zinke, habe er sich in der Lage gesehen, „den Vertrag zu unterschreiben, weil ich mich frei wähnte von persönlicher Verantwortung“. Es habe sich dabei um einen „echten Remonstrationsfall“ gehandelt. Die Remonstrationspflicht bezeichnet die Pflicht eines Beamten, Bedenken gegen die Rechtmäßigkeit dienstlicher Anordnungen unverzüglich bei den Vorgesetzten geltend zu machen. Bestätigen diese die Weisung, muss der Beamte die Weisung auch gegen seine persönliche Überzeugung ausführen. „Ich habe mich sehr schwer getan damit“, sagte Zinke. „Man remonstriert nicht einfach so gegen seinen Dienstherrn.“ Über seine Bedenken hinwegsetzen musste sich Zinke auch schon Ende 2018, als es um die Vorbereitung des Betreibervertrages ging. Am 19. November teilte er dem Verkehrsministerium mit, er sehe sich nicht in der Lage, eine gründliche Prüfung des Vertrags vorzunehmen. Anschließend sei ihm jedoch „nach der juristischen Expertise insbesondere meines Projektteams“ versichert worden, der Vertrag sei vertretbar. „Dies“, sagte Zinke, „hat mir die Gewissheit gegeben, guten Gewissens unterschreiben zu können.“ Die notarielle Beurkundung des Vertrags fand am 30. Dezember 2018 statt. Befragt wurde der Zeuge auch zum Umstand, dass das Kraftfahrt-Bundesamt in die Vertragsverhandlungen mit den Bietern nicht eingebunden war. Er habe nicht gewusst, wer den Zuschlag bekommen solle, bis „irgendwann ein Gerücht auch in das Zimmer eines Präsidenten wabert“, berichtete Zinke. Es sei aber auch nicht die Rolle des Kraftfahrt-Bundesamtes gewesen, an den Verhandlungen teilzunehmen. Die Aufgabe seiner Behörde habe er darin gesehen, „unsere Expertise einzuspeisen in den Prozess der Vergabeentscheidung, so es gewünscht war“.

Verkehrsunternehmen aktivierten Pandemiepläne rechtzeitig: Die Aufrechterhaltung der gesamten Verkehrsinfrastruktur und insoweit insbesondere der kritischen Infrastruktur hat für die Bundesregierung nach eigener Aussage oberste Priorität und ist gewährleistet. Insbesondere die Deutsche Flugsicherung (DFS) und die Deutsche Bahn AG (DB AG) hätten sehr frühzeitig ihre internen Pandemiepläne aktiviert und damit Vorsorge und Vorkehrungen für ihre systemrelevanten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getroffen, um deren Arbeitsfähigkeit und damit den operativen Betrieb sicherzustellen, heißt es in der Antwort der Regierung (19/19894) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/19620). Die Voraussetzungen für die Anwendung des Verkehrsleistungsgesetzes, welches Versorgungsleistungen im Verkehrsbereich im Ereignisfall in Friedenszeiten regelt, seien fortlaufend geprüft worden, „waren aber zu keinem Zeitpunkt gegeben“, heißt es in der Antwort. Im Übrigen dränge Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) darauf, einen europäischen Pandemie-Notfallplan für den Güterverkehr zu erarbeiten, um für künftige Krisen noch besser gerüstet zu sein, teilt die Regierung mit.

LETZTE WOCHE IM BUNDESTAG

Verwertung teerhaltiger Straßenbaustoffe: Die Verwertung von teer- und pechhaltigen Straßenbaustoffen aus Deutschland thematisiert die FDP-Fraktion in einer Kleinen Anfrage (19/20098). Die Abgeordneten verweisen darauf, dass bis zu 2,5 Millionen Tonnen teerhaltiger Straßenaufbruch pro Jahr in Deutschland anfällt. Es gebe in Europa nur eine Anlage in Rotterdam in den Niederlanden, die eine thermische Verwertung durchführt und die mit den 2,5 Millionen Tonnen ausgelastet sei. Somit besteht aus Sicht der Liberalen der Verdacht, dass durch die Vorgabe, die thermische Verwertung zu bevorzugen und die damit verbundene überlastete Anlage in Rotterdam, „ein akuter Entsorgungsnotstand für teer- und pechhaltige Straßenbaustoffe aus Deutschland besteht“. Die Bundesregierung wird nun gefragt, ob Pläne bestehen, eine thermische Verwertungsanlage für Abfälle öffentlichen Straßenausbaumaterials auf deutschem Gebiet zu errichten. Wissen will die FDP-Fraktion auch, ob Anreize für private Investoren geschaffen werden, um Investitionen in entsprechende Anlagen zu fördern.

Grüne wollen mehr Zeitsouveränität: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert, Beschäftigten mehr Zeitsouveränität zu ermöglichen. In einem Antrag (19/20585) bezieht sie sich auf ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) und verlangt, dieses umzusetzen. Das Urteil komme zu dem Schluss, dass die Mitgliedstaaten die Arbeitgeber verpflichten müssen, ein verlässliches, objektives und zugängliches Zeiterfassungssystem einzuführen, mit dem jeder Arbeitnehmer seine täglich geleistete Arbeitszeit erfassen kann, erläutert die Fraktion. Sie fordert die Bundesregierung deshalb auf, das EuGH-Urteil vom Mai 2019 endlich konsequent umzusetzen und den Beschäftigten mehr Einfluss auf die Dauer, Lage und den Ort ihrer Arbeit zu ermöglichen. Die Grünen verlangen unter anderem die Schaffung einer flexiblen Vollzeit, in der die Beschäftigten im Rahmen von 30 bis 40 Stunden pro Woche ihren Arbeitsumfang bedarfsgerecht ausgestalten können. Mobiles Arbeiten soll eindeutig und rechtssicher geregelt werden, schreiben die Grünen.

Mehr Tierwohl im Baugesetzbuch: Die FDP-Fraktion fordert Änderungen im Baugesetzbuch zugunsten des Tierwohls. Die explizite Privilegierung auch für gewerbliche Tierhaltungsanlagen an einem Standort solle festgeschrieben werden, wenn dadurch die Änderung, Errichtung oder Erweiterung der baulichen Anlagen zur Tierhaltung die bereits gehaltene Anzahl der Tiere am Standort nur unwesentlich verändert wird, heißt es in einem Antrag (19/20557). Wenn ein Bauvorhaben auf eine Verbesserung des Tierwohls abzielt und gesetzliche Mindeststandards übererfüllt, soll der Vorlage zufolge die Genehmigungspflicht nach Bundes-Immissionsschutzgesetz entfallen. Ähnliches fordern die Abgeordneten für Pflichten rund um die Umweltverträglichkeitsprüfung.

Auch SPD und CDU/CSU haben ein Herz für Tiere: Auch die Fraktionen CDU/CSU und SPD wollen mit einer Änderung im Baugesetzbuch die Haltungsbedingungen für Tiere verbessern. Wie aus dem „Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Tierwohls in Tierhaltungsanlagen“ (19/20597) hervorgeht, sollen Tierhaltungsanlagen in Außenbereichen einfacher baulich verändert werden dürfen – wenn Betreiber damit nachweislich das Tierwohl verbessern und die Zahl ihrer Tiere nicht erhöhen. Eigentlich waren diese Privilegien für den Bau gewerblicher Tierhaltungsanlagen im Außenbereich von Siedlungen eingeschränkt worden. Sie brauchen seit 2013 einen Bebauungsplan oder einen Vorhabens- und Erschließungsplan. So konnten Kommunen seitdem stärker beeinflussen, wo solche Anlagen entstehen. Der Gesetzentwurf zielt nun auf die vor dieser Änderung errichteten Anlagen ab. Sie genießen Bestandsschutz. Wollen diese Betreiber ihre Anlagen ändern, brauchen sie ebenfalls einen Bebauungs- oder Vorhabens- und Erschließungsplan. Dies könne zur Folge haben, dass Änderungen von Tierhaltungsanlagen, die der Verbesserung des Tierwohls dienen sollen, unterbleiben, argumentieren die Abgeordneten. „Die Verbesserung der Haltungsbedingungen für Nutztiere erfordert regelmäßig ein erhöhtes Platzangebot pro Tier sowie verbesserte tiergerechte Auslaufmöglichkeiten. Ohne eine Änderung der baulichen Anlage lässt sich dies regelmäßig nur durch eine Verringerung des Tierbestandes erreichen.“

Ausbau von Offshore-Wind: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen fordert einen strukturierten Plan zum Ausbau von Offshore-Windenergieanlagen. Das Zwischenziel sollte 35 Gigawatt bis 2035 sein, erklären die Abgeordneten in einem Antrag (19/20588). Dazu brauche es ein klares und gestuftes Mengenziel bei kontinuierlicher Planung. Klar positionieren sich die Grünen in dem Antrag gegen die Finanzierung von Stromliefersystemen mittels privater Power-Purchase-Agreements, also spezieller Stromlieferverträge mit längeren Laufzeiten.

Nachhaltigkeitsziele in Zeiten von Corona: Die Umsetzung nachhaltigen Entwicklungsziele (Sustainable Development Goals, SDGs) der Vereinten Nationen ist durch die Corona-Pandemie weltweit stark unter Druck geraten. Vielerorts fehlt es am Nötigsten. Dennoch gelte es, gerade jetzt an den 2015 vereinbarten Zielen als Kompass für eine nachhaltige Erholung und Entwicklung festzuhalten und die Krise für strukturelle Veränderungen zu nutzen, so der Tenor der Diskussion in einem öffentlichen Fachgespräch des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung am Mittwochabend zum Thema „Globaler Kontext der Corona-Pandemie und Sustainable Development Goals“. Prof. Dr. h.c. Cornelia Füllkrug-Weitzel, Präsidentin von Brot für die Welt, Evangelisches Werk für Diakonie und Entwicklung e.V., zeichnete ein drastisches Bild der Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die SDGs und die Entwicklungszusammenarbeit. „Wir erleben gerade die schwerste soziale und ökonomische Krise im globalen Süden, die wir je gesehen haben.“ Viele der SDGs seien massiv betroffen. Die gesundheitliche Grundversorgung sei in vielen Ländern, in denen es bereits zuvor strukturelle Engpässe gegeben habe, überhaupt nicht mehr gegeben. So verfüge beispielsweise Somalia über nur ein einziges Beatmungsgerät. Die Behandlung anderer Krankheiten sei massiv zurückgefahren worden. „Weil das Geld einfach nicht reicht.“ „Das Recht auf Gesundheit kann so nicht bedient werden.“ In einem von solchen Mängeln bestimmten Kontext könne man natürlich auch keine Pandemie bekämpfen. In Slums Abstand zu halten sei fast unmöglich. Selbst einfachste Vorsorgepraktiken wie Händewaschen stelle dort ein Problem dar.Dr. Adriana Neligan, Senior Economist, vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln e.V., plädierte dafür, wirtschaftlichen Wiederaufbau und Nachhaltigkeit nicht als Gegensatz zu begreifen. Wirtschaftliche, ökologische und soziale Nachhaltigkeit werde mittlerweile auch von den Unternehmen als Wachstumsmotor begriffen und als Chance ergriffen. Klimaschutz sei nicht nur gut für die Umwelt, sondern auch, um neue Arbeitsplätze zu schaffen. Das werde auch den Entwicklungs- und Schwellenländern zugute kommen.

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Förderung des Landlebens: Die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen will den ländlichen Raum stärken und dadurch die Abwanderung in die Städte mindern. Die Binnenmigration verschärfe die bestehenden demographischen Probleme vor allem in Ostdeutschland, schreiben die Abgeordneten in einem Antrag (19/20576). Dabei biete das Land guten und gesunden Lebensraum, dieser müsse nur durch Projekte attraktiver gemacht werden. Die Abgeordneten fordern daher die Auflage eines Modellprojekts innerhalb des Programms für ländliche Entwicklung. Mit dem Projekt „Neues Leben auf dem Land“ soll die Reaktivierung von vorhandenem Wohnraum gefördert werden. Auch „Probewohnen“ im ländlichen Raum oder Beratungsprojekte sollen angeboten werden. Ziel soll es sei, das Modellprogramm in die Regelförderung aufzunehmen.

WÖRTLICH GENOMMEN

Die wachsende Verbrauchernachfrage nachklimafreundlichen Produkten wirkt sich jedoch auf die gesamte industrielle Lieferkette aus. Warum Europas Kohlekraftwerke abschalten, wenn die Fertigprodukte, die wir kaufen oder herstellen, kohlenstoffreiches, mit Kohle produziertem Aluminium vom anderen Ende der Welt beinhalten?

Lord Gregory Barker , Executive Chairman EN+, hochwertiges, kohlenstoffarmes Aluminium sei erwachsen geworden und stehe jetzt in großem Maßstab bereit. Die Antwort ist die Abschaffung der Importzölle für kohlenstoffarmes Primäraluminium, um Europa dann zu helfen, wenn es am meisten darauf angewiesen ist. Dies würde ein klares Signal aussenden, dass die EU es mit dem Weg in eine grüne Zukunft ernst meint.“ fair-economics.de

„Die Corona-Pandemie ist ein schlimmes und tragisches Ereignis – sie zeigt zugleich aber auch, wie verheerend eine systemische globale Krise für die Menschheit sein kann. Und die Klimakrise hat auch dieses zerstörerische Potenzial“

Jean-Paul Agon, Chef von L’Oréal.  Ziel sei es, L’Oréal komplett zu verändern. Man werde jeden Stein umdrehen und  jeden Prozess verändern, um den ökologischen Fußabdruck so anzupassen, dass er die planetarischen Grenzen wahrt. Ein solches Handeln sei in seinen Augen alternativlos – für L’Oréal, aber auch für jedes andere Unternehmen. Denn wir müssten die natürlichen Grenzen des Planeten einhalten. Niemand könne es sich mehr leisten, untätig zu bleiben. Ansonsten werden wir alle nicht überleben. welt.de

MEHR WISSEN

Kampf um Wasser: Ägypten fürchtet, dass Äthiopien dem Land das Nilwasser abgräbt.  Und schon häufigerwaren Wasserfragen ein „casus belli“. Nach zehn jähren Bauzeit wird jetzt ein 1.870 Meter langer und 145 Meter hoher Staudamm fertig, gebaut von einem italienische-äthiopischem Konsortium. Auf rund fünf Milliarden Dollar beliefen sich die Kosten des Dammes und die Stromproduktion Äthiopiens soll sich dadurch verdoppeln. Die Ägypter hingegen sind seit Jahrtausenden auf das Wasser des Nils angewiesen. Bahn sich hier ein neuer Konflikt an? sueddeutsche.de

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Warum Abbruchhäuser recycelt werden sollten: Häuser gelten als wichtige Ressourcen. Auch die Bauwirtschaft begreift das nach und nach.  „All diese Maßnahmen sind vorerst noch Pilotprojekte, die Großhändler, Metallbetriebe und einen exotischen Raritätenmarkt für Spezialisten bedienen“, sagt Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts. „Auf den gesamten Bausektor bezogen ist das nicht einmal ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es ist ein Anfang, und in der Forschung und Entwicklung ist Österreich europaweit vorne mit dabei.“  Eine eindeutige Baugesetzgebung, zumindest in Österreich, und eine Begriffsdefinion würden helfen Re-use und Recycling zukunftsfähiger zu machen. derstandard.at

Steigende Wassertemperaturen bedrohen die Vermehrung vieler Fischarten: Die Wassertemperatur in den Laichgebieten entscheidet maßgeblich über den Fortpflanzungserfolg der Arten und macht Fische auf diese Weise besonders anfällig für den Klimawandel – im Meer ebenso wie in Seen, Teichen und Flüssen. Den Analysen zufolge gefährdet der ungebremste Klimawandel aufgrund steigender Wassertemperaturen den Fortpflanzungserfolg von bis zu 60 Prozent aller Fischarten.  fair-economics.de

Amazonas Regenwald: Schwerste Brände seit 13 Jahren. tagesschau.de
EN+ : Neue Grüne Aluminium Vision vorgestellt. fair-economics.de
Ostafrika: Neue Heuschreckenplage. dw.com

Koalas: Könnten in einem Teil Australiens bis 2050 ausgestorben sein. rnd.de
Nachhaltiges Bauen: Steigert die Wettbewerbsfähigkeit. boersen-zeitung.de
Wälder: Können jetzt Klimawandel anheizen. spiegel.de

DAS LETZTE:

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Alternative Schlachtmethoden auf dem Feld:  Der sogenannte Weideschuss, die Tiere auf der Weide tötet und nicht im Schlachthof, ist eine alternative Schlachtmethode, wo die Tiere dort sterben, wo sie gelebt haben, nämlich auf der Wiese und in ihrer Herde.  Man solle nicht glauben dass Landwirte das Schlachten gut fänden,  kein Landwirt schlafe in der Nacht vor dem Schlachten gut, wenn er wisse, dass er am nächsten Tag das Tier verladen und zum Schlachthof bringen müsse.  Allerdings sei es nach wie vor aufwendig, eine Genehmigung für den Weideschuss zu bekommen. n-tv.de

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Fotonachweis: Alle Bilder soweit nicht anders ausgewiesen. www.pixabay.com

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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One Comment
 
  1. Roschlau Ralf 18. Juli 2020 at 14:32 Antworten

    Lieber Herr Tetzel, ich habe mich sehr darüber gefreut, dass mein Buch „Der Preis des guten Lebens – Wie aus den Fragen von heute die Antworten von morgen werden“ in Ihrem Newsletter 28/2020 als Buchtipp der Woche genannt wurde. Ich danke Ihnen sehr herzlich. Mit Ihrer Erwähnung tragen Sie sicher dazu bei, dass mein Buch mit seinen wichtigen Themenbereichen eine breite Leserschaft findet.
    Beste Grüße
    Ihr
    Ralf Roschlau

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