FAIReconomics Newsletter KW 32 NACHRICHTEN

Zahmer Diesel-Gipfel: Die deutschen Autohersteller haben sich auf dem Diesel-Gipfel am Mittwoch in Berlin bereit erklärt, insgesamt rund 5,3 Millionen Dieselautos mit den Abgasgrenzwerten Euro 5 und Euro 6 auf eigene Kosten mit Softwareupdates nachzurüsten. Dabei sind darin die etwa 2,5 Millionen Volkswagen, Porsche und Audi-Diesel, die schon mit einer neuen Software versehen worden sind. Die Hersteller wollen so die Stickoxid-Belastung  um 25 bis 30 Prozent reduzieren. Darüber hinaus will der Bund seine Mittel für Investitionen in den Öffentlichen Nahverkehr um 250 Millionen Euro erhöhen. Auch die Autobauer wollen in diesen Mobilitätsfonds einzahlen. heute.de, welt.de,

Kritik am Diesel-Gipfel: Umweltverbände und Verbraucherzentralen kritisierten die Ergebnisse des Diesel-Gipfels als schwach. Während der Chef der deutschen Verbraucherzentrale,  Klaus Müller, meint, die Politik und Autobauer hätten den Gipfel „vor die Wand gefahren“, meint BUND-Vorsitzende Hubert Weiger, dass mit der Entscheidung für reine Software-Updates, die nicht einmal verpflichtend seien, Fahrverbote unausweichlich würden. Die Politik versuche das Ergebnis als Erfolg zu verkaufen. Auch Bundesumweltministerin Barbara Hendricks blies ins selbe Horn: „Natürlich reicht das heute erzielte Ergebnis am Ende noch nicht aus“. Außerdem sei der Duktus der Erklärung der Autoindustrie „zu wenig von Einsicht und Demut geprägt“. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer mahnt eine Umsetzung innerhalb von drei Monaten an, da sonst Fahrverbote wahrscheinlicher würden. Seehofer denkt auch über eine Bundes-Umweltprämie für alte Dieselfahrzeuge sowie eine Reform der Kfz-Steuer nach.  faz.net  , br.de  (Seehofer)

Eier-Skandal: Mit dem Insektizid Fipronil belastete Eier sind in den Handel gelangt. Seit letzter Woche gibt es täglich neue Nachrichten. Offensichtlich wussten belgische Behörden schon seit etwa zwei Monaten von den belasteten Hühnereiern. Das Insektizid gelangte wahrscheinlich über ein verbotenes Reinigungsmittel in die Hühnereier. Vor allem in den Niederlanden wurde das Reinigungsmittel in Legehennenbetrieben eingesetzt. Viele der dort produzierten Eier wurden nach Deutschland weiterverkauft. Inzwischen steht Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt wegen des schlechten Krisenmanagements in der Kritik, Politiker und Verbraucherschützer überschlagen sich mit Kommentaren und Ratschlägen.  derwesten.dehandelsblatt.comsueddeutsche.de  (Bundeslandwirtschaftsminister), taz.de

Insgesamt 66 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen im  Jahr 2015 mit Umweltschutzprodukten und – dienstleistungen umgesetzt. Davon floss der größte Anteil, nämlich  37,9 Milliaden Euro in den Klimaschutz. Etwa 19,8 Milliarden Euro sind für die Verbesserung der Energieeffizienz aufgewendet worden. 16,5 Milliarden Euro gingen in den Ausbau erneuerbarer Energien. Rund eine Viertelmillion Menschen arbeiten in Deutschland im weiteren Sinne für den Umweltschutz. destatis.de

Deutsche Industrie – Ökologischer Umbau finanzierbar: Die deutsche Wirtschaft sieht sich durch die Politik der Bundesregierung, die CO2 Emissionen in den kommenden Jahren radikal zu senken, nicht ernsthaft in Gefahr. Die technischen und finanziellen Herausforderungen sind groß, aber finanzierbar. faz.net

USA steigen offiziell aus Klimavertrag aus: Die USA haben am Freitagabend den  Vereinten Nationen offiziell ihren Austritt aus dem Pariser Klimaabkommen mitgeteilt. Das US Außenministerium erklärte, dass den UN eine entsprechende Erklärung übermittelt worden sei. blick.ch

Polens Urwälder: Polen widersetzt sich einem Abholzungsverbot des EuGH und hält sich nicht an das Abholzungsverbot im Bialowieza-Urwald. Nun geht die EU-Kommission massiv gegen die polnische Regierung vor. Der Streit könnte bis zu einem Entzug von Polens Stimmrechten führen.  tagesschau.de

Buchtipp der Woche: Heute erscheint im Oekom Verlag ein neuer Titel: Das neue Dorf -Vielfalt leben, lokal produzieren, mit Natur und Nachbarn kooperieren“ . Der Autor Ralf Otterpohl beschreibt die Möglichkeiten einer neuen Dorf- und damit auch Agrarpolitik:  Hundert Minifarmen produzieren hochwertige Lebensmittel und werten die Böden auf, Kleinunternehmen stellen eine breite Palette an Gütern her, Kultur- und Bildungseinrichtungen versorgen die Bevölkerung, Tourismus belebt den Ort – all das auf der Fläche eines einzigen Bauernhofes! Neue Dörfer ermöglichen gutes Auskommen, selbstbestimmtes Leben, tragen zur dauerhaften Versorgung der Städte bei. So wird nicht nur das „gute Leben“ für den Einzelnen möglich, Humusaufbau, Permakultur und ökologische Produktion tragen auch zu einem ausgeglichenen Klima bei.  Das „Neue Dorf“ ist eine kreative Synthese der Vorteile von Stadt und Land, zeigt Alternativen zum anonymen Leben in den Großstädten und der Entfremdung lohnabhängiger Arbeit auf. Beispiele aus aller Welt finden sich ebenso wie praktische Anleitungen zu Standortsuche, Planung und Produktionsmöglichkeiten. oekom.de

Solarworld: Insolvenzverfahren eröffnet freiepresse.de
Miet-E Roller: Eine Lösung für Verkehrsprobleme handelsblatt.com
Niedersachsen: VW Konzern redigiert Diesel-Rede des Ministerpräsidenten sueddeutsche.de
Handwerkspäsident: Will keine blaue Plakette welt.de
Tesla: Auf der Überholspur. Umsatz verdoppelt sich boerse-online.de
Atomkraftwerk abgeschaltet: Das Schweizer AKW Beznau nahe der deutschen Grenze ist in der Nacht zum Samstag teilweise abgeschaltet worden. faz.net

WÖRTLICH GENOMMEN

„Diese Vorhersage entpuppt sich als völlig falsch. Allein in den USA wurden zuletzt über zwei Millionen neue Jobs im Jahr geschaffen. Das zeigt, dass die neuen Technologien Arbeitskraft eher ergänzen als ersetzen. In der Medizin gibt es Patientenakten meist nur mehr in elektronischer Form. Das macht die Arbeit von Ärzten und Krankenschwestern effizienter, sie werden aber nicht ersetzt. Bankomaten haben Mitarbeiter am Bankschalter nicht obsolet gemacht. Und wenn Sie morgen fliegen, nimmt immer noch ein Mensch Ihr Gepäck entgegen.“
Robert Gordon, US-Ökonom, dennoch seien der Welt die Ideen ausgegangen,  die das Wachstum beflügeln. Das Wachstumspotenzial vieler Innovationen werde stark übertrieben dargestellt. Selbstfahrende Pkws mögen privat nützlich sein, würden aber keine Jobs schaffen und kein Wachstum generieren. Bei selbstfahrenden Lkws sei die Frage, ob die Fahrer ersetzbar werden. Das würde Produktivitätsgewinn bringen. Doch werde oft vergessen, dass Lkws nicht nur weite Distanzen zwischen Städten zurücklegten. Ein großer Teil des Frachtverkehrs finde innerhalb einer Stadt oder auf kurzen Wegen statt. Die Fahrer lieferten etwas aus, Bier oder Brot, entlüden Waren, sortierten sie ein. Diese Tätigkeiten könne man nicht mit selbstfahrender Technologie ersetzen. derstandard.at

„Die von der Regierung herausgestellten Naturschutz-Erfolge dürfen nicht darüber hinwegtäuschen: Wir verlieren weiter Vögel, Insekten und ihre Lebensräume in atemberaubenden Tempo. In Deutschland steht etwa das früher häufige Rebhuhn kurz vor dem Aussterben. Auch Hummeln, Schmetterlinge und artenreiche Wiesen werden immer seltener. Mit jeder Art, die verschwindet, löst sich eine weitere Masche aus dem Netz der Natur. Doch von diesem funktionierenden Netz sind wir Menschen und die Wirtschaft hochgradig abhängig. Statt diese tickende Zeitbombe zu entschärfen, hat sich die Große Koalition in Ressortkonflikten verstrickt.“
Oliver Tschimpke, Präsident des NABU, zwar habe die Umweltministerin das wichtige EU-Naturschutzrecht erfolgreich verteidigt und gute Konzepte für die Agrarpolitik und die Finanzierung des Naturschutzes vorgelegt. Doch ihre Kollegen aus dem Landwirtschafts- und Verkehrsministerium seien dazu in Blockadehaltung gegangen. Dieses Gerangel habe Geld und Zeit gekostet, die wir nicht hätten. Arten, die aussterben, kämen nicht mehr zurück. Die Rettung unserer Artenvielfalt müsse daher künftig zentral vom Kanzleramt koordiniert werden.Die Umwelt- und Naturschutzpolitik in Deutschland müsse endlich stärker als Querschnittsaufgabe verstanden werden.  nabu.de

MEHR WISSEN

Studie: Bis zu fünfzigmal soviel Todesfälle als heute, könnte es bis zum Jahr 2100 in Europa durch Extremwetter geben. Jedes Jahr könnten dann etwa 150.000 Menschen betroffen sein, wenn der Klimawandel ungebremst voranschreitet.  Zur Zeit sterben in Europa etwa 3.000 Menschen in Folge von Extremwetterbedingungen. nzz.ch , thelancet.com (Originaltext)

Robotertechnik auf dem Vormarsch: In den USA sind Serviceroboter immer stärker im Einsatz. Beispielsweise der kleine Roboter „Relay“. Er kann sich  selbstständig um Gegenstände und auch Menschen herum navigieren, dafür sorgt eine ausgeklügelte Sensortechnik und künstliche Intelligenz. Neu an diesem System ist, dass er auch Hindernisse erkennen kann, die zuvor nicht in seinem Weg standen. ingenieur.de

Synthetisches e-Benzin: Auch aus Zucker kann man Treibstoffe gewinnen. In einen Fermentationsprozess wird  mit Hilfe genetisch veränderter Bakterien aus Zucker ein Kohlenwasserstoff mit dem Namen Isobuten hergestellt. Er ist der Grundstoff für Treibstoffe.  Forschern gelang jetzt aus nachwachsenden Rohstoffen dieses grüne Benzin herzustellen. Bei der Herstellung wird der CO2-Ausstoß deutlich verringert. Das Produkt hat das Potenzial, das übliche Benzin zu ersetzen. deutschlandfunk.de

Tourist go home: Demonstrationen gegen Massentourismus in Barcelona heute.at
Weiterentwickelte Zertifizierung: Die Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen überarbeitet Planungstool bba-online.de
Tunesien:  Solarstromlieferung nach Europa klimaretter.info

DAS LETZTE:

Luft aus Flaschen: Während in Deutschland noch über Dieselstinker diskutiert wird, sind clevere Unternehmer in anderen Staaten schon viel weiter. Sie verkaufen saubere Luft in Flaschen.In China, Japan aber auch in New York boomen die Geschäfte. In Großstädten wie Shanghai oder Peking werden für einen Liter Sauerstoff bis zu 20 Dollar gezahlt. dw.com

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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