FAIReconomics Newsletter KW 33 NACHRICHTEN

Bundesregierung blockiert Umsetzung der EU-Abgasstandards für Kohlekraftwerke: Deutschland hält als eines der wenigen EU-Länder an der Braunkohleverstromung fest. Eine Brüsseler Verordnung zu Emissionsgrenzwerten könnte den deutschen Anlagenbetreibern nun zum Verhängnis werden.  Einerseits stockt in Deutschland der Ausbau der Erneuerbaren Energien, zudem unterstützen zum Beispiel Sachsen und das Bundeswirtschaftsministerium die Kohlelobby und versuchen strengere Emissionsregeln zu verhindern. Bis heute hat die Bundesregierung das Bundesimmisionsschutzgesetz noch nicht novelliert. Dabei ist der neue Grenzwert für Stickoxid-Emissionen für Braunkohle-Blöcke umstritten. Von 2021 an dürfen diese nur noch maximal 175 Milligramm Stickoxide je Kubikmeter ausstoßen. Bisher liegt der deutsche Grenzwert bei 200 Milligramm und ist deutlich lascher als in den USA mit 117 Gramm, die nicht gerade für hohe Umweltstandards bekannt sind. Sogar China hat seine Stickoxid-Emissionen auf 100 und für Neuanlagen sogar auf 50 Milligramm je Kubikmeter gedeckelt. Auch die Deutsche Umwelthilfe kritisiert die Bundesregierung darin, dass die Umsetzung EU-weit verbindlicher Abgasvorschriften in nationale Gesetzgebung zum 16.8.2018 nicht erfolgt ist. Der Energiesektor sei nach dem Verkehr der Hauptverursacher des Luftschadstoffs Stickstoffoxid (NOx). Neben der Autoindustrie protegiere die Bundesregierung auch die Kohleindustrie zu Lasten der Gesundheit. Die Verzögerung verhindere die erforderliche Nachrüstung von Kohlekraftwerken zur Minderung gesundheitsschädlicher Emissionen aus der Kohleverbrennung. Ab 2021 müssten neue Abgasstandards eingehalten werden. finanzen.net , bizz-energy.com, taz.de

Altmaier will Netzausbau beschleunigen: Der Netzausbau seit jetzt „Chefsache“, und zwar nach Aussage des Bundeswirtschaftsministers deutlich entschlossener, als es je ein Vorgänger angegangen ist. Der vom Bundeswirtschaftsminister vorgestellte Plan besteht aus zwei Komponenten: Erstens soll der Zeitplan beim Ausbau der Stromnetze vorankommen. Und zweitens sollen die bestehenden Leitungen besser ausgelastet werden. Doch die Angst der Bevölkerung vor den Monstertrassen ist groß, ein Netzausbau über die Köpfe der Bürgerinnen und Bürger hinweg  sei der der falsche Weg, so Lorenz Gösta Beuten, energiepolitischer Sprecher der LINKE im Bundestag. tagesspiegel.de,  bmwi.de,  (Aktionsplan), lorenz-goesta-beutin.de (Kritik)

Die fünf heißesten Sommer seit Beginn der modernen Wetteraufzeichnung vor rund 140 Jahren waren alle nach 2010.  Die Erderwärmung führt zu einer Zunahme von Extremwetterereignissen. Sie führt nicht nur zu Hitze, sondern auch zu Trockenheit, Unwettern, Hagel, Stürmen. Bei uns erwachsen daraus schon zunehmende Probleme, in anderen Teilen der Welt werden sie existenziell. tagesspiegel.de

 

Studie – Deutschland könnte Klimaziel 2020 noch erreichen: Dies ginge auch ohne die Beeinträchtigung der Stromversorgung. Das Fraunhofer Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik hat im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace hat ermittelt, dass dafür die ältesten Braunkohleblöcke abgeschaltet werden müssten und einige Braunkohlekraftwerke ihre Leistung leicht drosseln müssten. Außerdem müsste die Wind- und Solarkraft wie im Koalitionsvertrag vereinbart ausgebaut werden. welt.de

Deutschland hat ein Problem mit Plastik: Rund drei Millionen Tonnen Plastikverpackungen wanden hierzulande in den Müll. Auch wenn die Bundesrepublik als Recyclingvorreiter gilt, wird nur etwa ein Drittel des anfallenden Verpackungsmülls stofflich verwertet, also in neues Kunststoff recycelt. Da die Gesellschaft älter wird, werden zunehmend kleine Mengen verpackt. Hinzu kommen Trends wie die geschnittenen Ananas, mundgerecht unter Zellophan verpackt oder Salat samt Sauce im Tütchen. Zudem können automatischen Sortieranlagen manche Kunststoffe nicht genau erkennen. sueddeutsche.de

RWE wirbt für Kohle: Die aktuelle Hitzewelle zeigt, wie wetterabhängig die Erneuerbaren Energien sind. Während der warme Sommer für die Betreiber von Photovoltaik-Anlagen eine Freude war, sahen die Windmüller in die Röhre.  So produzierten die in Deutschland installierten Photovoltaikanlagen über sechs Milliarden Kilowattstunden Strom . Bei den Windanlagen sieht das anders aus, viele Windräder standen still. Der Chef von RWE, Rolf Schmitz wirbt deshalb für Kohlekraftwerke. Seit einigen Wochen redeten alle über das Wetter. Wir auch. Weil der heiße und trockene Sommer die Stromerzeugung in Deutschland und Europa beeinflusse, dieser ungewöhnliche Sommer belege, wie wichtig ein breiter Energiemixsei, in dem jede Erzeugungsart ihre Stärke ausspielen könne. handelsblatt.com

Buchtipp der Woche: Hochdeutschland von Alexander Schimmelbusch. Victor kann sein albernes Siegerdasein als erfolgreicher Investmentbanker schon lange nicht mehr ernst nehmen. Alle Versuche, sich zu verlieben, scheinen ebenso zum Scheitern verdammt zu sein, wie es seine Ehe war. Er ist ein Produkt der marktorientierten deutschen Gesellschaft und dieselben Fähigkeiten, auf denen sein Erfolg in diesem System basiert, weisen ihm jetzt den Ausweg – eine Revolution. Er bewohnt eine gläserne Villa im Taunus, hat bei Bedarf Sex im Spa-Bereich des Hotel Adlon und schafft es, die Work-Life-Balance der Mitarbeiter seiner Bank in einem rentablen Ungleichgewicht zu halten. Doch all das führt zu nichts. Zum Glück lernt er den italophilen Finanzminister der Bundesrepublik Deutschland kennen, dessen Lebenstraum es ist, nach seiner politischen Laufbahn als steinreicher Investmentbanker mit dem Ferrari durch Mailand zu gleiten. Dafür braucht er Victors Hilfe und unterstützt ihn im Gegenzug dabei, eine populistische Bewegung zu gründen, deren rohe Lebendigkeit Victor erlösen wird. In seinem Roman wirft Alexander Schimmelbusch ein grelles Licht auf die deutsche Volksseele und stellt die zentralen Fragen unserer Zeit: Ist unser System kaputt? Was ist Elite? Können wir überhaupt noch kommunizieren? Haben wir Prinzipien? Welchen Preis zahlt man dafür, nach seinen eigenen Regeln zu leben? Ist es Zeit für einen radikalen Neuanfang? Für eine Stunde null, wie nach einem Krieg? klett-cotta.de

Hilfe für Enercon: Wirtschaftsminister Altmaier sichert Windanlagenhersteller Hilfe zu. spiegel.de
Dieselbesitzer: Pflicht zum Dieselsoftware-Update. handelsblatt.com
Heimarbeit: Homeoffice, Immer mehr Beschäftigte erledigen ihren Job von zu Hause. Doch es gibt auch Grenzen.welt.de
Berlin-Brandenburg: Vereinbarung über Grünflachen getroffen. moz.de
Auf der Überholspur: Deutsche Autokonzerne sind nach wie vor weltweit führend in Forschung und Entwicklung. Asiatische Hersteller sind ihnen dicht auf den Fersen. stuttgarter-zeitung.de 


WÖRTLICH GENOMMEN

Als ich Anfang der 1990er Jahre das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gründete, war der Klimawandel noch ein recht exotisches Thema. Mittlerweile haben aber immer mehr Menschen nicht nur den Eindruck, dass das Wetter verrückt spielt, sondern auch die Sorge, dass wir unsere ganze Umwelt ramponieren. Mit jedem Extremereignis, ob das jetzt Stürme, Überschwemmungen oder Dürren sind oder eben eine Hitzewelle, steigt das öffentliche Interesse. Auch wenn es manche Menschen in einem kühleren Jahr wieder vergessen sollten: Die Natur wird uns immer wieder und immer öfter daran erinnern, dass wir sie aus dem Gleichgewicht bringen. Die Thermometersäule kriecht unerbittlich nach oben. Die nächste Hitzewelle kommt bestimmt – das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.“
Professor Dr. Hans Joachim Schellnhuber, 1992 gründete er das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, das er noch bis September leitet. Er war wissenschaftlicher Chefberater von Bundeskanzlerin Angela Merkel und berät aktuell auch Papst Franziskus in Klimafragen, — einige wenige Menschen behaupteten zwar etwas anderes, „doch die Naturgesetze gelten überall, mit der Konsequenz, dass wenn wir das Kohlendioxid in der Atmosphäre stetig erhöhen – und das geschieht ja massiv – sich die Erde erwärmt.“ Gleichzeitig bleibt Schellnhuber optimistisch. „Es gibt unter den Menschen immer auch die Komplizenschaft der Untätigkeit – der eine zeigt auf den anderen, und es geschieht nichts. Manchmal passiert aber auch das Gegenteil, dass immer mehr Leute Teil einer guten Geschichte sein wollen. Und dass die Politik auf den Zug aufspringt, wenn sich die öffentliche Meinung dreht.“ Nach dem Reaktorunglück in Fukushima sei es Bundeskanzlerin Angela Merkel auch gelungen, aus der Kernenergie auszusteigen. augsburger-allgemeine.de

Der als gemeinnützig anerkannte Verein hat nach eigenen Angaben 274 Mitglieder, beschäftigt 90 Mitarbeiter und macht jährlich über acht Millionen Euro Umsatz. 2004 wurde die Deutsche Umwelthilfe vom Bundesverwaltungsamt als „klageberechtigter Verbraucherschutzverband“ anerkannt, vier Jahre später folgte die Anerkennung durch das Umweltbundesamt als „klageberechtigte Vereinigung nach dem Umwelt-Rechtsbehelfsgesetz“. Es waren Lizenzen zum Gelddrucken. Während es der Umwelt immer schlechter geht, brummt die Deutsche Umwelthilfe dagegen wie ein Achtzylinder bei Vollgas.“
Henryk M. Broder, Publizist, die Umwelt sei wirklich eine arme Sau. Mal sei es zu kalt, mal zu warm, mal regnete es zu viel, mal zu wenig. Aber immer leide die Umwelt. Also musste ihr geholfen werden. Zu diesem Zweck sei  vor 43 Jahren, im August 1975, die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegründet worden. Konzipiert als Spendensammelverein für den BUND sei eine eigenständige, nichtstaatliche Umwelt- und Verbraucherschutzorganisation in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins, entstanden, die sich für „saubere Luft, nachhaltige Mobilität und Verbraucherschutz“ einsetze. welt.de

MEHR WISSEN

Land wieder im Trend: Matthias Horx, ein bekannter Zukunfstforscher, sieht die klassische Landflucht für beendet und eine Renaissance des Landlebens.  Sich heute gebe es zwei Arten von Provinz: In der einen verkröchen sich die Bewohner in Passivität und Opfermentalität, in der anderen herrsche ein Klima der Offenheit und des Wandels.  In den aktiven Regionen entstünden Zukunftsdörfer mit steigenden Einwohnerzahlen. Ähnlich sieht dies der Architekturkritiker Niklas Maak. Arbeit und Wirtschaft wieder mehr auf ländliche Regionen zu verlagern, dies wäre für Maak auch ein mögliches Modell für die deutsche Politik:“Man muss den Leuten auch eine Chance geben, aufs Land zu gehen. Es gibt hinreichende Strukturen, leerstehende Dörfer, die man umwandeln könnte, wenn es denn einen Anlass dafür gebe, in diesen Gegenden zu leben. Wir dürfen das Land nicht immer nur als Problemfall betrachten, wo die Übriggebliebenen und AfD-Wähler wohnen. Sondern als etwas, das aufgrund der ökonomischen Politik der letzten 30 Jahre vernachlässigt wurde. Und das es verdient, wiederbesiedelt zu werden – auch zum Nutzen der Stadt. Dafür Strategien zu entwickeln, das ist eine wichtige politische Aufgabe von Politik, Architekten und Urbanisten.“  topagrar.com , deutschlandfunk.de

Bäume wachsen schneller im Klimawandel: Zunächst scheint dies eine gute Nachricht zu sein, denn Bäume speichern CO2 aus der Atmosphäre und entschleunigen so den Temperaturanstieg der Erde.  Ein Team der Technischen Universität München (TUM) hat Holzproben der ältesten existierenden Versuchsflächen aus 150 Jahren daraufhin analysiert – und kommt zu einem überraschenden Ergebnis. Die Daten der Wissenschaftler zeigen,  dass das jährlich wachsende Holz seit Beginn der Beobachtungen allmählich leichter geworden ist: Seit 1900 um acht bis zwölf Prozent. Im gleichen Zeitraum hat sich das Volumenwachstum der Bäume in Mitteleuropa um 29 bis hundert Prozent beschleunigt. Die Ursachen sehen die Forscher im langfristigen Temperaturanstieg, hervorgerufen durch den Klimawandel und der damit zusammenhängenden Verlängerung der Vegetationszeit. Aber auch in den Stickstoffeinträgen aus Landwirtschaft, Verkehr und Industrie.  tum.de

Automobilindustrie vor dem Umbruch: Das Fraunhofer IAO erstellte eine Studie für die IG Metall, die die Gewerkschaft in die Schublade gepackt hat. Dabei kommt die Studie zu dem Schluss, das Umweltgesetzenicht der Grund für die anstehenden Umwälzungen der Automobilindustrie sind, sie seien eine Chance für Wachstum und Innovation. Automatisierung ist der maßgebliche Treiber für den Arbeitsplatzabbau, höhere CO2-Grenzwerte führen kurz- und mittelfristig sogar zu einer Zunahme von Arbeitsplätzen. Ohne den forcierten Einstieg in die Elektromobilität  werdedie europäische Automobilindustrie wesentlich stärker von einem Rückgang der Beschäftigungszahlen betroffen sein. euractiv.de

Nominierungen: Sechs Projekte für den Preis nachhaltiges Bauen nominiert.  nachhaltigkeitspreis.de
Madagaskar: Geringe Erntemengen bei der Vanille könnten die Preisspirale weltweit antreiben. Doch die Vanillebauern bekommen davon nichts ab.  tagesschau.de
Dienstwagencheck: DUH checkt Verbrauch und Schadstoffe von Ministerautos. ecomento.de

DAS LETZTE:

Sommerzeit-Ende? Rund 4,6 Millionen Menschen haben zwischen dem  4. Juli und dem 16. August an den Konsultation der EU-Kommission teilgenommen. Die EU-Kommision wird jetzt  die Antworten sichten und die Ergebnisse in den kommenden Wochen veröffentlichen. Die Teilnehmer wurden in dem Online-Formular gefragt, welche Erfahrungen sie mit dem Wechsel von Normal- auf Sommerzeit gemacht haben und ob sie die Uhrumstellung beibehalten oder abschaffen wollen.  Allein in den ersten drei Tagen wurden mehr als 500.000 Online-Fragebögen ausgefüllt. Nach der Hälfte der Zeit waren mehr als eine Million Antworten eingegangen. Die Server waren teilweise abgestürzt. heise.de 

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