FAIReconomics Newsletter KW 37 NACHRICHTEN:

Braunkohle und Hambacher Forst: Mehrere tausend Demonstranten haben auch am Sonntag am Hambacher Forst gegen die geplante Rodung des uralten Waldes demonstriert. Die Gegner der Braunkohle forderten einen schnellen Ausstieg aus der Kohleverstromung. Der Wald, in dem Einsatzkräfte weiter Baumhäuser der Umweltaktivisten räumten, wurde von der Polizei abgesperrt.  Seit Beginn des Einsatzes am Donnerstag sind etwa 18 Behausungen von der Polizei geräumt worden. Der Energiekonzern RWE beabsichtigt im Herbst weite Teile des Hambacher Forsts abzuholzen, um weiter Braunkohle abbaggern zu können. Der Wald gilt als Symbol des Widerstands gegen die Kohle und die damit verbundene Klimabelastung.  Spätestens mit Beginn der Rodungen, die der Konzern ab Mitte Oktober plant, droht dem Konzern ein Imagedesaster, schon jetzt rufen zahlreiche Gruppen auf den Stromanbieter zu wechseln. Unterdessen wurde am Wochenende ein Plan bekannt, den Bahnvorstand Ronald Pofalla, einer der vier Vorsitzenden der Kommission, mit weiteren Mitgliedern des Gremiums  erarbeitet haben soll: Demnach sollten die letzten Braunkohlekraftwerke zwischen 2035 und 2038 vom Netz gehen, fünf  bis sieben große bereits bis 2020. Doch schon gestern war klar, dass es eine Übereinkunft zu Pofallas Dreijahreskorridor oder auf überhaupt zu irgendein konkretes Ausstiegsszenario nicht geben werde. wdr.de , faz.nethandelsblatt.com (Imageschaden RWE), spiegel.de,(Pofalla), berliner-zeitung.de

Grüne und SPD Politiker fordern Beteiligung der Autokonzerne an Nachrüstkosten: Politiker von SPD und Grünen verstärken  den Druck auf Verkehrsminister Scheuer. Dieser solle die Autokonzerne bei der Nachrüstung von Diesel-Fahrzeugen in die Pflicht nehmen. Auch in der CDU gibt es offensichtlich ein Umdenken.  „Die Autohersteller sind jetzt gefordert und haben damit die Chance zu zeigen, dass sie aus Fehlern der Vergangenheit gelernt haben“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Fraktion, Ulrich Lange. handelsblatt.com

Rund 42,8 Prozent, das ist der Mehrweganteil für die Getränkesegmente Wässer, Bier, Erfrischungsgetränke und alkoholhaltige Mischgetränke – also jene Getränkebereiche welche unter die Pfandpflicht fallen. Dieser erreichte im Jahr 2016 einen neuen Tiefststand. Zusammen mit dem leicht ansteigenden Anteil von 1,4 Prozent der ökologisch vorteilhaften Einweggetränkeverpackungen wurden 44,2 Prozent erzielt. umweltbundesamt.de

EU Staaten haben Nachholbedarf im Umweltschutz: Der Europäische Rechnungshof kommt zu dem Schluss, dass die EU und ihre Mitgliedstaaten nicht genug unternehmen, um ihre Bürger vor den gesundheitlichen Folgen der Luftverschmutzung zu schützen. EU-Maßnahmen gegen schlechte Luftqualität hätten nicht die erwarteten Auswirkungen gehabt- Besonders betroffen seien demnach Menschen in osteuropäischen EU-Ländern. „Viele Mitgliedstaaten kämpfen mit Problemen der Luftqualität, ergreifen aber keine wirksamen Maßnahmen zur Verbesserung der Situation“, sagte Janusz Wojciechowski vom EuRH. n-tv.de

Tod durch Erwärmung: Wird das Pariser Klimaschutzabkommen, das eine Begrenzung der von Menschen verursachten Erwärmung auf weniger als zwei Grad Celsius fordert, nicht eingehalten, sterben viele Menschen wegen hoher Temperaturen, so das nüchterne Fazit. istm.ac.uk

Kohlestrom viel zu teuer: Die Mehrkosten des Stroms werden nicht nur über die Rechnung bezahlt, sondern durch höhere Kosten für die Gesundheit, höhere Beiträge für die Krankenkassen und über Steuern. Ein geordneter Kohleausstieg spart deshalb aus Sicht der Umweltbundesamtes Milliarden. Im direkten Vergleich der Energieträger sei somit Strom aus Wind- und Solarenergie in der Gesamtbetrachtung schon heute die günstigste Energie und drei Mal günstiger als Strom aus Kohlekraft. Doch bis heute spielten Gesundheits- und Umweltschäden in der deutschen Debatte über Stromkosten kaum eine Rolle.  Oliver Krischer, Energieexperte der Bundesfraktion Bündnis 90/Grüne, meint, dass schon heute kein einziges Braunkohlekraftwerk mehr liefe, wenn alle Folgekosten für diese Kraftwerke berücksichtigt würden. dw.com

Selbstverpflichtung der Städte: Rund hundert große Städte aus dem Zusammenschluss C40 sind die Selbstverpflichtung eingegangen, spätestens bis 2050 komplett klimaneutral zu sein. Den Beginn will  Kopenhagen machen, das schon in sieben Jahren klimaneutral sein will. Los Angeles versprach, bis 2025 aus der Kohle auszusteigen und danach komplett Kohlendioxid zu verbannen. Tokio, Seoul und Rotterdam schlossen sich Paris, London, Barcelona und Mexiko mit dem Versprechen an, ab 2025 nur noch Elektro-Busse einzusetzen. Kalifornien will einen Satelliten entwickeln, der weltweit den Ausstoß klimaschädlicher Emissionen überwachen soll. zeit.de , deutschlandfunk.de

Buchtipp der Woche:  Mäßigung – Was wir von einer alten Tugend lernen können. Seit Jahrtausenden philosophieren Menschen über Mäßigung als Weg zu Zufriedenheit und Glück. Unser exzessiver Produktions- und Lebensstil und die Zerstörung der natürlichen Umwelt erfordern ein neues Nachdenken über diese Lebensregel als die Suche nach dem rechten Maß. Warum gelingt es unserer Industriekultur nicht, sich zu mäßigen – obwohl es dringend nötig wäre? Ist der Mensch überhaupt in der Lage, sich zu beschränken, und wenn ja, unter welchen Bedingungen? Welche Rolle spielen dabei Erziehung und Bildung? Der Autor Thomas Vogel taucht ein in die Philosophiegeschichte und identifiziert die Tugend der Mäßigung als bedeutsame Antwort auf falsche Glücksversprechen unserer Zivilisation. oekom.de

UN-Generalsekretär: Warnung vor katastrophalen Folgen des Klimawandels. faz.net
Windkraftmarkt: Fest in der Hand weniger Anbieter. euwid-energie.de
Kernkraftwerke:  Gefährliche Nachlässigkeit bei Brandschutzklappen. correctiv.org
Walfang: Wiederaufnahme des kommerziellen Fang gestoppt.  zdf.de
Dieselfahrverbote: In Deutschland 1,3 Millionen Fahrzeuge betroffen. welt.de 
Ladesäulenanbieter: Chargepoint will weltweit 25 Millionen Ladestationen errichten. biz-energy.com
Carsharing: Über zehn Prozent Elektroautos in der Flotte. ecomento.de
Studie: Die Zahlungsbereitschaft der Bürger für grünen Strom würde steigen, wenn die EEG-Ermäßigungen für stromintensive Betriebe wegfielen. euractiv.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Ich finde im Jahr 2018 ist es kompletter Blödsinn, das Plastik auf den Straßen einzusammeln. Ich mache das auch manchmal, aber denke dann oft: Die Dinge, die wir wegräumen, liegen am nächsten Tag schon wieder dort. Deswegen wählen wir den gegenteiligen Ansatz. Was wäre, wenn wir unseren Plastikmüll in großem Maßstab auf die Straße werfen? In dezentralen, gut organisierten Aktionen zum Beispiel.“
Philipp Maiwald, Initiator der ByeBye Plastik Demo, es gehe dabei weniger um die Verbraucher. Das sei eine Ruhigstellungstaktik, wenn gesagt werde, Konsumenten seien verantwortlich. Klar könnten wir unser Einkaufsverhalten hinterfragen. Aber die Verantwortlichen in der Politik und die Lobbyisten der Wirtschaftszweige trügen auch Verantwortung. Und die könne man den normalen Bürgern nicht einfach überstülpen. Es sei zu spät um ausschließlich auf Umweltbildung zu setzen. …. Wir alle seien mit Kunststoff groß geworden, es vereinfache das Leben. Er sehe da eine Hassliebe und glaubt, dass wir liebevoller denken müssten. Es nütze nichts, das Plastik zu dämonisieren. Wir müssten anders recyclen, wertschätzender damit umgehen, es teilweise neu erfinden. Das muss man mitdenken, wenn man etwas entgegensetzen wolle. taz.de

„Die Digitalisierung wird meines Erachtens zunehmend Routinearbeit übernehmen und das bedeutet, die alten Rezepte, sich weiterzubilden, sind einfach nicht mehr gültig. Wenn Maschinen nicht nur minder qualifizierte Arbeiten übernehmen, sondern auch mittlere und höhere, hilft die alte Devise, dass der Mensch sich einfach besser ausbilden muss, nicht mehr weiter.“
Dennis Snower, Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW), im Zuge der Digitalisierung drohe selbst höher ausgebildeten Fachkräften der Jobverlust, wenn ihre Arbeit vorhersehbar sei. Bei sozialen Kompetenzen, der Kreativität und dem Sinn erzeugenden Zusammensein hätten Menschen aber auch künftig einen Vorsprung gegenüber Maschinen. Deshalb müssten diese Fähigkeiten ausgebaut werden. Das hätten aber die meisten Bildungs- und Ausbildungsstätten noch nicht begriffen. Dabei komme diese Welle viel schneller auf uns zu als sie sich vorstellen. Vor allem Schulen und Universitäten seien sehr individualistisch eingestellt. Jeder Student erhalte Noten, er werde für die eigenen Leistungen bewertet und Teamarbeit stehe erst an zweiter Stelle. Wenig Stellenwert habe jedoch, wie gut man sozial miteinander kommuniziere, wie hoch die Fähigkeit zum Perspektivwechsel sei und wie groß die Empathie. news4teacher.de

MEHR WISSEN

Europäische Energiepolitik fördert Waldvernichtung: Die EU will die Pariser Klimaziele einhalten und erhöht daher das Ambitionsniveau für erneuerbare Energien. In Bezug auf die Nutzung von Biomasse werden dabei allerdings falsche Signale gesetzt. Die notwendige Energiewende muss auf Vermeidung, Effizienz, solare Energie und einen gewissen Anteil an Windkraft setzen und nicht auf Biomasse aus Holz. Denn die Politik benutzt ein Argument, dass in der Realität nicht mehr stimmt. Nämlich die Annahme, dass für jeden gefällten Baum ein neuer Baum gepflanzt werde, der den verlorenen Kohlenstoff während seines Wachstums wieder aufnimmt. „Dass deutlich mehr Wälder gerodet als aufgeforstet werden und die weltweiten Waldflächen entsprechend schrumpfen, ist mit Zahlen sehr gut belegt“, sagt Tim Beringer, Wissenschaftler an der Berliner Humboldtuniversität. Selbst wenn es zur Wiederaufforstung komme, würde es Jahrzehnte bis Jahrhunderte dauern, bis der Wald die einstigen Kohlenstoffspeicher in Pflanzen und Böden wieder aufgebaut habe.
myscience.de

Referentenentwurf zur Gebäudeenergie auf dem Tisch: Der Referentenentwurf für das Gebäudeenergiegesetz soll im Herbst abgestimmt werden. Der Entwurf will die parallel laufenden Regeln aus dem Energieeinsparungsgesetz (EnEG), der Energieeinsparverordnung (EnEV) und Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zusammengeführt. Für Planer, Eigentümer und Nutzer von Gebäuden und Wohnungen ist die Komplexität der Gesetze, Verordnungen und Normen kaum noch überschaubar und häufig auch nicht nachvollziehbar. energiezukunft.eu

Schweiz: Auch wenn kein Gramm den Boden unseres Nachbarlandes berührt, die Schweiz ist eines der globalen Umschlagplätze für den Rohstoffhandel. Rund zwei Drittel aller Metalle und 40 Prozent des Getreides wird von Unternehmen wie Glencore, Nestlé, Vitol und anderen gehandelt. Doch auch die Transithandelsgeschäfte sind mit Umweltbelastungen verknüpft. tagesanzeiger.ch

Satellit gestartet: Ein neuer Klima-Satellit der US-Raumfahrtbehörde NASA soll unter anderem die Eisflächen der Erde mit einem Laser vermessen. Aachener-Nachrichten.de
Studie: Die Zahlungsbereitschaft der Bürger für grünen Strom würde steigen, wenn die EEG-Ermäßigungen für stromintensive Betriebe wegfielen. euractiv.de
Hurricane Florence: Ein Lehrstück für den Klimawandel. sueddeutsche.de
London-Marathon: Zukünftig ohne Plastik. theguardian.com

DAS LETZTE:

Noch mehr Alu:  Mehr als zwei Milliarden Portionen wurden im vergangenen Jahr konsumiert.  5.000 Tonnen Kapselmüll entstehen in Deutschland jährlich.  Nun bringt der Marktführer eine Kaffeekapsel mit noch mehr Alu heraus.  wdr.de

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