FAIReconomics Newsletter KW18 NACHRICHTEN

Internetseiten der US-Umweltbehörden: Wer Klimainformationen auf der Internetseite der US-Umweltbehörde EPA sucht, wird seit dem Freitag vor dem Wochenende nur noch wenige Informationen finden. Wegen einer Überarbeitung sind die Informationen verschwunden. Wissenschaftliche Klimadaten und Informationen über Treibhausgasemissionen findet man nicht mehr auf der Website. spiegel.de

„Mieterstrom“ aus Solaranlagen soll gefördert werden: Wenn Mieter selbst Solarstrom erzeugen, soll es eine stärkere Förderung geben. Neben den Eigentümern sollen auch die Mieter den Strom nutzen können. Die Bundesregierung will deshalb den Ausbau von Photovoltaik-Anlagen auf Dächern von Wohngebäuden vorantreiben, wenn der dort produzierte an Mieter im gleichen Wohngebäude geliefert wird. Kritiker wenden ein, dass die Versorgung eines ganzen Häuserblocks nicht vorgesehen sei. Zudem verweigere die Regierung Gewerbebetrieben die Teilhabe am Mieterstrom. Das sei besonders unsinnig, da gerade Supermärkte, Werkstätten oder Bürogebäude häufig über große Dachflächen verfügten und anliegende Gewerbetreibende gut mit sauberem Solarstrom versorgen könnten. handelsblatt.com , bundestagsfraktion-gruene.de

Rund 1,5 Milliarden Euro wird die Einführung eines Tierwohllabels pro Jahr kosten. Das zumindest haben die stellvertretende Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Gitta Connemann, und der agrarpolitische Sprecher Franz-Josef Holzenkamp, errechnet. Sie wollen die Finanzierung des staatlichen Tierwohllabels von Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt verbindlich geklärt sehen. Diese Mehrkosten seien am Markt nicht zu erzielen. Daher benötigten die Landwirte ein verbindliches Finanzierungskonzept, wenn sie sich mehrheitlich beteiligen sollen, glauben die beiden Politiker. Das Landwirtschaftsministerium hat etwa 70 Millionen Euro pro Jahr für die Einführung und Bewerbung des Labels eingeplant. topagar.com

Entwicklungspolitischer Bericht verabschiedet: Im Mittelpunkt stehen die Minderung von Fluchtursachen und die Hungerbekämpfung. Außerdem sollen die Entwicklungsländer stärker gegen den Klimawandel gerüstet werden. Insgesamt stehen für die deutsche Entwicklungspolitik rund 8,5 Milliarden Euro in diesem Jahr zur Verfügung. Bundesentwicklungsminister Gerd Müller, CSU,  fordert den Magreb-Staaten und Ägypten den Export von Zitrusfrüchten ein voller und zollfreier Zugang zum EU-Binnenmarkt zu gewähren.  Es sei widersinnig, ihnen diese Handelserleichterung zu verwehren und gleichzeitig Beschäftigungsprogramme in diesen Ländern zu finanzieren. dw.com, taz.de

Keine Haftung: Die Bundesrepublik ist von alten Atomkraftwerken umgeben, bei dem ein Störfall auftreten könnte. Bei einem schweren Unfall würden die Betroffenen auf ihren Schäden sitzen bleiben. Beispielsweise würden die Geschädigten bei einem Unfall des Atomkraftwerks Tihange in der Nähe von Aachen lediglich ein Prozent ihres Schadens ersetzt bekommen. Zudem hätten die Betroffenen keinen Anspruch gegen den deutschen Staat. tagesschau.de


Kanzlerin Merkel fordert beim Stromnetzausbau Fortschritte: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat festgestellt, dass Deutschland beim Netzausbau hinterherhinke und mahnte deutliche Fortschritte beim Stromnetzausbau für die Energiewende an. Nötig sei dafür auch eine gesellschaftliche Debatte. handelsblatt.com

Einschränkung bei Naturschutzgebieten: US-Präsident Donald Trump hat eine Untersuchung mit dem Ziel angeordnet, einen Teil der Naturschutzgebiete der USA zu verkleinern und das Land damit wirtschaftlich nutzbar zu machen. Bei jenen sogenannten National Monuments, die sich über mehr als 40 000 Hektar erstrecken, soll geprüft werden, ob ein Teil des Landes vom Schutz ausgenommen werden kann. National Monuments können vom Präsidenten unter Schutz gestellt werden. Barack Obama hatte unter anderem große Meeresgebiete unter Schutz stellen lassen. Dies hatte Einfluss vor allem auf Fischfang und Ölförderung. Auch Leonardo di Caprio befand sich unter den Protestierern.  gala.de (di Caprio),   zeit.de (Proteste)

Buchtipp der Woche: „Die Welt neu bewerten“, von Alexander Dill. Mit seinem Streifzug durch zahlreiche Kulturen und Länder zeigt der Autor, wie verzerrt, ja manipulierend die international führenden Kennzahlen wie das BIP – aber auch Alternativen, wie der Human Development Index – die Länder der Welt und ihre jeweilige Kreditwürdigkeit bisher eingeschätzt haben. Bevorzugt wurden und werden dabei stets die finanzstarken Staaten und Regionen, während die Länder des Globalen Südens oftmals leer ausgehen. Würde man jedoch Kriterien wie Vertrauen, Solidarität, Sozialklima und Hilfsbereitschaft als Maß für die Kreditwürdigkeit einer Gesellschaft anlegen, sähen die Rankings ganz anders aus. Viele Länder könnten der Armutsfalle entfliehen, könnten wir uns zu einer Neubewertung der Welt nach sozialen Kriterien verständigen. Ein großartiges Plädoyer, das das Potential hat, zahlreiche Krisen und Konflikte zu überwinden. oekom.de

Warentransport mit Frachtensegler: Nachhaltiger Transport für nachhaltige Waren. deutschlandfunk.de
Sozialwissenschaften: In deutschsprachigen Ländern spielt die sozialwissenschaftliche Klimaforschung eine geringe Rolle. klimafakten.de
Strompreisspiegel 2017: Das Bundesumweltministerium hat den aktuellen Strompreisspiegel veröffentlicht. handelsblatt.com
Umfrage: Diesel-Fahrer denken über Umstieg nach. bild.de
Daimler: Preissenkung bei e-Autos angekündigt. kleinezeitung.at
Grüne Umweltminister: Wollen Kohleausstieg beschleunigen.  klimaretter.info

WÖRTLICH GENOMMEN

„Wir versuchen unseren heutigen Begriff von Arbeit künstlich aufrechtzuerhalten. Wir müssen Arbeit neu definieren. Momentan gilt nur bezahlte, außerfamiliäre Erwerbsarbeit als Arbeit und alles andere zählt nicht wirklich. Das wird für die Zukunft nicht funktionieren. Wir denken immer noch, dass unser Ziel die Vollbeschäftigung wie in den Fünfzigern sein muss. Dahin können wir mit dem derzeitigen Arbeitsbegriff aber nicht zurückkehren.“
Wolfgang Mazal, Arbeits- und Sozialrechtler an der Universität Wien, in Zukunft werde man nach wie vor viel Arbeit haben. Man müsse umdenken, was Arbeit sei. Wenn es in Zukunft um Arbeit gehe, werden wir wieder Familien- und Kulturarbeit als Arbeit definieren müssen. Man werde künftig beispielsweise viele Menschen für die Betreuung von Kindern und die Unterstützung von Familien, in Schulen und von älteren Menschen brauchen. Die „Care-Work“, die momentan vielfach unbezahlt von Frauen geleistet wird, müsse als bezahlte Arbeit ausgestaltet werden. Wir sollten zeigen, dass sie uns viel wert sei, indem wir entsprechende Löhne ermöglichen. tt.com

„Vor allem der Ausstieg aus der alten, emissionsintensiven Technik – zum Beispiel veraltetete Kohlekraftwerke oder Verbrennungsmotoren – ist mit Tabus behaftet. Die weitgehende Unwilligkeit der Politik, ihn umfassend aktiv zu gestalten, führt inzwischen dazu, dass sich im Diskurs bestimmte Geschichten verselbstständigen. So werden zum Beispiel alle Herausforderungen der Energiewende auf die Kohlekraftwerke projiziert.“

Felix Mathes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik am Öko-Institut in Berlin, ein ehrgeiziger und umfassender Plan für den Kohleausstieg sei wichtig und dringend notwendig. Mathes fragt, ob die  Kohlekraftwerke wirklich der zentrale Grund dafür seien, dass die Schere zwischen den Vergütungen für erneuerbare Energien und den Börsenpreisen für Strom – und damit die EEG-Umlage – so groß geworden sind. Viele Studien kämen zu dem Ergebnis, dass selbst ein relativ zügiges Auslaufen der Kohleverstromung nur zu geringen Preiseffekten auf den Strommärkten führen würden. domain

MEHR WISSEN

Dringender Handlungsbedarf: Die Welttourismusorganisation UNWTO muss dringend reformiert werden. Fragwürdige Grußadresen an afrikanische Potentaten und die Vernachlässigung der Social Development Goals (SDGs) erfordern Handlungsbedarf. Am 12. Mai soll eine neue Spitze gewählt werden. Bei den Kandidaten gibt es eine Mischung  aus „weiter so“ und echten Reformbemühungen. fair-ecomomics.de

Wasserstoffantriebe: In Los Angeles experimentiert der japanische Autobauer Toyota an einem „Project Portal“ Lkw. Ein Monstertruck, mit 36 Tonnen Gewicht, der mit Wasserstoff betrieben eine Reichweite von 320 Kilometer haben soll. Der LKW soll zukünftig Güter emissionsfrei transportieren. manager-magazin.de

Mücken und Klimawandel: Klimawandel und die Ausbreitung von Krankheiten können sich bedingen. Auch in industrialisierten Ländern treten plötzliche bislang unbekannte Krankheiten auf. Auch wenn nicht überall der Klimawandel zur Verbreitung beiträgt, gibt es signifikante Hinweise darauf. Nun haben Forscher der Universität Texas Zikamückeninfektionen in Dallas/USA verfolgt und eine erstaunliche Entdeckung gemacht. Die Infektionen traten besonders dort auf, wo durch die Finanzkrise Häuser leer standen. In Swimming Pools oder Pfützen auf den Grundstücken bildeten sich ideale Bedingungen für die Mücken. Und: Anders als in anderen Jahren gab es in Dallas  kaum Frostnächte im Winter, sehr viel Regen und einen sehr warmen Frühling. nytimes.com

Entwicklungsminister Müller: Nur noch „fair gehandelter“ Kaffee in deutschen Amtsstuben.  berliner-kurier.de
Biotechnologie: Künstliche Herstellung von Seide ermöglicht neue Perspektiven für deutsche Textilindustrie. faz.net
Bewusstes Leben: Nachhaltigkeit kann man kreativ umsetzen. Best practice Beispiele aus der Hauptstadt. morgenpost.de

KALENDER

16.5.2017  8:00 – 9:30 Uhr, Berlin, Deutscher Bundestag  Fachgespräch zum Thema Digitale Mündigkeit. fair-economics.de

DAS LETZTE:

Iron Man- der fliegende Mann: Einen sogenannten Daedalus Anzug hat der Engländer Richard Browning  jetzt in Vancouver vorgestellt. Der Anzug ist mit sechs Düsentriebwerken bestückt. Zur Zeit kann man mit dem Ding bis zu zehn Minuten fliegen.  bbc.com

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