In der Fussballbundesliga werden pro Saison immer noch 9 Millionen Plastikeinwegbecher verbraucht. (Foto: pixabay.com)

Wenn in Berlin am Wochenende im Pokalendspiel Leipzig auf München trifft, dann sind neun Millionen Plastikbecher in der Bundesliga – Saison 2018/19 verbraucht worden.

Borussia Dortmund, Schalke 04, Hamburger SV und der 1. FC Köln verursachten den meisten Einwegbechermüll in der Saison 2018/19 – Der Umstieg auf Mehrwegbecher bei Bayern München verringerte den Abfallberg der Bundesliga um 1,4 Millionen Einweg-Plastikbecher – Deutsche Umwelthilfe warnt vor Greenwashing mit biologisch abbaubaren Einwegbechern – DFL-Chef Christian Seifert sollte Umweltschutzleitlinien für den Bundesligaspielbetrieb beschließen und Borussia Dortmund den angekündigten Umstieg auf Mehrwegbecher umsetzen.

Ein Müllberg von mehr als neun Millionen Einweg-Plastikbechern sammelte sich in der Saison 2018/19 in den Arenen der ersten und zweiten Fußball-Bundesliga an. Dies ist das Ergebnis aktueller Berechnungen der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Durch den massenhaften Einsatz von Einwegplastikbechern werden Ressourcen verschwendet, das Klima belastet und die Umwelt zugemüllt. Für die neue Saison fordert die DUH von allen Bundesligisten den Einsatz von Mehrwegbechern. Der Verband der Bundesligaprofivereine, die Deutsche Fußball Liga (DFL), sollte zudem umgehend Umweltleitlinien für den Bundesligaspielbetrieb erarbeiten und verabschieden, die auch den Einsatz von Mehrwegbechern vorsehen. Wiederverwendbare Becher sind der beste Weg, um Abfälle zu vermeiden sowie Ressourcen und CO2-Emissionen einzusparen.

Den mit Abstand größten Müllberg von mehr als eineinhalb Millionen Plastikbechern verursachte Borussia Dortmund. Allein die vier Vereine Borussia Dortmund, Schalke 04, Hamburger SV und der FC Köln sind für die Hälfte aller verbrauchten Plastikbecher in der ersten und zweiten Liga verantwortlich. Diese Vereine tragen somit eine besonders große Verantwortung.

Im Vergleich zur letzten Saison 2017/18 sanken die Einwegbecherzahlen in der aktuellen Spielzeit erstmals seit vielen Jahren um 2,3 Millionen. Allein der Umstieg des aktuellen Meisters Bayern München auf ein Mehrwegsystem zu Beginn dieser Saison verringerte den Becherverbrauch um 1,4 Millionen. Ein wichtiger Erfolg für die Umwelt und auch die Arbeit der DUH. Andere Vereine sollten folgen und auf Mehrweg umsteigen, denn insgesamt ist der Verbrauch von Einwegbechern in Fußballstadien mit mehr als neun Millionen noch immer viel zu hoch.

„Während die EU endgültig eine Richtlinie verabschiedet hat, um unökologisches Einweg-Plastikgeschirr zu verbieten, fallen in deutschen Stadien immer noch Unmengen an Einwegbechern an. Dass auch die Fans Mehrwegbecher und Umweltschutz wollen, zeigen die Petitionen an Borussia Dortmund und den VfL Osnabrück mit zusammen mehr als 100.000 Unterstützern eindrucksvoll. Für unnötige Abfallberge gibt es keine Akzeptanz mehr und deshalb sollten alle Bundesligavereine schnellstmöglich umstellen und auf Mehrweg setzen“, fordert die Stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz.

Die bisherige Zurückhaltung des Fußballverbands DFL bei den Themen Abfallvermeidung und Umweltschutz ist für die DUH nicht länger hinnehmbar. „Umweltschutz muss ebenso ein selbstverständlicher Bestandteil der Arbeit der DFL werden, wie die Verhandlung von Fernsehgeldern“, sagt Metz.

„Borussia Dortmund war hoffentlich zum letzten Mal Negativspitzenreiter beim Anfall von Plastikbechermüll in der Bundesliga. Mehr als 1,5 Millionen Einwegbecher kamen in dieser Saison im Signal-Iduna-Park zusammen. Wir nehmen den Dortmunder Geschäftsführer Carsten Cramer beim Wort, als er im Juni 2018 im Gespräch mit der DUH und dem Initiator einer erfolgreichen BVB-Mehrwegpetition Nick Heubeck einen Umstieg auf Mehrwegbecher zusicherte. Das ist nun ein Jahr her und die Umsetzung muss jetzt auch erfolgen“, sagt der DUH-Leiter für Kreislaufwirtschaft Thomas Fischer.

Fischer warnt vor dem Einsatz angeblich umweltfreundlicher Einwegbecher aus dem Biokunststoff Polymilchsäure: „Der Einsatz von Bioplastikbechern ist reines Greenwashing und hat mit Umweltschutz nichts zu tun. Der Anbau und die Verarbeitung von Pflanzen für Biokunststoffbecher belasten Gewässer und Böden. Die Kompostierung der Becher ergibt keinen Sinn, weil weder Nährstoffe entstehen, noch Bodensubstrat aufgebaut wird. Deshalb landen die Einwegbecher in der Verbrennung und wertvolle Rohstoffe gehen für immer verloren.“

Beim Ausschank von Getränken in Stadien spielen neben der Umweltfreundlichkeit auch Sicherheitsaspekte eine wichtige Rolle. Inzwischen werden erfolgreich sicherheitsoptimierte Mehrwegbecher eingesetzt, die leichter als bisherige Modelle sind, über abgerundete Kanten verfügen und am Boden abgeschrägt sind, sodass sie sich im Falle eines Wurfes in Sekundenschnelle entleeren. Mehrwegbecher sind also eine sichere Sache.



                                                                                                
                                                                                            
Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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