von Dr. Nicolai C. Striewe MRICS, Taurus Investment Holdings

Wir befinden uns am Anfang eines neuen Zeitalters, so der Zukunftsforscher und US-Ökonom Jeremy Rifkin. Er definiert die Nutzung erneuerbarer Energien, die dezentrale Energieerzeugung, den Einsatz von Energiespeichertechnologien, die Digitalisierung der Energienetze und die Infrastruktur für Elektromobilität als die wichtigsten Säulen der Energiewende.

Wer als Projektentwickler ganze Quartiere plant, sollte sich mit den Themen „erneuerbare Energien“ und „dezentrale Energieerzeugung“ auseinandersetzen. Denn vieles ist längst keine Zukunftsmusik mehr, sondern kann bereits umgesetzt werden. Nachweis hierfür ist unser Projekt „Whisper Valley“ in Austin, Texas, wo ein energieautarkes Quartier mit 7.500 Ein- und Mehrfamilienhäusern sowie Einzelhandel und Bürogebäuden auf 186.000 Quadratmetern entsteht. Herzstück des Programms ist ein thermoenergetisches Versorgungssystem, das bereits bei Entstehung einer neuen Siedlung installiert wird und die Erdwärme in jedes Haus verteilt. Dieses System wird um eine energieeffiziente Warmwasseranlage, eine Solaranlage sowie weitere innovative Komponenten wie LED-Lichttechnik, intelligente Energiezähler (Smart Meter-Technologie) und energiesparende Haushaltsgeräte ergänzt. Mit Hilfe dieser Technologien gelingt ein energieautarkes Passivhaus: Ein Eigenheim, das genauso viel Strom erzeugt wie es verbraucht.

EcoSmart

Dieses integrierte System namens „EcoSmart“ wird erstmals im Whisper Valley in allen Häusern und kommerziellen Flächen umgesetzt. Zur Entwicklung des Energieversorgungskonzepts hat der Investor mit führenden deutschen Technologiepartnern wie Bosch, BASF und Rehau zusammengearbeitet. Rehau entwickelte eine Kombination aus individuellem und zentralisiertem Thermokreislauf, Bosch die Erdwärmepumpen und BASF energieeffiziente Fertigwandteile. Auch US-amerikanische Technologiekonzerne bringen ihre Expertise ein.

Funktionsgarantie

Den künftigen Eigentümern dieser Passivhäuser werden Funktionsgarantien über einen Zeitraum von bis zu 25 Jahren gewährt. Dabei kostet das gesamte Eco-Smart-System den Hauseigentümer keinen Cent im Voraus. Sämtliche Vorabkosten für das System werden im Rahmen eines langfristigen Finanzierungsprogramms getragen. Die Mehrkosten für die komplette Haustechnik sowie die thermoenergetische Versorgung zahlen die Kunden über einen Monatsbetrag von umgerechnet 125 bis 150 Euro inklusive Wartung. Dem stehen monatliche Einsparungen von 150 bis 250 Euro gegenüber: Die monatliche Energiegebühr ist demnach geringer als die eingesparten Kosten beim Energieverbrauch. Zudem ist die Energiegebühr im Gegensatz zu den Strompreisen festgelegt. Der Hauseigentümer ist damit gegen steigende Strompreise langfristig abgesichert.

Was im Whisper Valley geschieht, ist erst der Anfang. Was heute innovativ erscheint, wird in Zukunft Standard sein. Projektentwickler müssen mit der Zeit gehen und heute die Trends von morgen erahnen. Ein Beispiel: Noch ist die Energie-Speichertechnologie nicht so weit, dass Energieüberschüsse effizient in Batterien gespeichert werden können. Sobald sich die Technik verbessert, werden Batterien zur Pflichtausstattung von Passivhäusern gehören. Auch mit dem Aufbau eines Netzes an Lademöglichkeiten werden sich Projektentwickler beschäftigen müssen, sobald Elektroautos den Markt mehr und mehr durchdrungen haben.

Wie Austin steht weltweit jede prosperierende Stadt vor der Herausforderung, den CO2-Ausstoß zu reduzieren und Smart-City-Konzepte umzusetzen. Insbesondere bei Quartiersentwicklungen müssen Projektentwickler einen technologischen und ökologischen Beitrag leisten.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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