Um die Rohstoff – Versorgung für die Elektromobilität zu sichern, sind Initiativen von Politik und Wirtschaft nötig.
Die Sicherung der Rohstoffversorgung für die Elektromobilität bedarf erhöhter Aufmerksamkeit von Politik und Wirtschaft, soll der Erfolg der Elektromobilität nicht durch temporäre Versorgungsengpässe oder durch Umwelt- und Sozialprobleme entlang der Wertschöpfungsketten behindert werden. Das geht aus einer Studie des Öko-Instituts im Auftrag des Berliner Think Tank Agora Verkehrswende hervor. Zwar gebe es genug Rohstoffe, um die Nachfrage auch bei einem global schnellen Wachstum der Elektromobilität zu decken. Dennoch empfehlen die Gutachter unter anderem ein „Rohstoffradar“ sowie eine „Forschungsinitiative Batterietechnologien“ mit dem Ziel, die Materialeffizienz zu steigern und besonders kritische Rohstoffe ersetzen zu können.
[blockquote pull=““ align=““ attributed_to=“Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende“ attributed_to_url=“{{attributed_to_url}}“]„Die Rohstoffsicherung ist kein Showstopper für die Elektromobilität, aber sie darf auch nicht auf die leichte Schulter genommen werden“[/blockquote]

e-Mobility als Schlüsseltechnologie

Die Elektromobilität gilt als Schlüsseltechnologie für die Energiewende im Verkehr, denn elektrisch betriebene Fahrzeuge sind höchst effizient und können mit zusätzlichem Strom aus Sonne und Wind perspektivisch klimaneutral betrieben werden. So werden über die Verbreitung der Elektromobilität fossile Kraftstoffe ersetzt und Erdölimporte gesenkt und schließlich überflüssig.  Die Batterieherstellung erfordert allerdings eine Reihe von Rohstoffen, die bisher weltweit für den Automobilbau keine große Rolle spielen. Dazu gehören unter anderem Lithium, Kobalt und Graphit. Mit dem weltweiten Markthochlauf der Elektromobilität wird die Nachfrage nach diesen Rohstoffen signifikant steigen. Soll die Erderwärmung auf maximal 2 Grad im Vergleich zur vorindustriellen Zeit begrenzt werden, steigt der vor allem für batterieelektrische Pkw notwendige Rohstoffbedarf gegenüber der heutigen Nachfrage aller Sektoren zum Teil um das Fünfzehnfache.
Obwohl die Reserven, und erst recht die Ressourcen, aller untersuchten Rohstoffe ausreichend sind, um auch eine stark wachsende Nachfrage zu decken, werden in der Agora-Studie Initiativen mit dem Ziel empfohlen, vorübergehende Versorgungsengpässe oder Preissprünge zu vermeiden.
Weiterentwicklung der europäischen Batterierichtlinie
Dringend erforderlich ist die Weiterentwicklung der europäischen Batterierichtlinie, die pauschale Recyclingquoten für bestimmte Batterietypen vorschreibt. Bisher adressiert sie Batterien aus der Elektromobilität nicht angemessen. Notwendig sind hier zukünftig rohstoffspezifische Recyclingquoten für strategische Schlüsselrohstoffe. Darüber hinaus ist der Aufbau eines weltweiten Recyclingsystems für Lithium-Ionen-Batterien zu forcieren. Die Forderung nach einer Forschungsinitiative zu zukünftigen Batterietechnologien und ein regelmäßiges Monitoring des durch die Elektromobilität verursachten Rohstoffbedarfs runden die Empfehlungen der Expertise ab.
[blockquote pull=““ align=““ attributed_to=“Dr. Matthias Buchert, Leiter des Bereichs Ressourcen & Mobilität des Öko-Institut“ attributed_to_url=“{{attributed_to_url}}“]„Um vor unliebsamen Überraschungen gewappnet zu sein sollten wir wo immer es geht die Nachfrage nach Primärrohstoffen dämpfen“[/blockquote]
Für den Erfolg der Elektromobilität ist allerdings nicht nur die Versorgung mit Rohstoffen entscheidend. Es sind auch Umwelt- und Sozialstandards entlang der gesamten Wertschöpfungskette zu entwickeln und deren Einhaltung sicherzustellen. Die Agora-Studie empfiehlt deshalb eine globale Initiative zum Einsatz von nachhaltig gewonnenem Lithium aus Primärförderung, die von einer Industrieallianz ins Leben gerufen werden sollte. Darüber hinaus ist der Wissenstransfer zwischen Import- und Produktionsländern zu fördern und auszubauen. Ziel solcher Rohstoff-Partnerschaften ist es, Nachhaltigkeitskriterien im Bergbau zu etablieren.

Kongo

Eine besondere Herausforderung stellt die Förderung von Kobalt in der Demokratischen Republik Kongo dar. Dort wird rund die Hälfte der globalen Kobaltmengen gefördert, zum Teil von Kleinstunternehmen unter problematischen Umwelt- und Sozialbedingungen. Um das zu ändern und um Nachhaltigkeitsstandards auch für diesen Rohstoff zu etablieren empfiehlt die Studie die verbindliche Einführung einer unternehmerischen Sorgfaltspflicht (due diligence) entlang der Lieferkette, wie sie bereits für so genannte Konfliktmineralien existiert, zum Beispiel Zinn, Wolfram und Gold. „Ambitionierte Umwelt- und Sozialstandards sind eine wesentliche Voraussetzung für die wachsende Akzeptanz der Elektromobilität – vor allem weil sie als zentrale Umwelt- und Klimatechnologie glaubhaft sein muss“, so Hochfeld.
Die Studie mit dem Titel „Strategien für die nachhaltige Rohstoffversorgung der Elektromobilität“ steht unter www.agora-verkehrswende.de kostenfrei zum Download zur Verfügung.