Georg Schürmann ist Geschäftsleiter der Triodos Bank. Im FAIReconomics Gespräch spricht er über nachhaltige Geldanlagen und die Aufgaben einer Nachhaltigkeitsbank

Die Triodos Bank ist eine Bank für Nachhaltigkeit mit Stammsitz in den Niederlanden.  Schon Ende der sechziger Jahre dachte eine  kleine Gruppe sozial engagierter Menschen aus der Wirtschafts- und Finanzwelt der Niederlande nach, wie Geld nachhaltig verwaltet werden könnte.

Die Gruppe – das waren damals Adriaan Deking Dura (Wirtschaftswissenschaftler), Dieter Brüll (Professor für Steuerrecht), Lex Bos (Unternehmensberater) und Rudolf Mees (Banker) entwerfen gemeinsam ein Konzept positiver, direkter Investitionen. Drei Jahre später wird die Triodos Stiftung in den Niederlanden gegründet, es dauert jedoch noch bis 1980, dass die Triodos Bank in den Niederlanden ihre Pforten öffnet. Seit 2005 ist man auch in Deutschland tätig. Mit dem Chef der deutschen Triodos Bank, Georg Schürmann, sprach FAIReconomics über sinnhafte Geldanlagen und dem Ausstieg aus Investments bei fossilen Energien.

Herr Schürmann, der Begriff Nachhaltigkeit gilt inzwischen als Modewort, auch bei anderen Geldhäusern hört und liest man von nachhaltigen Geldanlagen, wo ist der Unterschied zwischen denen und dem Haus, das Sie vertreten?

Die Triodos Bank ist Europas führende Nachhaltigkeitsbank. Das bedeutet, dass wir Banking in seiner ursprünglichen Form betreiben, in dem wir das Geld unserer Kunden als Kredite in die Realwirtschaft investieren und so den positiven Wandel der Gesellschaft finanzieren – und dies mit größtmöglicher Transparenz.  Dies heißt, dass wir  ausschließlich ökologisch und sozial nachhaltig ausgerichtete Unternehmen und Projekte aus den Bereichen Umwelt, Soziales und Kultur finanzieren. Die Kunden sehen die Kredite auf unserer Website und können sich sicher sein, dass mit ihrem Geld keine Spekulationsgeschäfte gefördert werden.

Mit unserem Ansatz, der eine Balance von Mensch, Umwelt und Wirtschaft anstrebt, wollen wir über eine längere Sicht eine positive Rendite erzielen. Nachhaltigkeit ist daher seit der Gründung im Kerngeschäft verankert und stellt den zentralen Teil der Mission und Werte der Bank dar. Anders als bei anderen Unternehmen, gibt es keine CSR-Abteilung oder -Projekte, da das Kerngeschäft der Bank und ihre Leistungen insgesamt darauf ausgerichtet sind.

Wer sind Ihre Kreditnehmer? Und welche besonderen Kriterien werden an die Kreditnehmer gelegt?

Unser Kerngeschäft ist die Kreditvergabe an Unternehmen und Organisationen in den Sektoren Soziales, Kultur und Umwelt. In Deutschland konzentrieren wir uns auf Projekte aus den Sektoren Erneuerbare Energien, Altenpflege, nachhaltige Immobilien und Bildung. Bei der Bewertung von Kreditanfragen, vergewissern wir uns im ersten Schritt, ob das Projekt auch zur Triodos Bank passt bevor wir die Wirtschaftlichkeit eines Projektes prüfen. Dazu gehören die praktische und wirtschaftliche Erfahrung der beteiligten Personen und ihre Beweggründe für den Kreditantrag. Außerdem stellen wir sicher, dass die ausgewählten Projekte keinerlei negativen Einfluss auf Mensch und Umwelt haben und vergeben Kredite ausschließlich zweckgebunden, beispielsweise für die Finanzierung eines Gebäudes, eines Windparks oder für Betriebsmittel.

Unsere Kriterien für die Kreditvergabe gehören zum Kern unseres Bankgeschäfts, welches die Spareinlagen der Kunden mit den Krediten an nachhaltige Unternehmen verbindet, die einen klaren sowie direkten sozialen, ökologischen und/oder kulturellen Einfluss haben. Diese Kriterien sind insbesondere von Relevanz für jene Kunden, die mit ihrem Geld so nachhaltig wie möglich investieren wollen.

Nachhaltigkeit bedeutet auch der Ausstieg aus fossilen Energieträgern, haben Sie das konsequent realisiert?

Branchen wie Atomkraft, Rüstung, Gentechnik und eben auch fossile Energien werden von uns definitiv nicht finanziert. Im Bereich unserer Investment-Fonds haben wir zusätzlich sehr strikte Ausschlusskriterien, die ebenfalls veröffentlicht sind und sehr genau aufführen, dass wir nicht in Bereiche wie Atomenergie, Kohle sowie Erdöl investieren. Für die nachhaltige Anlagestrategie unserer Fonds wurden wir mehrfach mit Bestnoten ausgezeichnet, z.B. von Ökotest und dem FNG-Siegel des Forums für nachhaltige Geldanlage.

Wir begrüßen den aktuellen Trend, dass auch andere Investmentgesellschaften und Versicherungen ein deutliches Divestment in dem Bereich fossile Energien vornehmen.

Ein Schwerpunkt Ihrer Finanzierung ist die Finanzierung von Bildungseinrichtungen, aber hier fördern Sie wohl hauptsächlich die Immobilien und nicht die „Software“?

Ja, es ist richtig, dass wir in der Regel  Immobilieninvestitionen von Bildungseinrichtungen – insbesondere Schulen – finanzieren. Hierbei betrachten wir natürlich auch die „Software“, da neben dem Bildungskonzept die Fähigkeit Schüler und Lehrer für die Schule zu begeistern, zentral für die wirtschaftliche Entwicklung ist. Ganz aktuell haben wir zum Beispiel die Alanus Hochschule als neuen Kreditpartner gewonnen. Gegenstand der Finanzierung war der Kauf des Grundstücks, auf dem auch bereits der Standort Campus II der Hochschule steht, durch die Alanus Stiftung. Die Stiftung, als Gesellschafterin der Hochschule, erwarb das Grundstück von der Darmstädter Software AG –Stiftung, dem Hauptförderer der Hochschule.

Sie finanzieren auch Erneuerbare Energien. Das EEG und die Entwicklung auf dem Strommarkt lässt die Erneuerbaren kaum noch auskömmlich erscheinen. Wie lange wird eine Finanzierung dieses Sektors überhaupt noch möglich sein?

In der Tat hat die Bundesregierung mit dem neuen EEG 2017 den Wachstumsschub aus dem Bereich der erneuerbaren Energien, insbesondere der Windenergie an Land, herausgenommen. Dies wird damit begründet, dass die vereinbarte Zielerreichung (45% unseres Stroms aus erneuerbaren Energien bis zum Jahr 2025) beim derzeitigen Zubau übertroffen würde. Dennoch heißt das nicht, dass die Förderung der erneuerbaren Energien damit komplett beendet wird. Wir rechnen langfristig weiterhin mit einem Zubau der erneuerbaren Energien, auch wenn der Zubau momentan tatsächlich etwas verlangsamt wird.

Sie haben jüngst eine Niederlassung in Berlin gegründet, was haben Sie an diesem Standort vor?

Die Hauptstadt und ihre Umgebung ist eine der wichtigsten Regionen für die Triodos Bank in Deutschland. Mit dem neuen Berliner Büros wollen wir unser Engagement vor Ort verstärken und näher an unseren Kunden sein. Zunächst mit einem Fokus auf der Finanzierung von nachhaltigen Immobilien. Unter Nachhaltigkeit verstehen wir dabei nicht nur die Aspekte der Energieeffizienz und Materialauswahl, sondern gehen viel weiter. Wir verfolgen bei der Finanzierung nachhaltiger Immobilien einen ganzheitlichen Ansatz. Bei den von uns finanzierten Gebäuden ist neben dem ökologischen Mehrwert auch das Nutzungskonzept ein zentraler Faktor. Die Objekte sollen ebenfalls einen Zugewinn an Lebensqualität mit sich bringen.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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