Diverse Studien belegen, dass die Deutschen immer älter werden. Gleichzeitig steigen „Zivilisationskrankheiten“ wie Diabetes oder Fettleibigkeit. Für die Versicherungsbranche bedeutet dies erhöhte Kosten für die Gesundheitsversorgung. Die Generali-Gruppe setzt zukünftig auf die freiwillige elektronische Kontrolle von Fitness, Ernährung und Lebensstil.

App kann Lebensstil überwachen

Kunden des Versicherers könnten Gutscheine und Rabatte bei Prämien gewährt werden, wenn sie gesund leben. Dazu übermitteln sie der Generali über eine App regelmäßig Daten zum Lebensstil. Dabei setzt der Versicherer auf die Devise, wer gesund lebt, kostet weniger. Im Gegenzug gibt es dann Vergünstigungen. Ob diese App jedoch Datenschutzkriterien genügt ist fraglich.

Masse der Menschen lebt nicht gesund

Die Idee erscheint einfach. Die Menschen bräuchten einfach nur Anreize zum gesunden Leben. Leider sieht die Realität anders aus. Dort gibt es nur eine relativ kleine Gruppe von Fitnessbegeisterten. Die Masse der Menschen dürfte jedoch zu bequem sein. Für Versicherungskonzerne sind Fitnessbegeisterte die idealen Kunden. Die Selbstoptimierer lassen sich sogar freiwillig kontrollieren, damit sie ihr Ziel auch wirklich erreichen: ein besseres Ich.

Generali kooperiert mit südafrikanischen Versicherer Discovery

Für das sogenannte Telemonitoring kooperiert Generali mit dem südafrikanischen Versicherer Discovery. Discovery hat das Gesundheitsprogramm Vitality entwickelt, das Kunden mit Gutscheinen, Geschenken und Rabatten belohnt, wenn sie sich nur gesund verhalten.

Verbraucher können sich bewusst für das Modell entscheiden

Verbraucher, die sich für eine Lebens- oder Krankenversicherung nach dem neuen Modell entscheiden, müssen Generali regelmäßig Daten zu ihrem Lebensstil übermitteln. Die App dokumentiert Vorsorgetermine, zählt Schritte oder misst sportliche Aktivitäten. Auch gesunde Ernährung gehört zum Paket. In der ersten Stufe bekommen gesundheitsbewusste Versicherte Gutscheine für Reisen und das Fitnessstudio. Im nächsten Schritt sind Prämiennachlässe beim Versicherungsschutz möglich. Die neuen Angebote sollen in den nächsten zwölf bis 18 Monaten auch in Deutschland erhältlich sein.

Weitere Maßnahmen geplant

Generali macht damit einen großen Schritt, um die persönlichen Daten von Kunden zu nutzen. Seit einiger Zeit gibt es dafür das Schlagwort „Big Data“. In diese Kategorie fallen auch Versuche von Versicherern, Daten über das Verhalten von Autofahrern mithilfe kleiner Sender im Wagen – den Black Boxes – zu sammeln und in ein Punktesystem für die Preisfindung umzuwandeln. In Deutschland ist die Resonanz bislang schwach, in Italien und Großbritannien sehr hoch.

Auch andere Versicherer entwerfen digitale Tarife

Nicht nur Generali sondern auch die Allianz, Axa und andere Versicherer arbeiten an solchen Projekten. Alle Unternehmen betonen, dass sie nur Daten verwenden, die Versicherte ihnen freiwillig geben. Allerdings wollen die Gesellschaften ihre Klientel so genau wie möglich kennenlernen, um ihr einen individuellen Tarif anzubieten.

Verbraucherschützer sind  skeptisch

Verbraucherschützer sind skeptisch. „Wenn Versicherte individuelle Informationen preisgeben müssen, um rabattierte Angebote zu erhalten, sehe ich das sehr kritisch“, sagt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Andererseits wissen die die Versicherer schon heute über ihre Kunden bescheid. Allein die Auswertung von Krankenscheinen und Rezepten könnte Aufschlüsse über deren Gesundheitszustand bringen.

Die Gefahr besteht auch darin, dass Versicherer zukünftig nur noch gesunde Menschen annehmen. Der Rest könnte in Sammelkassen aufgefangen werden, was nicht der allgemeinen Versicherungspflicht entspricht. Am Ende müssen die Kunden selbst entscheiden, ob sie solche Tarife wollen oder nicht.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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