Eine Million Elektroautos auf der Straße in den kommenden fünf Jahren – das ist das erklärte Ziel der Bundesregierung. Bundesumweltministerin Barbara Hendricks hat jetzt dieses Ziel bekräftigt, und fordert zugleich große Anstrengungen von Industrie und Politik, um es zu erreichen.

Bei der Diskussion über geeignete Maßnahmen dürfe es keine Denkverbote geben. Zur Unterstützung einer schnellen Marktdurchdringung mit Elektrofahrzeugen sei auch der zeitlich begrenzte Einsatz öffentlicher Mittel gerechtfertigt, sagte Hendricks bei einem parlamentarischen Abend der Parlamentsgruppe Elektromobilität in Berlin.

Der langfristige Nutzen werde die Kosten solcher zeitlich befristeten Anreize im Erfolgsfall deutlich übersteigen, sagte Hendricks. Zur Erreichung des 1-Million-Ziels müssten breitere Käufergruppen erreicht werden. Dies könne nur gelingen, wenn die bestehende Kostenlücke zu den konventionellen Fahrzeugen verkleinert werde. Hendricks sagte, sie könne sich vorstellen, zu diesem Zweck u.a. die Bemessungsgrundlage der Dienstwagensteuer für E-Fahrzeuge zu verringern. „Das würde sie für Dienstwagen-Nutzer deutlich attraktiver machen. Wenn wir die Dienstwagennutzer erreichen, könnte dies einen Gebrauchtwagenmarkt für Elektrofahrzeuge begünstigen.“

Reine finanzielle Anreize reichen nicht

Finanzielle Anreize alleine reichten jedoch nicht aus, so die Ministerin. „Kein wie auch immer gearteter Anreiz wird potenziellen Kundinnen und Kunden zum Beispiel die so genannte Reichweitenangst oder die Sorge vor einer Umstellung der Nutzungsgewohnheiten nehmen. Das wird nur mit offensiver Information durch die Hersteller und Verkäufer gelingen.“ Außerdem seien Erleichterungen bei der Einrichtung von Ladestationen in Mehrfamilienhäusern, etwa in Tiefgaragen, sinnvoll. „Ich werde hier den Vorschlag machen, Erleichterungen im Wohnungseigentumsrecht zu schaffen,“ sagte Hendricks.

Die derzeit hohen Kosten der Elektrofahrzeuge können vor allem mit zwei Stellschrauben reduziert werden: Zum einen durch die Realisierung von Skaleneffekten durch eine große Zahl an verkauften Fahrzeugen, zum anderen durch weitere kostenoptimierende Entwicklungsleistung. Experten gehen davon aus, dass z.B. beim Plug-In-Hybrid eine Verringerung der Zusatzkosten um 75 Prozent erzielt werden kann. Damit würde ein Benzin-Plug-In-Hybrid das Preisniveau des Diesels erreichen. Anschaffungsmehrkosten in einer solchen Größenordnung könnten bei einem großen Teil der Pkw-Nutzer durch entsprechende Einsparungen bei den Betriebskosten kompensiert werden.

In den einschlägigen Klimaschutzszenarien auf nationaler und internationaler Ebene ist ein hoher Anteil an Elektromobilität zentrale Voraussetzung zur maßgeblichen Reduzierung der CO2-Emissionen im Verkehr. Gleichzeitig kann durch Elektroantriebe der Energieverbrauch im Verkehr und die Abhängigkeit von Erdölimporten erheblich reduziert werden. Aus diesen Gründen hat die Bundesregierung im Rahmen des Aktionsprogramms Klimaschutz 2020 und des Nationalen Aktionsplans Energieeffizienz am 3. Dezember 2014 beschlossen, die Rahmenbedingungen für eine schnelle Markteinführung und das Erreichen des Ziels von 1 Mio. Elektrofahrzeuge bis 2020 zu schaffen.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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