Wo gibt es noch ruhige Flecken in Berlin?

Mit einer App und Bürgerbeteiligung bei der Erstellung einer Landkarte sollen ruhige Orte in Berlin gefunden werden: Die „Hush City App“ soll Daten sammeln und ruhige Zonen in der Stadt für alle identifizieren

Lärm, insbesondere Verkehrslärm, ist nach der Luftverschmutzung der schädlichste Umwelt-Stressfaktor in Europa. Das hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits 2011 festgestellt. In Europa sind 125 Millionen Menschen jährlich von Verkehrslärm betroffen.

Die Auswirkungen von Lärm rangieren von Schlafstörungen und Herz-Kreislaufproblemen bis zu vorzeitigen Todesfällen. Bereits 2002 wurde daher die European Environmental Noise Directive entwickelt, um in den Mitgliedsstaaten die Lärmentwicklung zu reduzieren und zu vermeiden sowie „Ruhezonen“ gezielt zu planen. Nun hat die die Wissenschaftlerin und Lärmforscherin Dr. Antonella Radicchi von der TU Berlin  eine App entwickelt, die sie einsetzt, um die Klangqualität öffentlicher Räume zu verbessern und die schädlichen Einflüsse der Lärmverschmutzung in Berlin zu reduzieren – dafür benötigt sie noch die Mithilfe vieler App-Nutzerinnen und -Nutzer.

Wissenschaft mit Beteiligung von Bürgern

„Eine Wissenschaft, die Bürgerinnen und Bürger beteiligt, ist ideal, um die komplexe Natur der klanglichen Umwelt in ihren objektiven und subjektiven Dimensionen zu verstehen“, erklärt Antonella Radicchi. „Die weite Verbreitung von Mobiltelefonen, die mit GPS ausgerüstet sind, erleichtert das umfangreiche Sammeln von Daten zu Geräuschkulissen.“ Diese Situation hat die Stadtplanungsarchitektin und Klangforscherin (soundscape researcher) Antonella Radicchi inspiriert, im Rahmen ihres von der EU im Marie-Curie-Programm geförderten Projekts „Beyond the Noise: Open Source Soundscapes”, ihre App zu entwickeln, die mithilfe möglichst vieler Nutzerinnen und Nutzer helfen soll, eine „Landkarte der Ruhe“ zu erstellen. Ihre „Hush City App“ ist inzwischen im Apple und im Google Store kostenlos downloadbar.

Antonella Radicchi ist Stipendiatin der International Post-Doc Initiative (IPODI), die im Rahmen der Initiative „Wissenschaftlerinnen an die Spitze“ an der TU Berlin entstand und hochqualifizierten Forscherinnen zwei Jahre lang Raum zur Forschung bietet.

Ruhige Orte markieren

„Mit der App können die User entweder ruhige Orte, ‚everyday quiet areas‘, in ihrer eigenen Umgebung markieren oder auch ‚everyday quiet spots‘ identifizieren, die andere User in der Nähe markiert haben“, erklärt Antonella Radicchi die Idee und Funktionsweise der App. Die App bietet die Möglichkeit, die Klänge der Umgebung aufzunehmen, sie zu messen, den Ort zu fotografieren und zusätzliche qualitative Informationen zu dem ruhigen Ort zu geben, der mit Hilfe der App erfasst wird. Die gemessenen Lärmpegel sind hinreichend genau, um die jeweilige Lärmumgebung gut zu erfassen.

Wissenschaftlich betreut wird das Projekt von Prof. Dr. Dietrich Henckel, TU-Fachgebiet Stadt- und Regionalökonomie, in Zusammenarbeit mit der Berliner Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz. Die App wurde mit zwei Software-Entwicklungsunternehmen (QUERTEX GmbH in Kooperation mit EdgeWorks Software, Ltd.) entwickelt.

„Die Hush City App ist frei verfügbar und läuft sowohl auf iOS- als auch auf Android-Geräten“, erklärt Antonella Radicchi und ergänzt: „Jeder und jede kann mitmachen und Teil dieses Citizen Science Projekts (Bürgerwissenschaft) werden. Alle können dazu beitragen, dieses weltweite Karte der Ruhe aufzubauen!“ Patricia Pätzold

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