Bei der Anschaffung von Elektroautos spielen psychologische Faktoren eine große Rolle.

Elektroautos werden günstiger, deren Reichweiten größer und die Ladestationen mehren sich allerorten. Trotzdem bleiben die Verkaufszahlen weiter unter den Erwartungen von Industrie und Politik. Eine kürzlich erschienene Publikation beleuchtet nun die NutzerInnen und Nicht-NutzerInnen von Elektroautos. Eines der Ergebnisse: Psychologische Faktoren spielen eine signifikante Rolle dabei, ob jemand auf ein Elektroauto umsteigt oder nicht.

„Die Politik setzt zahlreiche Anreize zum Umstieg, wie monetäre Förderungen beim Elektroautokauf, kostenlose Ladestationen oder eigene Parkflächen“, so Alfons Priessner. Er hat gemeinsam mit Robert Sposato und Nina Hampl (Abteilung für Nachhaltiges Energiemanagement) Daten aus der österreichweiten Studie „Erneuerbare Energien in Österreich“ zur so genannten „adoption“ von Elektroautos analysiert.

Die Befragung wurde im Oktober 2016 in Kooperation mit der WU Wien, Deloitte Österreich und Wien Energie durchgeführt. Die repräsentative Stichprobe umfasst 1.000 Österreicherinnen und Österreicher. Besonders interessant für den hiesigen Elektromobilitätsmarkt ist, dass Österreich im Jahr 2016 mit 128 Prozent die höchste Wachstumsrate und mit 1,2 Prozent den höchsten Anteil an den Fahrzeuganmeldungen in der Europäischen Union hatte.

Die Ergebnisse zeigen: 16 Prozent der Befragten gehören zu den early adopters, also zu jenen, die bereits ein Elektroauto gekauft haben oder beabsichtigen, ein solches als nächstes zu kaufen. 33 Prozent lassen sich als potential adopters zusammenfassen, die ein Interesse am Wechsel auf einen elektrischen Antrieb haben, aber noch nicht als nächstes ein solches Auto kaufen wollen.

Mehr als die Hälfte, also 51 Prozent gaben an, weiter mit einem konventionell betriebenen Fahrzeug unterwegs sein zu wollen und kein Kaufinteresse an einem Elektrofahrzeug zu haben (non-adopters). Der detaillierte Blick in die Zahlen lässt Schlüsse auf die Motive der Befragten zu, wie Robert Sposato ausführt: „Psychologische Faktoren spielen eine Rolle dabei, inwiefern jemand bereit ist, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen.“ Auffällig scheint der Faktor Individualismus: „Je individualistischer, desto weniger wahrscheinlich scheint der Elektroautokauf.“ Darüber hinaus zeichnen sich jene, die kein besonderes Interesse an Elektroautos haben, durch ein schwächer ausgeprägtes Umweltbewusstsein und auch eine gewisse ablehnende Haltung in Bezug auf Technologie allgemein aus.

„Early adopters leben im Verhältnis zu potential adopters vor allem in jenen Bundesländern, in denen die Politik Anreize zum Umstieg geschaffen hat. Im Jahr 2016, also vor der Einführung der bundesweiten Förderung, hatte es diese nur auf Länderebene gegeben“, so Nina Hampl. Dies zeigt den ForscherInnen, dass diese finanziellen Anreize auf fruchtbaren Boden fallen. Der jüngst publizierte Artikel schlägt auf Basis der Daten vier Gruppen von möglichen ElektroautonutzerInnen vor, die es in der Folge auch von Politik und Industrie differenziert anzusprechen gelte. Hier sieht die Professorin für Nachhaltiges Energiemanagement auch Handlungsbedarf bei Politik und Industrie: „Zukünftige Elektroautofahrerinnen und –fahrer sind nicht mehr stereotype Grüne mit gutem Einkommen. Es sind vielmehr Individuen mit diversen sozio-demographischen und psychologischen Profilen. Viele der potenziellen ElektroautokäuferInnen besitzen oder brauchen momentan gar kein Auto.“

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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