Die Kakaoplantagen in Ghana sollen nachhaltiger werden. (Foto: Frank Tetzel)

Rund eine Million Kleinbauern bauen in Ghana Kakao an. Mit rund 850.000 Jahrestonnen ist der westafrikanische Staat der weltweit zweitgrößte Produzent des begehrten Rohstoffes für die Nahrungsmittelindustrie. Schon seit längerem ist auf dem Weltmarkt der Kakao knapp geworden. Ein Grund – die Mittelschicht in China haben die Süßigkeit für sich entdeckt. Allein in diesem Jahr wird die Nachfrage das Angebot um rund 70.000 Tonnen übersteigen, was Auswirkungen auf den Preis haben wird. Fachleute rechnen mit Preissteigerungen von bis zu 15 Prozent in diesem Jahr.

Kakao wird Mangelware

So ist die Initiative der Führungskräfte der 12 größten Schokolade- und Kakao-Unternehmen der Welt nicht mehr so verwunderlich, die jüngst eine gemeinsame Vereinbarung mit der Regierung von Ghana unterzeichneten. Das Ziel alle Maßnahmen zu beschleunigen, die den Kakao-Anbau im Land nachhaltig machen sollen.

Der Schwerpunkt der neuen Strategie soll dabei darauf liegen, den Kakaobauern eine Kombination von Produktivitätsverbesserungen und Entwicklungsmaßnahmen für die Gemeinden zur Verfügung zu stellen. Es wird erwartet, dass bis zum Jahr 2020 durch diese Aktivitäten nicht weniger als 100.000 ghanaische Kakaobauern eine 100-prozentige Steigerung ihrer Produktivität erreichen können und dass auch in deren Heimatgemeinden Verbesserungen erzielt werden können. Die Strategie wird von der World Cocoa Foundation (WCF) koordiniert werden.

Nachhaltigkeitsstrategie soll Produktivität steigern

„Diese Vereinbarung stellt einen der wichtigsten Schritte des Sektors dar, um die Nachhaltigkeit im Kakaoanbau zu fördern“, erklärt Barry Parkin, der neu ernannte Vorsitzende der WCF und leitender Direktor für Nachhaltigkeit bei Mars, Incorporated. „Diese Abstimmung von Zielen, Engagement und Ressourcen und der Austausch der bewährtesten Praktiken ist genau die Art von tiefgreifender Initiative, die den Bauern wirklich helfen wird, um produktiver zu werden und die Zukunft des Kakaos zu sichern. Während es einerseits einen neuen Weg für die Industrie repräsentiert, mit den Ursprungsländern zusammenzuarbeiten, baut es andererseits auch auf den starken, bereits bestehenden Beziehungen mit ihnen auf.“

Industrieinitiative

CocoaAction ist mit großer Sorgfalt und auf freiwilliger Basis von Unternehmen und Kooperationen mit den Regierungen von Ghana und der Republik Côte d’Ivoire, den weltweit führenden Ländern für den Kakaoanbau, konzipiert worden. Die beiden Länder liefern ca. 55 Prozent des gegenwärtigen Kakao-Angebots auf der Welt. CocoaAction wird später auch auf weitere Kakaoanbau-Länder erweitert werden und ist bereits jetzt offen für die Teilnahme von anderen Interessenten aus dem öffentlichen und privaten Sektor, die die Nachhaltigkeit im Kakao-Sektor unterstützen.

WCF-Präsident Bill Guyton erläutert: „CocoaAction konzentriert sich darauf, Bauern das notwendige ‚Komplettpaket‘ von Schulung und Einsätzen zu bieten, das erforderlich ist, um erfolgreiche Landwirtschaftsbetriebe zu betreiben, während gleichzeitig in den Gemeinden, in denen sie leben, Fortschritte erzielt werden. Die Initiative bündelt die besten Elemente aus einzelnen Unternehmensprogrammen, die jetzt ausgetauscht und gemeinsam in großem Maßstab ausgebaut werden können.“

Dr. Stephen Kwabena Opuni, der geschäftsführende Vorsitzende des Ghana Cocoa Board, erklärt: „CocoaAction wird die Maßnahmen des Ghana Cocoa Board im Hinblick auf unsere Programme zur Produktivitätsverbesserung und Existenzsicherung ergänzen, was die Lebensumstände unserer Kakaobauern verbessern und eine nachhaltige Versorgung mit Kakao absichern wird.“

Im Rahmen von CocoaAction werden die Unternehmen eng mit der ghanaischen Regierung und anderen nationalen Institutionen zusammenarbeiten, um den Kakaobauern verbessertes Pflanzmaterial, Dünger und Schulungen zur Verfügung zu stellen, während die Gemeindeentwicklung mithilfe von Ausbildung, Überprüfung und Initiativen gegen Kinderarbeit sowie Aktivitäten zur Verbesserung der Gleichberechtigung gefördert wird. Eine Reihe von Indikatoren, die derzeit von der WCF entwickelt werden, sollen die Strategie begleiten und den Unternehmen ermöglichen, die Fortschritte von CocoaAction messbar zu machen und zu steuern.

Zu den Unternehmen, die sich freiwillig CocoaAction angeschlossen haben, gehören ADM, Armajaro, Barry Callebaut, Blommer Chocolate Company, Cargill, Ecom, Ferrero, The Hershey Company, Mars, Incorporated, Mondelez International, Nestlé und Olam International Ltd.

 

 

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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