Dieses Wochenende stand ganz im Zeichen des Brexit. Dieser wird wohl auch auf die Umwelt- und Klimapolitik Europas einen nicht unbeträchtlichen Einfluss haben. Die Berichterstattung und die Diskussion über den Austritt der Briten aus der EU überdeckte eine Reihe von politischen Entscheidungen, die der Deutsche Bundestag in der vergangenen Woche getroffen hat. So passierte das Fracking-Gesetz und das Strommarktgesetz mit den Stimmen der Großen Koalition das Parlament. Und auch die EEG Novelle wurde am vergangenen Freitag in erster Lesung von den Abgeordneten diskutiert. Hier drücken die Regierungsparteien aufs Tempo, die Opposition spricht von Energiewendeverhinderungsgesetz.
Einen schönen Wochenstart wünscht
Ihr

Frank Tetzel
Chefredakteur fair-economics

NACHRICHTEN

Brexit und das Klima: Der EU-Austritt Großbritanniens wird auch die europäische Klimapolitik berühren. Auf die Briten dürften höhere Energiepreise zukommen. Sollte der Klimaskeptiker Boris Johnsson englischer Premierminister werden,  könnte das ernste Folgen für den Pariser Klimavertrag und die Energiewende haben. Auch der Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point könnte sich verzögern, weil dieses mir französischer Hilfe finanziert werden sollte. klimaretter.info , solarify.eu

Bundestag billigt Kompromiss zum Frackinggesetz: Der Bundestag billigte den Koalitionskompromiss zur Erdgas-Fördermethode. Nun gilt ein unbefristetes Verbot des sogenannten unkonventionellen Frackings, bei dem Gas aus tiefen Gesteinsschichten durch Einpressen von Flüssigkeiten gefördert wird. Allerdings darf es zu wissenschaftlichen Zwecken Probebohrungen geben. Umweltverbände kritisieren das Verbot als nicht weitgehend genug. Das beschlossene Gesetzespaket stelle nicht sicher, dass Mensch und Natur ausreichend vor den Gefahren des Frackings geschützt würden.
berliner-zeitung.de , nabu.de (Kritik)

Strommarktgesetz verabschiedet: Damit will die Regierung die Versorgungssicherheit in der Stromversorgung sowie die Synchronisierung von Einspeisung und Verbrauch in einer Übergangsphase gewährleisten. Eine Kapazitätsreserve wird eingeführt, die zum Einsatz kommt, „wenn trotz freier Preisbildung an der Strombörse kein ausreichendes Angebot existiert, um einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage zu ermöglichen“. Erzeugungskapazitäten sollen außerhalb des Strommarkts vorgehalten und bei Bedarf eingesetzt werden. Die Reserve soll technologieneutral sein und wettbewerblich ausgeschrieben werden.  Um gleichzeitig das nationale Klimaschutzziel für 2020 zu erreichen, werden ab 2016 Braunkohlekraftwerke nach und nach aus dem Netz genommen und zunächst vorläufig stillgelegt. pv-magazine.de ,

Rund 73 Hektar werden täglich in der Bundesrepublik zugepflastert. Hinzu kommt das der Hunger nach Energie, etwa durch Windräder,  unsere Kulturlandschaft verändert.
faz.net

Unternehmen sollen für Menschenrechte eintreten: Die Bundesregierung will, das mindestens die Hälfte aller in Deutschland ansässigen Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern Elemente menschenrechtlicher Sorgfalt in ihren Unternehmen einführt.  Mit einem Aktionsplan sollen damit die UN-Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte umgesetzt werden. Scheitert der Aktionsplan droht ein Gesetz. sueddeutsche.de

Zukunft der Arbeit: Vernetzte Zusammenarbeit steigert Arbeitseffizienz: Diejenigen, die fortschrittliche Technologien nutzen, bewerten ihre Effizienz um 58 Prozent höher. Doch viele Unternehmen setzen weiterhin auf traditionelle Methoden. Vor allem der Mittelstand hinkt hinterher. ibusiness.de

Pflicht zu intelligenten Stromzählern beschlossen: Bereits ab dem kommenden Jahr müssen sogenannte intelligente Zähler, auch  SmartMeter genannt, bei gewerblichen Großkunden eingebaut werden. Auch Betreiber von Ökostromanlagen mit über sieben Kilowatt Leistung sind davon betroffen. Die intelligenten Stromzähler sollen den Energieverbrauch besser abbilden können; zudem soll der Energieverbrauch der Haushalte durch die Digitalisierung besser gesteuert werden können. Bei Datenschützern sind die intelligenten Stromzähler umstritten. rp-online.de

Kaufprämie im Sauseschritt: Im Schweinsgalopp hat die Koalition ihre Kaufprämie für Elektroautos durchgebracht.  Der Haushaltsausschuss hatte erst am letzten Mittwoch zugestimmt. Das Bundesfinanzministerium hat dabei auf eine Notermächtigung gesetzt. Dafür ist kein Nachtragshaushalt notwendig.  Die Opposition protestierte prompt. Anträge können ab der kommenden Woche beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) gestellt werden. Das E-Auto muss jedoch nach dem 18. Mai gekauft worden sein. handelsblatt.com (Ablauf), n-tv.de (Anträge)

Daimler will E-Auto Offensive: Nachdem Volkswagen angekündigt hat, mehr in die Elektromobilität zu investieren, zieht jetzt auch Daimler nach.  Vorstandschef Dieter Zetsche kündigte an, dass der Konzern noch in diesem Jahr das erste rein elektrisch angetriebene Mercedes-Modell beim Pariser Autosalon vorstellen werde. Zudem wird Daimler eine eigene Marke für Elektromobile gründen.  manager-magazin.de, finanzen.net (Marke)

Schweden testet Lastwagen mit Oberleitung:  Siemens und Scania nehmen mit einem Strom-Oberleitungssystem für Lastwagen den ersten „E-Highway“ der Welt in Betrieb. In den kommenden zwei Jahren werden zwei Diesel-Hybridfahrzeuge nördlich von Stockholm auf einem zwei Kilometer langen Streckenabschnitt Autobahn E 16 regelmäßig fahren. Die beiden Lastwagen sollen doppelt so effizient sein wie herkömmliche Diesel-LKW, weniger Energie verbrauchen und weniger Schadstoffe ausstossen. verkehrsrundschau.de

Buchtipp der Woche: „Der Cyborg und das Krokodil“ Ob Handy, Waschmaschine oder Auto: Ein Leben ohne Technik können wir uns gar nicht mehr vorstellen. Sie hilft, macht Spaß – und treibt uns manchmal zur Weißglut … Der Buchautor Gero von Randow liefert ein unterhaltsames Porträt unseres Lebens im Takt der Technik und öffnet den Blick für technische Innovationen, die wir noch zu erwarten haben: Immer tiefer werden wir eintauchen in eine technische Welt – halb gezogen, halb hingesunken. Denn von Randow verschweigt auch nicht die Schattenseiten neuer Technologien: die Gefährdung der Datensicherheit, den Raubbau an der Natur, die soziale Entfremdung bis hin zu Süchten und Abhängigkeiten. koerber-stiftung.de

CSU: Gegen Klimaschutzplan fair-economics.de
Strommarkt: Tesla bietet Milliarden für Ökostromfirma Solarcity spiegel.de
Kalifornien:  Größter Waldbrand aufgrund der Dürre seit Jahren n-tv.de
Glyphosat: Keine Zulassungsverlängerung tagesschau.de
EnBW: Erstmals Transport hochradioaktiver Abfälle per Schiff badische-zeitung.de
Auswärtiges Amt: In Botschaftsgebäuden spielt Klimaschutz keine Rolle taz.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„… generell ist es natürlich immer schlechter für die Umwelt, wenn ein großes Land in Europa künftig sich nicht für eine gemeinsame Lösung mehr einsetzen kann, sondern außen vor bleibt. Nehmen Sie das Thema Luftverschmutzung: Es ist offensichtlich, dass alle darunter leiden, wenn ein Land sozusagen komplett andere Regeln verfolgt als die anderen Länder.“ Carsten Wachholz vom European Environmental Bureau über die Folgen des Brexit für die europäische Klimapolitik deutschlandfunk.de

„Für Sylt kann die E-Mobilität ein echtes Alleinstellungsmerkmal sein, passen doch hier die Distanzen, die man mit einer aufgeladenen Batterie zurücklegen kann, hervorragend zu den Entfernungen zwischen Inselnorden und Inselsüden oder von West nach Ost.“
In Kampen auf Sylt setzt sich der Unternehmer Markus Wenzel  dafür ein, dass E-Mobilität auf Sylt selbstverständlicher wird. Es gebe zwar schon einige Bemühungen auf der Ferieninsel, aber von einer  richtig breiten Bewegung, die das E-Auto aus dem Exotenstatus hebe und es so normal sein lasse wie ein Dieselfahrzeug, sei man aber noch sehr weit entfernt.  shz.desuperwitches KW 26: Brexit und Klima, Fracking, Strommarktgesetz, e-Kaufprämie, solidarische Landwirtschaft, Eisschmelze, Computergemüse, Eisschollenkonzert Newsletter

MEHR WISSEN

Solidarische Landwirtschaft: Kleine bäuerliche Betriebe sind heute kaum noch überlebensfähigEine Alternative könnte die Solidarische Landwirtschaft (SoLawi) sein bei der Verbraucher und Landwirt sich zusammenschließen, um gemeinsam die Produktion von Lebensmitteln zu organisieren. Das macht die Bauern unabhängiger vom Markt und verteilt das Risiko für einen Ernteausfall auf die Gemeinschaft.  Durch monatliche Beiträge finanzieren Mitglieder die ökologische Landwirtschaft und erhalten dafür einen Anteil der Ernte. dw.com

Die Folgen der Eisschmelze: Sollten die Treibhausgas-Emissionen weiter steigen, so kann durch die Eisschmelze in der Antarktis der Meeresspiegel bis 2500 um 15 Meter ansteigen. Bis zum Ende des 21. Jahrhunderts wären schon mehr als ein Meter Anstieg erreicht. Rechnet man die Eisschmelze in Grönland, der Gebirgsgletscher und der thermischen Ausdehnung des Ozeans hinzu, könnten es sogar fast zwei Meter werden. Dann wären nicht nur die Malediven und die flachen Inseln bedroht, sondern auch Miami, Venedig, der Süden von Bangladesch und Küstenabschnitte Vietnams. Auch Ostfriesland würde untergehen. Millionen Menschen verlören ihre Heimat. sueddeutsche.de

Gemüse aus dem Computer: Ein Food Computer ist ein kleines, intelligentes Gewächshaus, dass das Klima wahrnehmen, interpretieren und auch verändern kann. Er ist etwa so groß wie ein Desktop-Gerät. Wir haben aber auch einen Food Server, der die Größe eines Containers hat und arbeiten auch an einem Food Datacenter, das so groß wie ein Lagerhaus werden wird. In den Boxen wird ein Klima generiert, das aus Feuchtigkeit, Licht, CO2, Sauerstoff und anderen Elementen berechnet wird. Wir nennen dieses Klima auch Rezept. Sie können also auf unser Online-Portal gehen und sich ein bestimmtes Klima oder Rezept herunterladen. So können Sie exakt die selben Dinge wachsen lassen wie ich, mit dem selben Ergebnis. Sie können es auch ändern und für ihre Bedürfnisse anpassen, dann gibt es ein neues Rezept.
futurezone.at

Lammsbräu: Deutschlands größte Öko-Brauerei donaukurier.de
Volkswagen:  Während Kunden in den USA eine Entschädigung bekommen sollen, gehen Europäer leer aus dw.com
Ein Schaden für die Natur: europäische Grenzanlagen spektrum.de

DAS LETZTE:

Konzert auf einer Eisscholle: Berlin – Der italienische Pianist und Komponist Ludovico Einaudi  hat mit einem Konzert im Eismeer gegen die Zerstörung der Arktis protestiert.

Klavierkonzert KW 26: Brexit und Klima, Fracking, Strommarktgesetz, e-Kaufprämie, solidarische Landwirtschaft, Eisschmelze, Computergemüse, Eisschollenkonzert Newsletter

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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