FAIReconomics Newsletter KW 31

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Autoindustrie will Mobilitätsfond anbieten: Die deutsche Autoindustrie will am kommenden Mittwoch beim geplanten Diesel-Gipfel einen Fond anbieten, der dazu dienen soll, dass Staat und Wirtschaft die Stadtluft sauberer halten. Noch ist nicht klar, wer wieviel in diesen Fonds einzahlen soll, die Rede ist jedoch von einem dreistelligen Millionenbetrag. Unterdessen forderten die Grünen, dass auch Bundeskanzlerin Merkel an dem Gipfel teilnehme. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD)  ist unterdessen dagegen einen festen Ausstiegstermin aus dem Verbrennungsmotor zu nennen. Auch Bun­des­ver­kehrs­mi­nis­ter Alex­an­der Do­brindt (CSU) meldet sich zu Wort.Die deut­schen Au­to­bau­er seien auf­ge­for­dert, ihrer „ver­damm­ten Ver­ant­wor­tung“ ge­recht zu wer­den und Feh­ler zu be­he­ben. Die Au­to­in­dus­trie habe sich in rich­tig schwe­res Fahr­was­ser ge­bracht. Es drohe auch ein Scha­den für die Marke ‚Au­to­mo­bil made in Ger­ma­ny‘. Das emp­fin­de ich als furcht­bar. Die Au­to­mo­bil­in­dus­trie habe hier eine ver­damm­te Ver­ant­wor­tung, das Ver­trau­en wie­der her­zu­stel­len und die be­gan­ge­nen Feh­ler zu be­he­ben.  faz.net, bild.de (Hofreiter), n-tv.de  (Zypries), bams.de   (Dobrindt)

Dieselfahrverbot für Stuttgart: In Stuttgart hat die Deutsche Umwelthilfe einen Prozess für die bessere Luftreinhaltung gewonnen. Die Luftverschmutzung muss notfalls auch mit Diesel-Fahrverboten bekämpft werden, so der Spruch des Verwaltungsgericht. Der von der baden-württembergischen Landesregierung vorgesehene Nachrüstplan für Dieselmotoren reicht nach Ansicht des Gerichtes nicht aus, weil das Land sich nicht auf die Autoindustrie verlassen dürfe. vgsstuttgart.de , rp-online.de

Rund 600 Prozent höher liegen die Gesundheitskosten, die aus Erkrankungen entstehen, die fossile Brennstoffe hervorrufen , als die direkten staatlichen Subventionen für Brennstoffe aus Steuergeldern. Die G20-Staaten gaben allein im Jahr 2014 insgesamt 444 Milliarden US-Dollar für Öl-, Gas- und Kohlesubventionen aus, obwohl diese eigentlich gekürzt werden sollten.  euractiv.de

Klimawandel -Temperaturanstieg begann früher: Forscher zeigen, dass die Temperaturen in der Atmosphäre schon viel früher anstiegen als ursprünglich angenommen. Auch wenn es sich bei den Berechnungen lediglich um ein Fünftel Grad Abweichung handelt, macht dies im Endeffekt einen starken Unterschied aus. Rechnet man die zwei Grad im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts, bleibt den Menschen demnach seit dem Jahr 2011 ein Emissionsbudget von gut 300 Gigatonnen CO₂. Sollte das Ziel jedoch 0,2 Grad näher liegen, wären es volle 40 Prozent weniger. sueddeutsche.de

Falsche Prognosen kosten Millionen: Drei Windräder haben weniger Strom produziert als vom Projektentwickler prognostiziert, dagegen klagten nun zwei Stadtwerke gegen den Projektentwickler Juwi. Nun haben sich die Streithähne außergerichtlich geeinigt, Juwi nimmt den Windpark zurück und zahlt 14 Millionen Euro.  handelsblatt.com

Starkregen – Klimawandel oder Wetterphänomen? Die Erderwärmung bringt den Jetstream aus dem Takt. Deswegen haben wir jetzt hier eine stabile Phase mit Tiefdruckwetterlagen, und in Südeuropa sind die Hochdruckwetterlagen stabil. Diese weit voneinander entfernten Extremwetterereignisse, die im Paar auftreten, kommen häufiger vor. So etwa vor drei Jahren als  parallel zu einer Kältewelle in Nordamerika und einer Schneedecke bis nach Texas es zu einer Wärmewelle mit bis zu plus zehn Grad in Sibirien kam. zeit.de

Buchtipp der Woche: Das Ozeanbuch – Über die Bedrohung der Meere. In Teilen der Weltmeere gibt es mittlerweile mehr Plastik als Plankton. Aber auch die Einleitung von Abwässern, Verschmutzung durch Öl, industrielle Nutzung und Überfischung sowie die Effekte des Klimawandels drohen die Ozeane zu zerstören. Bleibt vom Sehnsuchtsort Meer bald nur noch eine Erinnerung? Anschaulich stellt Autorin Esther Gonstalla die Folgen des menschlichen Handelns für die Weltmeere dar.  In fünf Kapitel mit den Themen »Klimawandel«, »Biodiversität«, »Überfischung«, »Industriegebiete«und »Verschmutzung« findet der Leser einen faszinierenden und gleichsam bedrohten Lebensraum, der wenig erforscht ist. Übrigens: das informative und lesenswerte Ozeanbuch wurde mit Hilfe eine Crowdfunding Aktion unterstützt.  oekom.de

Aldi: Grundsätzlicher Verzicht auf Plastiktüten  fair-economics.de
Shell-Manager: Begrüßt den Ausstieg aus fossilen Energien faz.net
Großbritannien: Verbot von Benzinern und Dieselfahrzeugen ab  2040 morgenpost.de
Solarworld: Nach Insolvenz Hoffnungen für zwei ostdeutsche Produktionsstätten focus.de
Brandenburg: Klimaziele könnten unter bestimmten Umständen noch erreicht werden prognos.com
Grüne: Baerbock will sich bei der Abschaltung von Kohlekraftwerken nicht festlegen rbb-online.de
Wasserstoffkatamaran: Von Paris einmal um die Welt ingenieur.de

WÖRTLICH GENOMMEN

„Wir sind für die elektrische Welt besser aufgestellt als jedes andere Unternehmen. Haupttreiber der Elektrifizierung sind die von 2020 an strengeren Grenzwerte beim Klimagas Kohlendioxid. Wir haben heute noch eine Lücke zu den gesetzlich geforderten 95 Gramm (CO2 pro Kilometer), die Volkswagen erreichen muss. Diese Lücke werden wir konventionell nur zum Teil schließen können. Der Verbrennungsmotor ist auch mit leichter Elektrifizierung nicht in der Lage, wesentlich unter 80 Gramm zu kommenDer effizienteste Hebel, die Flottenziele zu erreichen, ist das E-Auto. Dazu brauchen wir in Europa 2020 rund 100.000 Elektrofahrzeuge der Marke Volkswagen. Wir trauen uns das zu.“
Herbert Diess, VW-Markenvorstand,  zudem wolle niemand wirklich Fahrverbote in den Städten. Die Industrie sei sicher bereit, das Ihre zu tun, um diese Situation zu entschärfen. In Europa bleibe  der Diesel für große Fahrzeuge und hohe Laufleistungen weiterhin eine Alternative, obwohl er teurer werde und vielleicht die Vorteile bei der Mineralölsteuer in den nächsten Jahren geringer werden könnten. In den USA dagegen habe sich Volkswagen bereits vom Diesel verabschiedet:  Man sehe auch perspektivisch keine Möglichkeit, weil die Abgasgesetze in den USA noch mal schärfer sind und die Amerikaner Diesel und Benziner auch steuerlich gleich behandeln. Da machte es ökonomisch keinen Sinn. wiwo.de

„Man findet in der Tat eine Häufung von psychischen Erkrankungen, die bei Stadtbewohnern mit Stress in Zusammenhang stehen. Zum Beispiel tritt die Depression bei Stadtbewohnern im Vergleich zu Landbewohnern ungefähr 1,5 mal so häufig auf. Angsterkrankungen kommen häufiger vor. Und: Stadtbewohner leiden doppelt so häufig an Schizophrenie.“
Mazda Adli, Neurowissenschaftler und Stressforscher, hat unter dem Titel „Stress and the City“  gemeinsam mit der Alfred Herrhausen Gesellschaft ein interdisziplinäres Forum aus Neurowissenschaftlern, Architekten und Stadtplanern gegründet, um Einflussfaktoren des Stadtlebens auf Emotionen und Verhalten zu erforschen. Bei den genannten Krankheiten werde vermutlich sozialer Stress gesundheitsrelevant. Zu sozialem Stress zählten soziale Dichte einerseits und soziale Isolation und Abstiegsängste andererseits. Wenn beide Stressformen gleichzeitig auf den Menschen wirkten, könne das eine toxische Mischung ergeben. Aber nicht jeden mache die Stadt krank. Wir müssten vielmehr verstehen, wer die Menschen seien, denen das Stadtleben zusetze. Und das seien diejenigen, die sich dem sozialen Stress – Dichte plus Isolation – nicht entziehen könnten.  enorm-magazin.de 

MEHR WISSEN

Hauptstadtbasilikum: In Berlin züchtet ein Unternehmen mitten in der Stadt nachhaltig Fisch und Kräuter. Inzwischen ist es sogar gelungen, eine Supermarktkette als Abnehmer zu gewinnen. Das besondere, die Gründer schafften es,  90 Prozent Wasserersparnis gegenüber dem Landbau zu erreichen, hinzu kommen extrem kurze Transportwege und sechs Tonnen weniger Plastik im Jahr als im konventionellen Betrieb. Manche träumen schon vom selbstversorgenden Supermarkt. sueddeutsche.de

Achtsamkeit in Unternehmen: Vor dem Hintergrund von Digitalisierung und weiter steigenden Anforderungen an Mitarbeiter und Führung kommt dem Begriff der Achtsamkeit eine besondere Bedeutung zu. Sie kann zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit, innerer Klarheit, Emotionskontrolle, Stressreduktion beitragen. nzz.ch

Costa Rica boomt als nachhaltiges Reiseziel.  Das Land hat  als Ökodestination für nachhaltiges Reisen etabliert. Vor allem  Naturliebhaber, die Exotik und doch Ruhe und Sicherheit suchen, finden neben Nationalparks auch Artenschutzauffang- oder Auswilderungsstationen wie: Sea Turtle Conservancy in Tortuguero, wo in der Brutzeit  Meeresschildkröten bei der Eiablage oder beim Schlüpfen beobachtet werden können.  Das Land gilt als „die Schweiz Mittelamerikas“ diepresse.com

USA: Mehr Kohleexporte  klimaretter.info
Deutschsein: Bioladen und Radfahren welt.de
Raupen des Blutbärschmetterlings: Hoffnung zur Eindämmung des giftigen Jakobkreuzkrautes deutschlandfunk.de
Rekordanleihe: Die indische Greenko Energy platziert mit einer Millarde Dollar die größte grüne Anleihe Asiens. bizz-energy.com
Venedig: Klimawandel stellt die Lagunenstadt vor besondere Herausforderungen pbs.org
Pflanzen und Architekten: Baubotanik im Trend swr.de
Italienische Dürre: Die Hälfte der diesjährigen Olivenernte könnte bedroht sein standard.at

DAS LETZTE:

Künstlicher Tresorknacker von der Stange: Mit günstigen Komponenten aus dem Bastlershop und Teilen aus einem 3-D Drucker hat Hardware-Hacker Nathan Seidle einen künstlichen Safeknacker gebaut. Innerhalb von dreißig Minuten schaffte der Roboter die Tür des Tresors zu öffnen. heise.de

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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