Das Biosiegel feiert seinen 15 Geburtstag in Deutschland

 Am 5. September ist es genau 15 Jahre her, dass die damalige Landwirtschaftsministerin, Renate Künast, einen maßgeblichen Treibsatz für die Ausweitung des Biomarktes zündete: das sechseckige Biosiegel wurde der Öffentlichkeit vorgestellt. Das war der Start einer Erfolgsgeschichte. Darauf weist der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) im Blick auf den kommenden Montag hin. 

„Für die Wirkung auf den Biomarkt war die einheitliche Erkennbarkeit von Bioprodukten anhand des Siegels ebenso bedeutsam, wie die Möglichkeit, das bekannte Zeichen für Information und Aufklärung rund um das Produktionssystem „Ökolandbau“ zu nutzen. Es war ein Quantensprung in den bundespolitischen Maßnahmen für die Förderung der Ökologischen Land- und Lebensmittelwirtschaft“, erinnert sich Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des Branchenverbandes BÖLW.

Auch wenn Bio seitdem die Nische eines kleinen Spezial-Segmentes im Lebensmittelmarkt durchbrochen habe, stehe die Ausweitung nach wie vor auf der Agenda der deutschen und Europäischen Agrar- und Wirtschaftspolitik, betont Löwenstein. Ebenso wie der Nachhaltigkeitsrat der Bundesregierung habe deshalb auch Landwirtschafts- und Ernährungsminister Christian Schmidt die Zielsetzung aufgegriffen, den Ökolandbau auf 20 Prozent zu steigern.

„Dieses Etappenziel auf dem Weg zu einer wirklich nachhaltigen, zukunftsfähigen Landwirtschaft anzuvisieren ist richtig. Denn auf diese Weise lassen sich viele Politikziele – von Biodiversität bis Klimaschutz, von Wasserschutz bis zur Hochwasserprävention erreichen“, sagt Löwenstein, nicht ohne die Mahnung an die Adresse des jetzt verantwortlichen Ministers: „So wie vor 15 Jahren mit dem Biosiegel müssen auch jetzt kraftvoll neue Instrumente in die Hand genommen werden. Dass sich Christian Schmidt die „Zukunftsstrategie Ökolandbau“ vorgenommen hat, unterstützen wir – deshalb arbeitet die Branche daran intensiv mit. Wenn jedoch der Minister dafür im Jahr des Strategie-Starts, 2017, keinerlei zusätzliche Haushaltsmittel vorsieht, ist die Anstrengung umsonst. Dann bleibt der Quantensprung aus und die Zielerreichung ist in die zweite Jahrhunderthälfte verschoben!“

Auf diese Weise werde ein höchst wirksames Werkzeug für die Lösung drängender Probleme in Landwirtschaft, Umwelt und Ernährung ungenutzt bleiben. Deshalb müssten jetzt die Haushaltspolitiker im Bundestag die unzureichende Vorlage aus dem Landwirtschaftsministerium nachbessern und den Haushaltsansatz für das Bundesprogramm Ökologischer Landbau und sonstige Nachhaltige Produktionsverfahren (BÖLN) auf 60 Millionen Euro anheben, fordert Löwenstein.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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