Lebensmittelverschwendung soll gestoppt werden, fordern Umweltverbände.

Durch Lebensmittelverschwendung entstehen in Deutschland etwa 18 Millionen Tonnen Lebensmittelabfall pro Jahr.

Das entspricht 571 kg Lebensmitteln, die in jeder Sekunde entsorgt werden. Diese Verschwendung sei ein Skandal mit gravierenden Auswirkungen auf das Klima, die Umwelt und den Menschen. Darauf machen die Deutsche Umwelthilfe (DUH) und foodsharing mit einer „Mauer der Ignoranz“ aus geretteten Lebensmitteln in Berlin aufmerksam.

Gemeinsam fordern die beiden Vereine von der geschäftsführenden und zukünftigen Bundesregierung, die Halbierung des Lebensmittelabfalls bis 2030 gesetzlich zu regeln und eine Strategie festzulegen, dieses Ziel zu erreichen. Neben einem gesetzlichen Wegwerfstopp für genießbare und unverkaufte Lebensmittel im Handel sei auch eine verbindliche Dokumentationspflicht von Lebensmittelverlusten entlang der Wertschöpfungskette und die Festlegung branchenspezifischer Zielmarken notwendig.

„Es reicht nicht aus, das im September 2015 von der UN verabschiedete Nachhaltigkeitsziel zur Verringerung von Lebensmittelabfällen zu zitieren. Die Bilanz von Kanzlerin Angela Merkel und Agrarminister Christian Schmidt zur Lösung des Problems der Lebensmittelverschwendung ist katastrophal. Es gibt bis heute keine rechtlichen Verpflichtungen und auch keine Strategie“, erklärt Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Halbierung der Lebensmittelabfälle verpflichtend festlegen

„Die Halbierung des Lebensmittelabfalls bis 2030 muss in Deutschland verpflichtend festgelegt werden. Dazu sind verbindliche branchenspezifische Zwischenziele unverzichtbar, an die sich alle Akteure aus Landwirtschaft, Industrie und Handel halten müssen.“ Dies ist eine zentrale gemeinsame Forderung von DUH und foodsharing, denn nur so könne sichergestellt werden, dass auch alle entscheidenden Akteure ihren Beitrag zur Vermeidung von Lebensmittelabfällen leisten.

In den Wilmersdorfer Arcaden (Berlin) feiert foodsharing fünf Jahre Engagement von über 32.000 ehrenamtlichen Lebensmittelrettern „Täglich bewahren wir tonnenweise gute Lebensmittel vor dem Müll, haben die Öffentlichkeit für die Wertschätzung von Lebensmitteln sensibilisiert und vielen Unternehmen Lösungen aufgezeigt“, resümiert foodsharing-Vorstand Stefan Kreutzberger. „Wir haben viel erreicht, nun muss auch die Bundesregierung endlich anpacken statt abzuwarten! Uns ist bewusst, dass wir am Ende einer fehlgeleiteten Konsumkette agieren und politisches Handeln unumgänglich ist. Daher stellen wir fünf Kernforderungen an die kommende Regierung.“

Foodsharing will das ehrenamtliche Engagement gestärkt sehen und Rechtssicherheit für Lebensmittelretter schaffen: Mancherorts werden diese als gewerbliche Unternehmen eingestuft, was eine Absurdität sei.

Verbrauchsdatum und MHD

Damit weniger genießbare Lebensmittel weggeschmissen werden, müssen Verbraucher wirksam über die Unterschiede zwischen Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum aufgeklärt werden. Hierzu ist eine klarere Abgrenzung auf der Verpackung und eine verstärkte Informationsarbeit erforderlich.

„Vom Landwirt bis zum Händler fallen ungeheure Mengen Lebensmittelabfälle an. Für die Unternehmen gibt es aber noch keine Pflicht, die Verluste genau zu erfassen und zu melden. Dabei braucht es Transparenz über die Stoffströme, um Reduktionsziele in der Praxis durchzusetzen“, sagt Philipp Sommer, Stellvertretender Leiter der DUH-Kreislaufwirtschaft. DUH und foodsharing fordern eine Erfassungs- und Dokumentationspflicht von entsorgten Lebensmitteln, bei der alle Verluste in Landwirtschaft, Industrie und Handel erhoben werden. Darüber hinaus sei ein gesetzlicher Wegwerfstopp für Supermärkte nötig, um zu verhindern, dass essbare Lebensmittel im Müll entsorgt werden. Stattdessen sollten die Handelsketten die Lebensmittel kostenlos sozialen Trägern oder Initiativen gegen die Lebensmittelverschwendung zur Verfügung stellen.

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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