Kakaobauern. die nachhaltigen Kakao anbauen, müssen stärker unterstützt werden.

 In ihrem Bemühen für die Schaffung besserer Arbeits- und Lebensbedingungen für Kakaobauern in Afrika benötigen Initiativen wie das „Forum Nachhaltiger Kakao“ politische Unterstützung – etwa beim Kampf gegen Korruption.

Das machte der Vorstandsvorsitzende Wolf Kropp-Büttner während einer öffentlichen Sitzung des Parlamentarischen Beirats für nachhaltige Entwicklung deutlich. Das Forum Nachhaltiger Kakao, eine Multi-Stakeholder-Initiative, in der sich mittlerweile fast 70 Akteure aus der Kakao- und Schokoladenindustrie, dem Lebensmittelhandel, der Zivilgesellschaft und der Bundesregierung zusammengeschlossen haben, verfolge das Ziel, mittelfristig eine nachhaltige Lieferkette Kakao zu erreichen, sagte Kropp-Büttner.

Dabei sei man innerhalb von vier Jahren gut vorangekommen. Der Anteil nachhaltig erzeugten Kakaos in den in Deutschland verkauften Süßwaren sei von 3 Prozent im Jahr 2011 auf 39 Prozent im Jahr 2015 gestiegen, sagte der Vorstandsvorsitzende. Um die Situation der Kakaobauern zu verbessern führe seine Organisation Trainings in den Ländern Elfenbeinküste, Ghana und Nigeria durch und zertifiziere nachhaltig wirtschaftende Kooperativen. Das Projekt Pro-Planteurs etwa habe 20.000 kakaoproduzierende Familienbetriebe und ihre Organisationen, mit einem Fokus auf Frauen und junge Kakaobauer als Zielgruppe.

Friedel Hütz-Adams, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Forums Nachhaltiger Kakao, verwies auf die Problematik, dass die Kakaobauern das Training teilweise nicht umsetzen können oder wollen. So werde die Aufforderung, Harthölzer als Schattenpflanzen anzubauen oft mit dem Verweis auf die bei der Regierung der Länder liegenden Einschlagrechte für Harthölzer abgelehnt. Auch die Aufforderung, den Bestand durch das Fällen alter Kakaobäume und den Anbau neuer Bäume zu sichern, treffe nicht immer auf Verständnis.

Hütz-Adams ging auch auf den Hinweis aus dem Kreis der Abgeordneten ein, wonach der Anteil an den mit einem entsprechenden Siegel für fairen Handel gekennzeichneten Produkten im Schokoladenbereich geringer sei, als die nachhaltig produzierte Menge. Es gebe Hersteller, so der Experte, die das Siegel wieder entfernt hätten, weil die Verbraucher darauf negativ reagiert hätten. Seien die Verbraucher zuvor davon ausgegangen, den etwas höheren Preis für eine bessere Qualität zu zahlen, hätten sie durch das Siegel den Eindruck gewonnen, den Aufpreis dafür zu zahlen und so vermehrt vom Kauf Abstand genommen.

Wolf Kropp-Büttner räumte ein, es sei nicht möglich, einen bewusst gezahlten Aufpreis für den Kauf von Schokolade in Deutschland „eins zu eins“ an die Kakaobauern durchzureichen. Dem stehe beispielsweise schon die Abschöpfung durch die Regierungen in den afrikanischen Ländern entgegen, die den Bauern den Kakao abkauften und damit einen gewisse Existenzsicherheit böten, jedoch nur 60 bis 70 Prozent des aktuellen Weltmarktpreises dafür zahlen würden.

„Eigentlich sollten sie die Spanne in den Bau von Schulen und Straßen investieren, tun das aber oft nicht“, beklagte er. Hier, so Kropp-Büttner, müsse die Politik Einfluss auf die betroffenen Partnerländer nehmen. Ebenso müsse sie sich gegen die Korruption stellen, die es auf allen Ebenen in den produzierenden Ländern gebe.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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