Nachhaltige Mobilität ist ein Schlagwort, das, wer sich für modern hält, im Munde führt. Doch was bedeutet Nachhaltigkeit im Verkehrssystem Österreichs? Was muss noch getan werden? Doris Holler-Bruckner, Präsidentin des Bundesverbandes nachhaltige Mobilität gibt Antworten:

Was versteht man unter nachhaltiger Mobilität?

Nach wie vor ist in Österreich ein Zuzug in die großen Städte zu verzeichnen, doch unsere Straßen-Verkehrsinfrastruktur ist nicht mehr unendlich  zu erweitern. Damit bedeutet  die ungehinderte Zunahme des Autoverkehrs letztendlich den Kollaps der Städte, weil er die Lebensqualität in unseren Städten stark einschränkt.

Vor allem in den urbanen Räumen haben wir verhältnismäßig kurze Arbeits- und Einkaufswege, die nicht unbedingt mit dem Individualverkehr bewältigt werden müssen. Nachhaltige Mobilität ist die Verzahnung moderner Verkehrs- mit moderner Umweltpolitik. Die Strategien und Programme müssen auf Dauer tragfähig sein und gleichzeitig die Umwelt entlasten. Dabei sind die Öffis ein wichtiger Teil.

Das heißt mehr Menschen in die Öffis?

Wir haben in Österreich schon eine Menge erreicht. Beispielsweise sind wir im Vergleich zu vielen anderen Ländern bei der Nutzung der Bahn top. Wollen wir jedoch noch mehr Menschen in Busse und Bahnen bringen, dann muss,  ähnlich wie in der Schweiz, vielmehr auf die Flüssigkeit der Gesamtstrecke geachtet werden.

Wie kann man das konkret erreichen?

Es nützt  nichts, nur die Westbahnstrecke auszubauen und die Nebenbahnen samt entsprechender Taktfahrpläne zu vergessen.  Öffentlicher Verkehr soll nicht nur  das Rückgrat der innerstädtischen Mobilität sein. Sein Ausbau bewirkt Verbesserungen beim Umwelt- und Klimaschutz, steigert die Mobilität aller Bevölkerungskreise und ist nicht zuletzt auch ein lokaler Wirtschaftsfaktor.

Er ist damit nach allen drei Kriterien grundsätzlich  als nachhaltig zu bewerten. Dennoch müssen wir daran arbeiten, dass wir den öffentlichen Verkehr noch nachhaltiger und kundenfreundlicher gestalten. Dazu gehören auch entsprechend günstige Preise, die die Öffis noch attraktiver machen und über die Bundesländer hinweg verbinden.

Also sind die Öffis klimafreundlich?

Selbstverständlich. Wussten Sie, dass die meisten Wege in der Stadt immer noch zu Fuß zurückgelegt werden? Wir beobachten, dass das Mobilitätsverhalten der Menschen sich verändert. Gerade in verdichteten Gebieten, wie die Verkehrsplaner Städte gern bezeichnen, verliert das Auto an Bedeutung. Zumindest was seinen Besitz angeht. Carsharingangebote sprießen wie Pilze aus dem Boden, weil in der Verzahnung mit dem öffentlichen Verkehr die Angebote attraktiver werden und Nutzung, nicht Besitz das Megathema  ist. Je besser man den Modal Split, also die einzelnen Verkehrsträger wie Auto, Fahrrad und das öffentliche Angebot an Bussen und Bahnen miteinander verzahnt, desto eher ist auch das eigene Auto verzichtbar.

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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