Nachhaltigkeitsberichte werden bald Pflicht auch für größere Unternehmen. (Foto: Ron Mader (CC BY 2.0) by www. flickr.com)

Ab dem Geschäftsjahr 2017 ist es für viele Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verpflichtend, Daten etwa zu Umweltschutz, sozialen und Arbeitnehmerbelangen oder zu den Themen Menschenrechte oder Korruptionsbekämpfung zu veröffentlichen. Dies fordert eine im Jahr 2014 verabschiedete EU-Richtlinie, die bis 2017 in nationales Recht überführt sein muss. 

Doch schon jetzt geben zahlreiche Unternehmen einen Nachhaltigkeitsbericht heraus.  Doch die Frage stellt sich: Wie viel Substanz steckt in diesen Berichten? In einem Ranking der Nachhaltigkeitsberichte bewerten das Institut für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW) und der Unternehmensverband „future – verantwortung unternehmen“ die Berichte deutscher Großunternehmen und des Mittelstands. Auf Basis eines wissenschaftlichen Kriteriensets ermitteln die Experten, welche Unternehmen am besten Rechenschaft über ihre soziale und ökologische Verantwortung ablegen. Das IÖW/future-Ranking 2015 wird unterstützt vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales. Die Ergebnisse werden Mitte dieses Jahres bekanntgegeben.

In zwei getrennten Wettbewerben bewerten IÖW und future die Berichte je nach Unternehmensgröße. Zum einen werden die Berichte der 150 größten deutschen Unternehmen geprüft, zum anderen können kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ihren Bericht noch bis zum 31. Januar 2016 einreichen. In das IÖW/future-Ranking für KMU werden Berichte von Unternehmen einbezogen, die nicht mehr als 5000 Mitarbeiter/innen oder nicht mehr als 500 Millionen Euro Jahresumsatz haben.

Nicht-finanzielle Berichterstattung für große EU-Unternehmen bald verpflichtend

„Wer transparent über sein Unternehmenshandeln berichtet, wird Nachhaltigkeit auch eher als Grundprinzip im Unternehmen verankern und die soziale und ökologische Leistung kontinuierlich verbessern“

Thomas Korbuhn, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des IÖW

Bislang haben Unternehmen freiwillig Nachhaltigkeitsberichte veröffentlicht. Doch dies ändert sich: Ab dem Geschäftsjahr 2017 ist es für viele Unternehmen mit mehr als 500 Mitarbeitern verpflichtend, Daten etwa zu Umweltschutz, sozialen und Arbeitnehmerbelangen oder zu den Themen Menschenrechte oder Korruptionsbekämpfung zu veröffentlichen. Dies fordert eine im Jahr 2014 verabschiedete EU-Richtlinie, die bis 2017 in nationales Recht überführt sein muss.

„Vor der erstmaligen Einführung einer Berichtspflicht über unternehmensbezogene Nachhaltigkeitsaspekte wollen wir mit unserem Ranking den Stand der Nachhaltigkeitsberichterstattung in Deutschland erfassen“, so IÖW-Projektleiter Gerd Scholl. „Unser Kriterienset für die Bewertung der Nachhaltigkeitsberichte gibt gemeinsam mit unserem transparenten Bewertungsprozess Impulse für eine exzellente Berichterstattung, die die Unternehmen auch auf die Erfüllung der Anforderungen durch die neue Berichtspflicht vorbereiten.“

Im Fokus des Rankings: Themen „Wesentlichkeit“ und „Lieferkette“

Mit einer sogenannten „Wesentlichkeitsanalyse“ identifizieren Unternehmen Themen, die für die Nachhaltigkeit ihres Wirtschaftens besonders wichtig sind. „Wie Unternehmen dies tun und darüber berichten, werden wir in diesem Ranking besonders genau anschauen und es wird in der Bewertung stärker berücksichtigt“, so Udo Westermann, Geschäftsführer von future. „Ein Bericht kann nur gut sein, wenn er auch alle für das entsprechende Unternehmen wesentlichen Themen hinreichend behandelt.“ Weiterhin wurden die Anforderungen für die Berichterstattung zur Verantwortung für die gesamte Lieferkette erhöht, etwa indem Aussagen zu zentralen Beschaffungsbedarfen gefordert werden und quantitative Informationen, die Hinweise auf die Wirksamkeit der umgesetzten Maßnahmen liefern.

Das IÖW/future-Ranking der Nachhaltigkeitsberichte bewertet und prägt seit 1994 die Berichterstattung deutscher Unternehmen über ihre sozialen und ökologischen Herausforderungen und Aktivitäten. Sieger im Ranking 2011 der Berichte von Großunternehmen waren BMW, Siemens und BASF, bei den KMU-Berichten standen Neumarkter Lammsbräu, Memo und die Bremer Straßenbahn AG auf dem Treppchen. Die Bekanntgabe der Ergebnisse für das aktuelle Ranking ist für Juli 2016 geplant.

Die Teilnahmebedingungen stehen online unter www.ranking-nachhaltigkeitsberichte.de

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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