OXFAM hat sich in Haiti menschenrechtsrechtlich fragwürdig verhalten. Im zuständigen Bundestagsausschuss für Wirtschaftliche Zusammenarbeit stellte man sich jetzt den Fragen der Abgeordneten (Foto. pixabay)

Nach dem Bekanntwerden von Fällen sexueller Ausbeutung durch Mitarbeiter von Oxfam 2011 in Haiti hat die Hilfsorganisation die Bildung einer unabhängigen Untersuchungskommission angekündigt.

Bestehend aus führenden Frauenrechtsexpertinnen werde sie Organisationskultur und -prozesse bei Oxfam genau unter die Lupe nehmen und verbindliche Empfehlungen zum Schutz vor Belästigung, Ausbeutung und sexuellem Missbrauch erarbeiten, erklärte die Geschäftsführerin von Oxfam Deutschland, Marion Lieser, am Mittwochnachmittag im Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Außerdem will die Organisation zusätzliche Kapazitäten und Geldmittel bereitstellen, um bereits nach 2011 erfolgte Maßnahmen auszuweiten.

Vor kurzem war bekannt geworden, dass Oxfam-Mitarbeiter die nach dem schweren Erdbeben von 2010 in Haiti waren, Partys mit Prostituierten veranstaltet hatten. Die britische stellvertretende Oxfam-Vorstandsvorsitzende Penny Lawrence, 2011 Programmdirektorin der Organisation, trat daraufhin zurück, die betreffenden Mitarbeiter sind laut Lieser entlassen worden oder ihrer Entlassung durch Kündigung zuvorgekommen. „Die Vorgänge sind beschämend, inakzeptabel und unentschuldbar“, betonte Lieser im Ausschuss. Schon 2011 sei eine interne Untersuchung eingeleitet worden, außerdem habe Oxfam Verfahren entwickelt, um sexuelles Fehlverhalten aufzudecken und zu unterbinden. Darauf wolle man jetzt aufbauen.

Der Geschäftsführer der deutschen Sektion von „Ärzte ohne Grenzen“, Florian Westphal, sagte, jeder Fall von Missbrauch oder Diskriminierung sei „einer zuviel“. Ärzte ohne Grenzen versuche dem Fehlverhalten einzelner durch verschiedene Maßnahmen, etwa bei der Ausbildung und Einweisung von Mitarbeitern, sowie durch Beschwerde- und Reaktionsmechanismen entgegenzuwirken. Wichtig sei insbesondere der Schutz von Opfern und Hinweisgebern, indem man ihnen Vertraulichkeit und Anonymität zusichere. 2017 seien auf Ebene der Hauptquartiere 146 Warnungen oder Beschwerden eingegangen, berichtete Westphal. Allerdings müsse man von einer höheren Dunkelziffer ausgehen. „Ärzte ohne Grenzen“ wolle deshalb seine Beschwerdemechanismen weiter verbessern.

Ein Vertreter der Unionsfraktion sprach von einem Ausnutzen erheblicher Notlagen. Es sei wichtig, dass die großen Hilfsorganisationen für das Thema sensibilisiert seien. Die SPD lobte, dass Oxfam und „Ärzte ohne Grenzen“ sich den Fragen der Abgeordneten stellten. Schließlich seien sie nicht die einzigen Organisationen, die von solchen Fällen betroffen seien. Die AfD erkundigte sich, wie die Vorfälle in Haiti bekannt geworden seien. Auch verwies die Fraktion auf Berichte über ähnliche Vorkommnisse in Afghanistan.

Ob die Organisationen sich vorstellen könnten, mit unabhängigen Experten zu arbeiten, fragte ein Vertreter der FDP. Linke und Grüne verlangten von einem Vertreter des Entwicklungsministeriums (BMZ) Auskunft darüber, ob es ähnliche Vorfälle bei Durchführungsorganisationen der deutschen Entwicklungszusammenarbeit gebe. Der Regierungsvertreter sagte hierzu, dem BMZ seien bisher keine Fälle von sexuellem Missbrauch bekannt geworden.

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