Radgfahren im Tourismus kann ein Mittel gegen Overtourism sein. (Foto: pixabay.com)
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Der Fahrradtourismus boomt – und darauf müssen sich Destinationen einstellen. Es genügt nicht, sich auf vorhandene Radinfrastrukturen zu verlassen. Frank Hofmann, Vize-Vorsitzender vom ADFC, fragte die Podiumsteilnehmer auf der ITB Berlin im Rahmen des Cycling Tourism Days, wie touristische Fahrradprodukte weiterentwickelt werden können, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden.

Seine Kollegin Louise Böhler beschrieb Ansätze, mit denen Destinationen versuchen, mehr Menschen zu häufigeren Radtouren überzeugen zu können. „Fahrradtouristen sind nicht sehr markentreu“, erklärte Böhler.

Wer in diesem Jahr durch Mallorca radele, suche sich für das nächste Jahr vielleicht ein ganz anderes Ziel. Und dafür müsse das Interesse jedes Mal aufs Neue geweckt werden. Dazu gehöre gutes Marketing, gute Routenplaner und eine gute Infrastruktur. Außerdem werde die thematische Ausrichtung der Routen immer wichtiger. Dazu gehöre ein eingängiger Name und Elemente, die das gewählte und gern auch dramatisierte Thema der Route alle 15  bis 20 Kilometer erfahrbar machten.

Moderator Ádám Bodor, EuroVelo Director, European Cyclists’ Federation (ECF) aus Belgien, unterstrich, dass der Schutz der natürlichen Ressourcen immer wichtiger werde. Seine polnische Kollegin Marta Chełkowska, Direktor der Pomorskie Region, bekräftigte: „Fahrradfahren ist das Tourismussegment, das die Natur schützt. Wir brauchen  gute Angebote und gute Produkte, nicht dauernd neue Trails.“ Und dafür seien Partnerschaften nötig mit Hotels, Führern und Restaurants.

Lucijana Natalija Jerković, PR-Managerin des Croatian National Tourist Board, ergänzte: “Die Nachfrage nach  Aktivitätstourismus ist stark wachsend.“ Das könne auch zu einer Entzerrung von Overtourism-Problematiken führen, da Fahrradfahrer niedrigere Temperaturen bevorzugen würden, als Strandurlauber. „Der Radtourismus hat die Saison sehr erweitert.“

Pia Zimmermann von der Ruhr Touristik ist unter anderem verantwortlich für die  Römer-Lippe-Route und den Ruhrtal-Radweg. „Das Radeln am Fluss entlang ist sehr beliebt – auch und besonders bei Einheimischen.“ Für die immer weiter steigende Zahl der Pendler, die sie Strecken auch nutzen, werde jetzt sogar eine Fahrradautobahn geplant. „Ich hatte schon Reiseveranstalter, die die ersten Bauabschnitte dieses Projektes besuchen wollten – so wird eine Fahrradinfrastrukturmaßnahme noch zum Besuchermagnet“, freute sich Pia Zimmermann.

Leon Hoogsteen, Deputy Director von Fietsplatform aus den Niederlanden, hat in  seinem Heimatland Holland zwar schon gute Voraussetzungen für steigende Radbesucherzahlen, setzt jetzt aber auch verstärkt auf mehr Themenrouten. Peter DeBrine, Senior Project Officer beim UNESCO Welterbe aus Frankreich, betonte, wie Ernst das Problem des Overtourism zu nehmen sei. „Wir freuen uns, wenn Menschen länger und intensiver in den Destinationen bleiben.“ Radfahrer könnten Besucherströme entzerren helfen und die Leute dazu bringen, zu anderen Zeiten zu reisen. Außerdem könnten Landschaften und Kulturen vom Fahrradsattel aus intensiv erlebt werden.

Antje Hennecke-Lückingsmeier

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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