Obwohl Treibhausgase eigentlich reduziert werden sollten, sind sie verstärkt in der Atmosphäre nachgewiesen worden. (Foto: pixabay.com)

Das starke Treibhausgas HFC-23 sollte nach Angaben der beiden Hauptproduzenten, China und Indien, bis 2017 so gut wie nicht mehr in die Atmosphäre gelangen. Tatsächlich haben Atmosphärenforscher unter Federführung der Universität Bristol aber Rekordwerte gemessen. Dr. Kieran Stanley, der Leitautor der Studie in der aktuellen Ausgabe von „Nature Communications“, arbeitet seit einem halben Jahr an der Goethe-Universität.

In den vergangenen beiden Jahrzehnten haben Wissenschaftler die Konzentration des HFC-23, das zu den Fluorkohlenwasserstoffen (FKW) gehört, streng überwacht. „Es ist ein sehr starkes Treibhausgas: Die Emission einer Tonne dieser Substanz richtet ebenso viel Schaden an wie die Emission von 12.000 Tonnen CO2“, so der Atmosphärenforscher Prof. Andreas Engel von der Goethe-Universität. HFC-23 entsteht hauptsächlich als ungewolltes Nebenprodukt bei der Herstellung des Kühlmittels HCFC-22.

Indien und China, die als Hauptverursacher gelten, hatten 2015 ehrgeizige Pläne zur Drosselung der Emissionen ihrer Fabriken angekündigt. 2017 berichteten sie, dass so gut wie kein HFC-23 mehr in die Atmosphäre gelangt sei. Infolgedessen sollten die Emissionen des Treibhausgases in der Atmosphäre zwischen 2017 und 2015 einen 90-prozentigen Rückgang zeigen. Wie das internationale Team nun berichtet, sind die Emissionen jedoch weiter angestiegen und haben 2018 einen Rekordwert erreicht.

Die Reduktion von FKWs ist Teil des Kigali-Abkommens, das 2016 als Nachtrag zum Montreal-Abkommen geschlossen wurde. Es ist im Januar 2020 in Kraft getreten. Obwohl China und Indien das Abkommen nicht ratifiziert haben, hatten sie nach eigenen Angaben die Emissionen massiv reduziert. „Unsere Studie legt nahe, dass es China nicht gelungen ist, HFC-23 in dem angegebenen Maß zu reduzieren“, folgert Dr. Kieran Stanley, der die Messungen an der Universität Bristol im Rahmen des internationalen Messnetzwerkes AGAGE machte. Ob es Indien gelungen ist, seine Emissionen zu reduzieren, müssen weitere Messungen zeigen.

„Dies ist nicht das erste Mal, dass Kontroversen über die Emission von HFC-23 entstehen“, bedauert Kieran Stanley. Zwischen 2005 und 2010 hatten die Industrienationen mit der UN-Rahmenkonvention der Vereinten Nationen über Klimaänderung für die Schwellenländer Anreize geschaffen, ihre Emissionen zu reduzieren. Zwar ging die Emissionen des gefährlichen Treibhausgases währenddessen zurück, jedoch schuf das System falsche Anreize, weil die Hersteller ihre Prozesse nicht optimierten, sondern mehr schädliche Nebenprodukte erzeugten, um mehr Fördermittel für deren Vernichtung einstreichen zu können.

Das Institut für Atmosphäre und Umwelt der Goethe-Universität, an dem Kieran Stanley inzwischen als Postdoktorand arbeitet, führt an seiner Messstation am kleinen Feldberg seit 2013 regelmäßig Messungen vieler halogenierter Spurengase durch. Diese Messungen sind seit kurzem auch an das AGAGE Netzwerk angebunden.

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