Kupfer ist in vielen Pflanzenschutzmitteln enthalten. Jetzt wurde auf einer Tagung darüber beraten, wie man es ersetzen kann. (Foto.: Pixabay.com)

Auf dem Wirkstoff Kupfer basierende Pflanzenschutzmittel sind im ökologischen und integrierten Anbau bisher unersetzbar bei der Bekämpfung von Pilzkrankheiten. Auf der 3. Europäischen Kupfertagung diskutierten jetzt Mitte November etwa 100 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Praktiker und Berater aus insgesamt acht Ländern im Julius Kühn-Institut (JKI) in Berlin Ansätze zur Minimierung des Kupfereinsatzes.

Die weitere Verwendung des Wirkstoffs Kupfer steht auf EU-Ebene offenbar kurz bevor. Eric Liegeois aus der Abteilung Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission (SANTE) berichtete auf der Tagung, dass die Kommission den EU-Mitgliedstaaten einen Vorschlag für den Wirkstoff Kupfer für sieben Jahre vorgelegt habe. Danach könnten in diesem Zeitraum insgesamt maximal 28 kg Reinkupfer pro Hektar zu Pflanzenschutz-Zwecken angewendet werden. Das entspricht höchstens 4 kg Kupfer pro Hektar pro Jahr. Unabhängig von einer möglichen Neuzulassung von kupferhaltigen Mitteln arbeiten Praktiker und Forscher intensiv an innovativen alternativen Konzepten, um die Anwendung von Kupfer weiter zu verringern. Vor allem in Sonderkulturen wie dem Obst- und Weinbau, Gemüse, aber auch Kartoffeln können weder konventionell noch ökologisch wirtschaftende Betriebe auf absehbare Zeit auf Kupfer als Pflanzenschutzmittel verzichten.

Risikobewertung von Naturstoffen – wissenschaftlich anspruchsvoll
Die IFOAM EU-Group – der europäische Dachverband der Bio-Branche war erstmalig neben dem Julius Kühn-Institut (JKI) und dem Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft e.V. (BÖLW) Veranstalter der Tagung. Gefördert wurde diese vom Bundesprogramm Ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN). Ein Schwerpunkt der Veranstaltung war die Frage, wie potenzielle Risiken von Kupfer für Mensch und Umwelt wissenschaftlich korrekt bewertet werden können. Eine Herausforderung, da bisherige Bewertungsverfahren auf synthetische Substanzen und nicht auf Naturstoffe wie Kupfer ausgerichtet sind, die im Ökosystem natürlicherweise nicht vorkommen. Viele Fachleute begrüßen daher den Auftrag der Kommission an die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) neue Bewertungsleitlinien zu entwickeln.

Kupferminimierung ist forschungs- und ressourcenaufwändig
Aktueller Ergebnisse von Kupferminimierungsstrategien in Deutschland, Österreich und Frankreich wurden präsentiert. Dabei wurde deutlich, dass die Entwicklung wirksamer Konzepte zur weiteren Reduktion des Kupfereinsatzes Zeit und Ressourcen für Forschung und Entwicklung benötigt. Nur dann können Lösungsansätze aus dem Labor erfolgreich in die Praxis umgesetzt werden. Das gilt insbesondere für die Züchtung von langjährig widerstandsfähigen Sorten. Aktuell investiert die EU jedoch weniger als 1 % ihrer Forschungsmittel in solche Fragen, wie Isabella Lang von der IFOAM EU-Group zu bedenken gab.

Ausblick: Kupfer bleibt wichtig – und eine Herausforderung
Zum Abschluss fasste Prof. Dr. Stefan Kühne vom Julius Kühn-Institut die Besonderheiten von Kupfer als Pflanzenschutzmittel zusammen. Die unterschiedlichen natürlichen Kupferhintergrundkonzentrationen, die Akkumulation in der oberen Bodenschicht und Alterungsprozesse, die zur Immobilisierung des Metalls beitragen. Diese und weitere Faktoren wie z. B. der Gehalt organischer Bodensubstanz, der pH-Wert und die Witterung machen eine umfassende Umweltbewertung kompliziert. Damit die Abhängigkeit von Kupfer weiter sinken kann, müssten laut Kühne die Minimierungsstrategien auf nationaler wie europäischer Ebene vorangetrieben werden. Fortschritte dabei sollen auf der nächsten Kupfer-Tagung im kommenden Jahr 2019 aufgezeigt werden.

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