Die Stadt München ist Vorreiterin beim Thema Corporate Health.

Schlechte Führung kann Mitarbeiter krank machen. Galten kommunale Betriebe lange Zeit als verstaubt und antiquiert, haben inzwischen moderne Managementmethoden in den städtischen Verwaltungen Einzug gehalten. Ein gutes Beispiel ist München. Wir sprachen mit Dr. Thomas Böhle, Personal- und Organisationsreferent der Stadt München über das Thema Führungskräftemotivation und Gesundheit.

Das Feld Führung und Gesundheitsmanagement ist für die Münchener Stadtverwaltung sehr wichtig. Allein im Jahr 2010 bietet die Stadt München ihren 2.800 Führungskräften 253 breit gefächerte Fortbildungsveranstaltungen an. „In die Qualifizierungsreihe für diejenigen, die erstmals Führung übernehmen, investieren wir pro Jahr 1, 2 Millionen Euro. Die Ausgaben rechnen sich, weil gute Führung die Arbeitszufriedenheit steigert und Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motiviert, sich engagiert einzubringen. Wir vermitteln Methodenwissen, zum Beispiel zum Führen von Mitarbeitergesprächen oder zum Abschluss von Zielvereinbarungen und animieren unsere Führungskräfte, sich mit ihrer eigenen Führungspersönlichkeit auseinander zu setzen. Eine Kommunikations- und Anerkennungskultur gehört ebenso dazu wie die Eröffnung von Perspektiven für die Weiterentwicklung,“ berichtet Dr. Böhle.

Eigennütziges Investment

Dabei ist das Investment in die Führungskräfteschulung durchaus auch eigennützig zu betrachten. Denn es gibt einen Zusammenhang zwischen gesundheitlichen Risiken von Mitarbeitern und dem Führungsverhalten. „Die Art der Führung wirkt sich auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus. Nicht nur das: Wird Führung im Unternehmen positiv wahrgenommen, steigert das auch die Produktivität,“ erläutert Dr. Böhle. Mittlerweile könne die Stadt München diese wissenschaftlich eindeutig belegten Aussagen mit eigenen Zahlen untermauern. So hätten Befragungen in mehreren Verwaltungsbereichen der Stadt ergeben, dass die Arbeitsfähigkeit im Zusammenhang mit dem erlebten Führungsverhalten stehe.

Kosten für schlechte Führung

Die Kosten, die schlechte Führung und die dadurch entstehende schlechte Mitarbeitermotivation verursacht, beziffert einer Studie des Meinungsforschungsinstitutes Gallup aus dem vergangenem Jahr zwischen 81 und 109 Milliarden Euro pro Jahr. Laut Gallup sind nur 13 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit Engagement bei der Sache, 67 Prozent machen Dienst nach Vorschrift und 20 Prozent haben innerlich gekündigt. „Es liegt nahe,“ so der Personal- und Organisationsreferent der Stadt München, „dass diese Werte auch auf Defizite im Führungsverhalten zurückzuführen sind.“

Breite Implementierung

Schon aus diesem Grund habe die Stadt München das Thema Führung und Gesundheit breit implementiert. “Es ist in das Personalauswahlverfahren, in das Teamentwicklungsinstrument „Führungsdialog“ und die Führungskräftefortbildung integriert. Über etablierte Fortbildungsangebote werden Führungs- und Führungsnachwuchskräfte mit den allgemeinen Inhalten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements inklusive des Arbeits- und Gesundheitsschutzes vertraut gemacht.

Ihnen wird hierbei auch der besondere Zusammenhang zwischen dem Führungsverhalten und Wohlbefinden ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aufgezeigt.“ Darüber hinaus wurden die obersten Führungsebenen im Rahmen von Großveranstaltungen für das Thema „Gesunde Führung“ sensibilisiert. Die Stadt München hat dafür Experten aus der Wissenschaft, gewinnen können. „Wichtig zu erwähnen ist noch einmal die Tatsache, dass insbesondere die Führungskräfte auf allen Ebenen eine wichtige Funktion einnehmen. Sie heben eine wichtige Vorbild- und Promotorenfunktion und müssen Betriebliches Gesundheitsmanagement als einen Teil ihrer Führungsaufgabe betrachten. Gerade die Führungskräfte sind bei allen Aktivitäten des Betrieblichen Gesundheitsmanagements von vorne herein, dass heißt schon in der Planungsphase, aktiv beteiligt, erläutert Dr. Böhle.

Corporate Health Award 2009 für die Stadt München

Aufgrund der vielseitigen und nachhaltigen Aktivitäten auf dem Gebiet des Betrieblichen Gesundheitsmanagements wurde die Landeshauptstadt München im November 2009 mit dem Exzellenz-Siegel zum Corporate Health Award ausgezeichnet. Der Preis testiert der Statd, dass sie ein herausragendes betriebliches Gesundheitsmanagement etabliert hat, das zu den besten deutschlandweit zählt.

Das Betriebliche Gesundheitsmanagement ist strukturell und strategisch in die Unternehmensprozesse integriert und fördert eine unternehmensweite Gesundheitskultur. Die Mitarbeiter profitieren von umfassenden, genau auf ihre Bedarfe abgestimmten Gesundheitsleistungen, werden in ihrer Leistungsfähigkeit und Motivation nachhaltig gestärkt. Der Preis steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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