Die Vereinten Nationen haben neue Hochrechnungen zur weltweiten Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht. Sie zeigen: Vor allem Subsahara-Afrika ist weiter auf Wachstumskurs. (Foto: pixabay.com)

Die Vereinten Nationen haben neue Hochrechnungen zur weltweiten Bevölkerungsentwicklung veröffentlicht. Sie zeigen: Vor allem Subsahara-Afrika ist weiter auf Wachstumskurs.

Bis zum Jahr 2050 dürfte die Weltbevölkerung von heute 7,7 auf 9,7 Milliarden Menschen anwachsen. Das ergibt sich aus der neuen Vorausschätzung der Vereinten Nationen, die gestern in New York veröffentlicht wurde. Die Demografen der Bevölkerungsabteilung korrigierten dabei die bis Mitte des Jahrhunderts zu erwartende Zahl an Menschen gegenüber ihrer letzten Hochrechnung im Jahr 2017 leicht nach unten – um insgesamt rund 37 Millionen. Darin unterscheidet sich die aktuelle Vorausschätzung von den vorangegangenen: In den letzten drei Revisionen von 2012, 2015 und 2017 haben die Statistiker die Hochrechnungen stets nach oben korrigiert.

Anhaltend hohes Wachstum in Afrika südlich der Sahara

Auch für den afrikanischen Kontinent haben die Experten der Vereinten Nationen die für 2050 geschätze Bevölkerungszahl etwas nach unten angepasst. An der Herausforderung, die sich insbesondere für die Staaten südlich der Sahara ergibt, ändert das jedoch nichts: Bis zur Mitte des Jahrhunderts dürfte dort die Zahl der Menschen von heute rund 1,1 auf 2,1 Milliarden anwachsen und sich damit fast verdoppeln. Mehr als die Hälfte des weltweiten Bevölkerungszuwachses bis 2050 würde damit auf diese Weltregion entfallen.

Grund für den enormen Anstieg sind die anhaltend hohen Kinderzahlen. Während heute etwa die Hälfte der Weltbevölkerung in Ländern lebt, in denen die Geburtenziffer bereits unter dem bestandserhaltenden Niveau von 2,1 Kindern je Frau liegt, sind die Länder südlich der Sahara mit durchschnittlich 4,7 Kindern je Frau von diesem Niveau noch weit entfernt.

Der Zuwachs in den kommenden 30 Jahren bedeutet, dass etwa eine Milliarde Menschen zusätzlich mit Nahrung, Schulen, Gesundheitsdiensten und vor allem Arbeitsplätzen zu versorgen ist. Zudem verhindern die hohen Geburtenziffern einen Wandel der Altersstruktur, aus dem sich ein demografiebedingter Entwicklungsschub ergeben könnte, wie ihn etwa die asiatischen Tigerstaaten erlebt haben. Um Entwicklungsfortschritte zu machen und eine „demografische Dividende“ zu realisieren, müsste sich der Rückgang der Fertilitätsraten in Afrika deutlich beschleunigen.

Von Vorreiterstaaten lernen

In einigen afrikanischen Staaten zeigen sich aber bereits positive Entwicklungen. Länder wie Tunesien, Marokko oder Botsuana weisen bereits vergleichsweise niedrige Geburtenziffern auf. Andere, wie etwa Äthiopien oder Senegal, erleben aktuell einen raschen Rückgang der Kinderzahlen. Welche Umstände und Interventionen direkt oder indirekt dazu beitragen, hat das Berlin-Institut in der Studie „Afrikas demografische Vorreiter. Wie sinkende Kinderzahlen Entwicklung beschleunigen“ anhand von sieben regionalen Vorreiterstaaten untersucht. „Die Erfahrungen aus diesen Ländern zeigen deutlich, dass die Kinderzahlen zurückgehen, wenn es Staaten gelingt, Fortschritte in den Bereichen Bildung, Gesundheit und bei der Schaffung von Arbeitsplätzen zu machen“, sagt Reiner Klingholz, Direktor des Berlin-Instituts. „Daraus lassen sich Lehren für andere afrikanische Staaten ziehen, die in ihrer demografischen Entwicklung weniger weit fortgeschritten sind.“

Die internationale Staatengemeinschaft sollte diese Staaten gezielt dabei unterstützen, Fortschritte in den genannten Kernentwicklungsbereichen zu erzielen, um den Fertilitätsrückgang zu beschleunigen. Zudem gilt es die Thematik des Bevölkerungswachstums stärker ins Zentrum der außen- und entwicklungspolitischen Debatten zu rücken. “Es muss offen, klar und pragmatisch über die Frage diskutiert werden, wie sich das Bevölkerungswachstum in Subsahara-Afrika demokratisch und menschenwürdig reduzieren lässt“, fordert Reiner Klingholz. „Dies ist die Grundlage dafür, dass sich die Lebensbedingungen in den betroffenen Staaten verbessern können.“

Zur Studie „Afrikas demografische Vorreiter“: https://www.berlin-institut.org/publikationen/studien/afrikas-demografische-vorreiter
Die neuen UN-Hochrechnungen finden Sie hier: https://population.un.org/wpp/

 

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