Das Thünen-Institut hat eine Bodeninventur in Deutschland vorgenommen und den Wert der Böden für den Klimaschutz festgestellt. (Foto: Pixabay)

Erstaunliche Ergebnisse hat das Thünen-Institut in Sachsen-Anhalt beim größten bodenkundlichen Projekt der Republik ermitteln können. Innerhalb einer sieben Jahre andauernden Bodeninventur konnte ermittelt werden, wie wichtig die Böden in Deutschland für den Klimaschutz sind.

csm_180115_BZE_Profilgrube_cc8a580ddf Thünen-Institut: Die Bedeutung von Böden für den Klimaschutz: Größer als gedacht Klima

Die einen Meter tiefe Profilgrube auf der letzten Probenahmefläche in Sachsen-Anhalt (© Roland Prietz/Thünen-Institut)

Die 1 Meter tiefe Profilgrube auf der letzten Probenahmefläche in Sachsen-Anhalt (© Roland Prietz/Thünen-Institut)

Mit der Beprobung eines Grünlandstandorts im Bundesland Sachsen-Anhalt hat das Thünen-Institut Ende 2017 die Feldarbeiten im größten bodenkundlichen Projekt Deutschlands, der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft, abgeschlossen. Die Probenahmen dauerten knapp sieben Jahre und führten die Untersuchungsteams durch das gesamte Bundesgebiet.

Für die Erhebung hatte das Thünen-Institut für Agrarklimaschutz in einem 8 x 8 km Raster die Böden der Felder und Wiesen in ganz Deutschland bis in einen Meter Tiefe beprobt. Mit dieser im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft durchgeführten Bodeninventur wird erstmalig die Kohlenstoffmenge bestimmt, die in landwirtschaftlichen Böden Deutschlands als Humus gespeichert ist. Diese Kohlenstoffspeicherung ist nicht nur wichtig für die Bodenfruchtbarkeit, sondern auch für das Klima und den Klimaschutz, denn jede Tonne Kohlenstoff, die im Boden festgelegt ist, entlastet die Atmosphäre vom Treibhausgas Kohlendioxid. Mit der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft wird folglich auch das Klimaschutzpotenzial der landwirtschaftlich genutzten Böden erfasst. Eine Wiederbeprobung im Turnus von 10 Jahren ist bereits in Planung. „Dies würde uns ermöglichen, Veränderungen des Humusvorrats aufzuzeigen und den Beitrag der deutschen Landwirtschaft zum Klimaschutz durch den Erhalt und den gezielten Aufbau von Humus zu dokumentieren“, erklärt Dr. Axel Don vom Thünen-Institut. „Eine Landwirtschaft, die Humus aufbaut, macht die Böden außerdem fit für die Zukunft, denn sie verbessert die Wasserspeicherfähigkeit und die Struktur des Bodens. Damit werden Böden und Pflanzen weniger anfällig für Trockenstress und andere Wetterextreme“.

Bodeninventur

Eine bundesweite Bodeninventur ist nur mit vielen helfenden Händen zu bewältigen. An rund 3.100 Probenahmestellen wurden in den letzten Jahren mehr als 260 Tonnen Boden in Form von 155.290 Einzelproben gewonnen und nach Braunschweig ins Bodenlabor des Thünen-Instituts transportiert. „Bei uns laufen die Bodenaufbereitung und Analysen auf Hochtouren, denn bis Ende 2018 sollen alle Messergebnisse vorliegen“, sagt Laborleiter Dr. Arne Heidkamp. „Mit dem Ende der Freilandarbeiten ist ein wichtiger Meilenstein geschafft“, erläutern Dr. Anna Jacobs und Roland Prietz vom Koordinationsteam der Bodenzustandserhebung Landwirtschaft. „Unser Dank gilt besonders den vielen Landwirten, die teilgenommen haben und uns bei der Beprobung ihrer Böden unterstützten. Man merkt, dass den Landwirten das Thema Boden wichtig ist, denn die Böden sind ihr wichtigstes Kapital.“ Über 32 000 Telefonate führte die Koordinationszentrale im Thünen-Institut mit den Landwirten, um die Probenahmen optimal vorzubereiten und die Wünsche der Landwirte zu berücksichtigen. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden den einzelnen Betrieben zur Verfügung gestellt.

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Aufbereitung der Proben für den Weitertransport ins BZE-Bodenlabor (© Roland Prietz/Thünen-Institut)

Die laufenden Messungen und Auswertungen lassen interessante Ergebnisse erwarten. „Es zeichnet sich ab, dass in den landwirtschaftlich genutzten Böden in Deutschland insgesamt deutlich mehr organischer Kohlenstoff bevorratet ist als in allen Bäumen, die in Deutschland wachsen“, sagt Dr. Axel Don. „Die Bedeutung der landwirtschaftlichen Böden für den Klimaschutz ist damit größer als wir bisher angenommen haben“.

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