Stiftungen kümmern sich um Entwicklungszusammenarbeit.

Über 1.700 deutsche Stiftungen arbeiten mit Bezug zu Entwicklungszusammenarbeit. Entwicklungsminister Gerd Müller betont Bedeutung des Stiftungswirkens.  StiftungsReport mit Daten, Fakten und Good-Practice-Beispielen in Berlin vorgestellt

In Zeiten wachsender globaler Herausforderungen wird die Entwicklungszusammenarbeit immer wichtiger. Dies zeigt sich auch in der Stiftungswelt: 1.766 deutsche Stiftungen aller Rechtsformen engagieren sich unmittelbar oder mittelbar im Feld der Entwicklungszusammenarbeit.

Unter den 21.301 rechtsfähigen Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland sind es 5,7 Prozent. Der heute in Berlin vorgestellte StiftungsReport „Entwicklungszusammenarbeit: Wie Stiftungen weltweit wirken“ zeigt darüber hinaus einen Trend: immer mehr Stiftungen sind in der Entwicklungszusammenarbeit aktiv. Wurden in den 1960er Jahren nur 2,9 Prozent der rechtsfähigen Stiftungen für den Zweck Entwicklungszusammenarbeit errichtet, waren es in den 2000er Jahren bereits 7,2 Prozent.

Die Veröffentlichung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen in Kooperation mit dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), Engagement Global, der Stiftung Hilfe mit Plan und der Karl Kübel Stiftung zeichnet ein aktuelles Bild des globalen Wirkens deutscher Stiftungen und des Potentials.
Bundesminister Müller erklärt anlässlich des vorgestellten StiftungsReports: „Private Stifterinnen und Stifter engagieren sich zunehmend in der Entwicklungszusammenarbeit. Als Impulsgeber, Innovationsförderer, Finanzier oder auch Projektträger fördern sie die Verbesserung von Lebensbedingungen weltweit. Wir unterstützen das Engagement der Stiftungen ausdrücklich, denn gemeinsam können wir noch mehr bewirken.“

Deutsche Stiftungen weltweit aktiv – Schwerpunkte in Afrika und Asien

Deutsche Stiftungen sind in zahlreichen Ländern der Welt aktiv. Laut Datenbank Deutscher Stiftungen engagiert sich eine deutliche Mehrheit der in der Entwicklungszusammenarbeit tätigen Organisationen, rund 70 Prozent, auf dem afrikanischen Kontinent, 61 Prozent in Asien, 57 Prozent in Süd- und Mittelamerika und 43 Prozent in Osteuropa. Dabei dominieren mit 60 Prozent vor allem Stiftungen, die fördernd tätig sind und ihre Mittel an andere Organisationen geben, ohne eigene Projekte durchzuführen. Beispielsweise unterstützen sie Nichtregierungsorganisationen (NROs) sowie regionale Organisation vor Ort durch Zuschüsse oder Kredite. 13 Prozent der betrachteten Stiftungen sind ausschließlich mit eigenen Projekten operativ tätig, weitere 27 Prozent operativ und fördernd. Es sind vor allem kleinere und mittlere Stiftungen, die das Feld der Entwicklungsarbeit prägen. Rund 55 Prozent der untersuchten Stiftungen geben unter 50.000 Euro im Jahr für den Satzungszweck aus, 25 Prozent zwischen 50.000 bis 500.000 und nur 19 Prozent über 500.000 Euro.

Stiftungen verfolgen dabei unterschiedliche Ansätze und Methoden. Eine Leitidee für nachhaltiges globales Stiftungshandeln sind die im September 2015 von der UN von 193 Staaten verabschiedeten weltweiten Entwicklungszielen, den Sustainable Development Goals (SDGs) im Rahmen der Agenda 2030. Dabei ist die Agenda 2030 laut einer Umfrage des StiftungsPanels im September 2016 bisher bei mehr als die Hälfte der befragten Stiftungen (noch) unbekannt (58 Prozent, n=200). Unter den Stiftungen, die die Agenda 2030 kennen, orientieren sich knapp 24 Prozent in der Stiftungsarbeit an den SDGs (n=200).

StiftungsReport will den Blick weiten

Wie sich deutsche Stiftungen in der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) engagieren, ist bisher kaum bekannt. „Der neue StiftungsReport des Bundesverbandes nähert sich der Thematik erstmals systematisch über Daten, Fakten und 83 Good-Practice-Beispielen, um den Blick zu weiten und die vielfältigen Möglichkeiten von Entwicklungszusammenarbeit aufzuzeigen.“ erläutert Anke Pätsch, Leiterin Internationales beim Bundesverband Deutscher Stiftungen.

Der Bericht beleuchtet neben dem Auslandsengagement auch Inlandsarbeit und globales Lernen im Sinne der SDGs als wichtige Handlungsfelder, in denen sich deutsche Stiftungen engagieren. Im Fokus steht dabei unter anderem die globale Zukunftssicherung, etwa durch Ressourcenschutz und die Förderung von Konzepten gegen den Klimawandel.

„Für nachhaltiges Stiftungshandeln ist der Blick über den geographischen Tellerrand mittlerweile unverzichtbar. Nur wer über Grenzen hinaus denkt und handelt, ist den Herausforderungen unserer Zeit gewappnet. Mit dem neuen StiftungsReport begleitet der Bundesverband seine Mitglieder auf dem Weg hin zu stärkerer internationaler Vernetzung, beantwortet Fragen und zeigt Perspektiven auf“, so Felix Oldenburg, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen.

Bundesverband Deutscher Stiftungen

Als unabhängiger Dachverband vertritt der Bundesverband Deutscher Stiftungen die Interessen der Stiftungen in Deutschland. Der größte Stiftungsverband in Europa hat mehr als 4.100 Mitglieder; über Stiftungsverwaltungen sind ihm 8.000 Stiftungen mitgliedschaftlich verbunden. Damit repräsentiert der Dachverband rund drei Viertel des deutschen Stiftungsvermögens

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