Verbietet das Bauen, Daniel Fuhrhop hat eine interessante Streitschrift veröffentlicht.

In der aktuellen Diskussion über mangelnden Wohnraum sowie die Herausforderungen von Städten, die in Zukunft wachsen werden, wie beispielsweise Berlin oder Leipzig ist ein Buchtitel wie „Verbietet das Bauen“ mehr als provokativ.

Viele Akteure in den wachsenden Städten wie Berlin oder Leipzig sehen im Neubau die einzige Chance, aus der Wohnungsmisere herauszukommen. Als Beschleuniger wird die aktuelle Flüchtlingskrise dienen, die die Forderung nach zusätzlichem Wohnraum lauter werden lässt. Möglicherweise werden auch diejenigen, die als Mittelschichtangehörige in den Gentrifizierungshochburgen Berlins, Hamburgs oder Münchens Angst um die Bezahlbarkeit ihres Wohnraums haben, zumindest bei dem Titel zumindest irritiert sein.

Es ist ja bekanntlich schwer, ein Buch vom Titel her zu beurteilen, vor allem dann, wenn es sich um eine Streitschrift handelt. Ein Blick hinein in das Buch von Daniel Fuhrhop lohnt sich aber auf alle Fälle.

Denn was Fuhrhop beschreibt, ist nicht von der Hand zu weisen. So nimmt der Raumbedarf von Menschen immer mehr zu. Inzwischen sind es rund 45 Quadratmeter pro Person, die für einen Einzelnen zur Verfügung stehen, auch Dämmung kann in der Bilanz kaum den Bedarf an zusätzlicher Raumwärme ausgleichen. Vor dem Hintergrund, dass eine Fläche von rund 113 Fußballfeldern täglich in Deutschland verschwindet, ist Fuhrhops These, dass es genug leerstehende oder unzureichend genutzte Gebäude gibt, um den gesamten Raumbedarf aller Unternehmen,  öffentlicher Einrichtungen und Menschen abzudecken, überlegenswert.

Vielen Politikern wird dieses Buch nicht gefallen, weil sie tradierte Denkweisen verlassen müssten, um die Argumente Fuhrhops nachzuvollziehen. Bei  vielen Bürgern unterdessen wird es Anklang finden. Die Bürgerinitiativen zum Erhalt des Tempelhofer Feldes in Berlin sind ja auch entstanden, weil die planlose Planpolitik der öffentlichen Hand vielfach auf Misstrauen und Ablehnung trifft.

Daniel Fuhrhop offeriert in seinem Buch auch eine Fülle von Ideen, Neubau überflüssig zu machen, Altbauten zu erhalten, Leerstand zu beseitigen und unsere Städte neu zu beleben. Mit 50 „Werkzeugen“ zeigt „Verbietet das Bauen“, wie wir unsere vorhandenen Häuser anders und besser nutzen können; die Liste umfasst ökonomische und soziale Argumente, Tipps für Fachleute von Architektur und Immobilien bis Stadtplanung genauso wie für jeden von uns, ob beruflich oder privat.

Verbietet das Bauen

Daniel Fuhrhop, „Verbietet das Bauen! Eine Streitschrift“, 192 Seiten, Hardcover, ISBN 978-3-86581-733-4, 17,95 Euro / 18,40 Euro (A). Auch als E-Book erhältlich.

 

 

 

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

Ähnliche Beiträge

Esskultur ist ein wichtiger Bestandteil nachhaltigen Lebens. Das neue Förderprogramm „Fonds...

Ein gesunder Lebensstil erhöht die Lebenserwartung um bis zu sieben Jahre. Menschen, die nicht...

Eine BBSR-Analyse nimmt die Bevölkerungsentwicklung der Großstädte seit Beginn der 90er Jahre unter...

Antworten