In Haushalten mit geringem Einkommen wird statistisch mehr rohes und verarbeitetes Fleisch konsumiert als bei Besserverdienenden. (Foto. pixabay.com)

In Haushalten mit geringem Einkommen wird statistisch mehr rohes und verarbeitetes Fleisch konsumiert als bei Besserverdienenden. Forschungsergebnisse aus Australien legen nahe, dass es eine Verbindung zwischen der Wahrnehmung des eigenen sozio-ökonomischen Status und dem Fleischkonsum gibt. Offenbar führt der Konsum von Fleisch dazu, dass man sich stark und überlegen fühlt. Das Verständnis der psychologischen Hintergründe könnte helfen, den Fleischkonsum der Gesellschaft zu beeinflussen.

Der Verzehr von Fleisch ist ein Symbol von Macht und Status. Die, die ihren sozio-ökonomischen Status gering einstufen, bevorzugen es, Fleisch zu konsumieren und essen aufgrund dieser Selbstwahrnehmung sogar mehr davon. Dies belegen nun aktuelle Forschungsergebnisse von Wissenschaftlern der Monash University und der University of Technology Sydney (UTS).

Die Studie, die diese Woche im Journal Appetite veröffentlicht wurde, hat bestätigt, dass Teilnehmer, die sich selbst eher einen geringen sozio-ökonomischen Status zuschreiben, fleischlastige Ernährung bevorzugen. Die Marketingpsychologen Dr Eugene Chan von der Monash Business School und Dr Natalina Zlatevska von der Business School der UTS haben die Studie durchgeführt, um die psychologischen Hintergründe des Fleischkonsums und die Art und Weise, wie eben diese beeinflusst werden können, besser zu verstehen.

„Es gibt eine symbolische Verbindung zwischen dem Fleischkonsum und Gefühlen von Stärke, Macht und Männlichkeit. Traditionell ist Fleisch ein Nahrungsmittel, dem ein hoher Status zugeschrieben wird. Man serviert es seinen Gästen oder als Herzstück eines festlichen Anlasses. Deshalb wollten wir diese Verbindung zum Status besser verstehen,“ so Dr Zlatevska.

Mithilfe einer Reihe von Experimenten waren die Wissenschaftler in der Lage zu zeigen, dass es eher der Wunsch nach Status, anstatt anderer Variablen wie Hunger oder möglicher ernährungsbedingter Vorteile war, der die Fleischpräferenz bedingte.

Eines der Experimente beinhaltete den „Beast Burger“, der entweder als fleischbasiert oder vegetarisch beschrieben wurde, jedoch mit demselben Ernährungsprofil und derselben Verpackung angeboten wurde. Es gab eine höhere Nachfrage nach dem Fleischprodukt bei den Teilnehmern, die sich geringer im sozio-ökonomischen Status einstuften.

Die Haltung zum Fleischkonsum und Wege, den Konsum zu verändern, ist für Konsumpsychologen, die Fleischindustrie und für Befürworter von geringerem Fleischkonsum aufgrund von Gesundheits-, Umwelt- oder Tierschutzgründen relevant.

Ärzte und Ernährungsberater raten generell dazu, weniger rotes Fleisch zu sich zu nehmen und insbesondere auf verarbeitetes Fleisch wie Salami oder Wurst zu verzichten. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat eine starke Verbindung zwischen dem Verzehr von verarbeitetem Fleisch und Krebs gefunden.

Studien aus dem Vereinigten Königreich und Frankreich haben gezeigt, dass Arbeiterfamilien und Haushalte mit geringem Einkommen mehr rohes und verarbeitetes Fleisch konsumieren als Besserverdiener. Somit werden die neuen Erkenntnisse der australischen Wissenschaftler bestätigt.

Laut der OECD konsumieren Australier durchschnittlich 92,5kg Fleisch pro Person im Jahr. Damit liegen sie signifikant über dem weltweiten Durchschnitt. Als vegetarisch bezeichnen sich momentan etwa 11% der Australier, doch die Tendenz ist steigend.

Die Wissenschaftler mutmaßen, dass man die potenziellen Konsumenten dazu bewegen kann, sich einem höheren oder niedrigeren sozio-ökonomischen Status angehörig zu fühlen, beispielsweise durch Sozialvergleich oder Marketing-Nachrichten, und somit das Ausmaß des Fleischkonsums beeinflussen zu können.

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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