Tourismus ist ein wichtiger Jobmotor für Afrika (Foto: pixabay.com)

Tourismus ist einer der besten Jobmotoren, vor allem in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Wenn wir an Reisen und Tourismus denken, dann sehen wir vor unserem inneren Auge, ferne Länder, Sonne, Strand und Meer. Urlaub und Reisen, das sind die schönsten Wochen des Jahres, die sich hart arbeitende Menschen vom ihrem Lohn absparen um in fernen Ländern Urlaub zu machen. 

Zunächst einmal bedeutet Urlaub für jeden einzelnen ein hochindividuelles, einzigartiges Erlebnis, das unverwechselbar ist. Je schöner dieses ist, desto mehr wird vergessen, dass dahinter ein kompletter Wirtschaftszweig steht.

Wirtschaftsfaktor in Deutschland

Dabei ist Tourismus, also die Industrie, die sich um die schönste Zeit des Jahres kümmert, in Deutschland ein wichtiger Wirtschaftsfaktor. Eine vor zwei Jahren vom Bundeswirtschaftsministerium und dem Bundesverband der Deutschen Tourismuswirtschaft veröffentlichte Studie besagt, dass hierzulande damit jährlich rund 290 Milliarden Euro umgesetzt werden, Tendenz steigend. Das gilt auch für die ausländischen Besucher, die allein 40 Milliarden Euro zwischen Flensburg und Passau lassen. Und dabei ist Deutschland ein industriell recht diversifiziertes Land, in vielen anderen Staaten der Erde, spielen Reisende eine noch größere Rolle und tragen erheblich zu Wohlstand und Entwicklung bei. 

Weltweite Bedeutung

Die weltweite Bedeutung des Tourismus wird selbst von Wirtschaftsexperten regelmäßig unterschätzt. Im vergangenen Jahr verzeichneten die Statistiken weltweit mehr als 1,4 Milliarden internationale touristische Ankünfte, das sind etwa sechs Prozent mehr als noch im Vorjahr. Was die Statistik verschweigt, sind die Binnenreisen, die stattfinden, etwa wenn ein Ägypter für drei oder vier Tage seine Hauptstadt besucht oder ein Farmer in Ohio drei Tage lang den Broadway unsicher macht. Doch auch ohne diese rein nationalen Reisen, verzeichnet der Tourismus – im Gegensatz zu anderen Branchen, die durch Zoll und Handelskrisen gekennzeichnet sind – nach wie vor ein rasantes Wachstum. In diesem Jahr wird der globale Tourismus erneut um drei bis vier Prozent steigen. Allein zwischen Januar und Juni 2019 erhielten die Reiseziele weltweit 671 Millionen internationale Touristenankünfte, fast 30 Millionen mehr als im gleichen Zeitraum des Jahres 2018 und eine Fortsetzung des Wachstums des Vorjahres.

Tourismus kreiert Arbeit

Das sind beeindruckende Gesamtzahlen, doch eine Betrachtung wird dabei häufig außer Acht gelassen: Tourismus ist eine Jobmaschine. So trug der Tourismus im Jahr 2017 mehr als zehn Prozent zur globalen Wirtschaftsleistung bei. Der Tourismus ist eine wichtige Beschäftigungsquelle, da er arbeitsintensiv ist und einen erheblichen Multiplikatoreffekt auf die Beschäftigung in verwandten Sektoren hat. 

Es wird geschätzt, dass ein Arbeitsplatz im Kerntourismus etwa anderthalb zusätzliche oder indirekte Arbeitsplätze in der tourismusbezogenen Wirtschaft schafft. Jeder zehnte Job weltweit hängt direkt und indirekt von diesem Wirtschaftszweig ab, das ist mehr als beispielsweise Menschen indirekt und direkt von der Automobilwirtschaft partizipieren. Dennoch wird die Rolle des Tourismus bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und Unternehmen unterschätzt und bei der Formulierung und Umsetzung von Strategien übersehen.

„Tourismus ist eine der Industrien, die schnell viele Jobs schaffen kann“, sagt dann auch der ehemalige ägyptische Tourismusminister Dr. Hisham Zazou. Und dies sei gerade für Afrika, eine besondere Chance und gleichzeitig eine Herausforderung. 

Denn es bestehe ein Missverhältnis zwischen den verfügbaren Qualifikationen und der Realität am Arbeitsplatz, dies seien Hauptfaktoren, die die Beschäftigung und Talentförderung im Tourismus beeinflussen. Vor allem in Afrika, bestehe eine Kluft zwischen Bildung und Qualifikations-/Wissensbedarf und der daraus resultierende Mangel an Arbeitskräften mit „zukunftsfähigen“ Fähigkeiten. Darüber hinaus steht der Tourismus vor großen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Gewinnung und Bindung von Talenten und der Verbesserung der Arbeitsbedingungen.

World Tourism Day

Dieser Frage geht die Welttourismusorganisation, der UNWTO, bei diesjährigen World Tourism Day nach.  Ziel es es, an diesem Tag das Bewusstsein auf den sozialen, kulturellen, politischen und wirtschaftlichen Wert des Tourismus und den Beitrag, den der Sektor zur Erreichung der Ziele der nachhaltigen Entwicklung leisten kann, zu fördern. In diesem Jahr wird der Welttourismustag im Einklang mit der übergreifenden Ausrichtung der UNWTO auf Qualifikation, Bildung und Beschäftigung während des ganzen Jahres eine Feier zum Thema „Tourismus und Arbeitsplätze: eine bessere Zukunft für alle“ stehen. 

Deutscher Beitrag

Deutschland spielt dabei eine große Rolle, sowohl was die Reisenden angeht, als auch, was die touristischen Spendigs in den Entwicklungs- und Schwellenländer betrifft: 

Mehr als elf Millionen Touristen aus Deutschland unternehmen jedes Jahr eine Reise in Entwicklungs- und Schwellenländer und geben nahezu 20 Milliarden Euro (19,2 Milliarden) aus. Abzüglich verschiedener Reiseleistungen, sind es sieben Milliarden Euro, die deutsche Touristen direkt zum Bruttoinlandsprodukt der Entwicklungs- und Schwellenländer beitragen. Das bedeutet, so hat der Bundesverband der Tourismuswirtschaft ausgerechnet, dass ein Euro, der in einem Schwellen-und Entwicklungsland beispielsweise in Afrika ausgegeben wird, zu einem direkten Beitrag zum Bruttoinlandsprodukt in Höhe von 0,51 Euro führt.

In den Entwicklungs- und Schwellenländern gibt es fast 740.000 Arbeitsplätze, allein durch die Reiseaufwendungen von Touristen aus Deutschland. Das bedeutet, dass 15 deutsche Touristen im Zielland einen Job ermöglichen.

Vor dem Hintergrund der Klimadebatte und der Diskussion um CO2 Emissionen beim Fliegen, gerät der Tourismus, vor allem der, der in weit entfernte Länder führt, in ein Spannungsfeld zwischen Klimaschutz und Entwicklungsleistung. Doch bedeutet dies nun auf Flugreisen verzichten zu müssen?  Experten sagen nein, und dies nicht nur vor dem Hintergrund der hiesigen Bemühungen der Bekämpfung von Migrationsursachen in Afrika. 

Anlässlich des World Tourism Days wird es auch in Deutschland eine Veranstaltung geben, die das Thema Arbeit und Entwicklung im Tourismussektor speziell mit dem Fokus Afrika beleuchtet.

Zur Anmeldung und zum Programm dieser Veranstaltung am 27. September 2019 in Berlin geht es hier: 

 

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

Ähnliche Beiträge

Wie kann der Ausstieg aus fossilen Energieträgern global gerecht gestaltet werden? Oder geraten...

An der Berliner CDU-Zentrale fehlte am Donnerstagmorgen der erste der drei gut zwei Meter großen...

Heute unterzeichnet die Europäische Kommission am Rande des Investitionsforums für Afrika 2019 in...

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.