Der Kilimandscharo, höchster Berg Ostafrikas, ist Heimat von rund 1,2 Millionen Menschen, die von der Natur vor Ort profitieren. (Foto: Claudia Hemp)

Was erwarten Menschen von der Natur, was kann die Natur leisten und wie wird sie vom Menschen verändert? Diesen Fragen widmet sich ein neues Forschungsprojekt am Kilimandscharo, an dem Natur- und Sozialwissenschaftler und Sozailwissenschaftlerinnen von fünfzehn Universitäten und Forschungseinrichtungen aus Deutschland, der Schweiz und Tansania beteiligt sind. Ihre Erkenntnisse sollen dazu beitragen, den einzigartigen Lebensraum in Ostafrika nachhaltiger zu nutzen. Koordiniert wird das Verbundprojekt von der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft unterstützt es finanziell mit 7,3 Millionen Euro.

In der Beziehung von Mensch und Natur scheint etwas falsch zu laufen: Der Mensch profitiert zwar von der Natur und ihren Leistungen in vielfältiger Weise, gleichzeitig zerstört er aber diese Lebensgrundlage durch sein Handeln. Wie kann man diese Beziehung verändern und den Umschwung zu einer nachhaltigen Nutzung der Natur gestalten? Antworten auf diese Frage soll das neue Großprojekt „Die Rolle der Natur für das menschliche Wohlergehen im sozial-ökologischen System des Kilimandscharo“ liefern.

In dem sozial-ökologischen Grundlagenforschungsprojekt untersuchen Wissenschaftler zbd  Wissebschaftlerinnen ab Herbst 2020 wie Mensch und Natur an dem ostafrikanischen Berg interagieren und sich gegenseitig beeinflussen. Dreh- und Angelpunkt sind die Leistungen, die die dortigen Ökosysteme für die 1,2 Millionen Menschen, die am Kilimandscharo leben erbringen. Die Natur stellt beispielsweise Nahrung, Rohstoffe und Medizin bereit, reguliert das Klima, beeinflusst die Wasserversorgung und schafft spirituelle Orte.

„In unserem Projekt erforschen wir: Welche Leistungen der Natur sind für die Bevölkerung dort wichtig und warum? Was kann die Natur leisten und welche biologische Vielfalt steckt dahinter? Welche Institutionen und politischen Regelungen bestimmen, wie Menschen die Natur nutzen? Und gibt es Nutzungskonflikte oder Synergien?“, erklärt die Projektleiterin Prof. Dr. Katrin Böhning-Gaese, Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum und Goethe-Universität Frankfurt.

newsimage337948-scaled-1 Wie hoch ist der Wert der Natur für den Menschen? Umwelt

Markt in Mamsera östlich des Kilimandscharo – an den unteren Hängen des Berges werden Bananen angebaut. (Foto: Claudia Hemp)

Die Forschungsgruppe will dazu erstmals alle regulierenden, materiellen und nicht-materiellen Leistungen der Ökosysteme am Kilimandscharo erfassen und erheben, welchen Wert Natur sowohl als Mittel zum Zweck als auch an sich für verschiedene Bevölkerungsgruppen hat. Das Team kann auf Daten von Vorgängerprojekten zurückgreifen, denn die einzigartige Natur am Kilimandscharo wird bereits seit Jahrzehnten erforscht.

Böhning-Gaese und ihr interdisziplinäres Team setzen im Rahmen des Projektes auf sehr unterschiedliche Methoden und Skalen. „Ein Team wird beispielsweise vom Helikopter aus kartieren, wie das Gebiet genutzt wird. Andere Teams werden einzelne Personen nach deren Einstellung zur Natur befragen“, skizziert Böhning-Gaese die Bandbreite der Ansätze.

Wir wollen ein Gesamtbild bekommen

Am Ende soll aus der Synthese solcher und anderer Einzelprojekte ein detailliertes Gesamtbild entstehen, das zeigt, welche natürlichen und sozialen Komponenten das Leben am Kilimandscharo bestimmen, wie diese miteinander verbunden sind und – die vielleicht wichtigste Frage – was Veränderungen antreibt. Daraus könnten sich Handlungsempfehlungen ergeben.

„Wir wollen das Beziehungsgeflecht zwischen Menschen und der Natur am Kilimandscharo nicht nur verstehen, sondern Grundlagen für Entscheidungen liefern, die eine nachhaltige Entwicklung vor Ort fördern. Der Kilimandscharo ist mit seinen vielen unterschiedlichen Ökosystemen auf engem Raum und sozial diversen Bevölkerungsgruppen wie ein Mikrokosmos. Wir decken im Projekt eine große Bandbreite an sozialen und ökologischen Gegebenheiten ab. Ich glaube deshalb, dass unsere Ergebnisse auch für andere Teile Afrikas und der Welt relevant sein werden“, so Böhning-Gaese.

Die Federführung des Verbundprojektes liegt bei der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Außerdem arbeiten im Projekt Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Goethe-Universität Frankfurt, der Universität Bayreuth, der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Universität Kiel, des Kieler Insituts für Weltwirtschaft, der Universität Kassel, der Universität Marburg, der Universität Bern und weiterer Institutionen mit. Darüber hinaus arbeitet das Team mit tansanischen Partnern zusammen und fördert die Ausbildung von weiteren Fachkräften vor Ort. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt das zunächst auf vier Jahre ausgelegte Projekt mit insgesamt rund 7,3 Millionen Euro.

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