Die Signa Holding greift nach Kaufhof, doch Handels- und Finanzexperten zweifeln am Konzept des österreichischen Unser Bild zeigt Milliardärs. Unser Bild zeigt das Kaufhofgebäude in Wuppertal (Foto: onnola/(CC BY-SA 2.0) by https://www.flickr.com/photos/30845644@N04/32795150902 / flickrcom)

Nun liegen das Angebot auf dem Tisch, dabei hatte sich die Signa Holding von René Benko offiziell recht lange geziert. 

Drei Milliarden Euro bietet die Signa Holding des österreichischen Milliardärs René Benko für den Erwerb von Kaufhof. Karstadt gehört ihm schon und beim dritten Anlauf will der Österreicher, der das Handelsgeschäft glaubt für sich entdeckt zu haben, die endlich von ihm ersehnte Deutsche Warenhaus AG schmieden.

Die Gewerkschaften sind alarmiert, bedeutet dies vor allem für die Arbeitsplätze in beiden Kaufhäusern nichts Gutes. Schließlich macht ein Zusammenschluss für Benko nur dann Sinn, wenn alles Synergieeffekte genutzt werden. Tausende von Jobs stehen dabei auf dem Spiel.

Auch Richard Baker, der neue Chef der Kaufhof-Mutter Hudson Bay Company, betonte umgehend dass Kaufhof integraler Bestandteil des Kerngeschäfts des kanadischen Handelsunternehmens sei und man an einen Verkauf nicht denke.

Ungleiche Partner

Kaufhof und Karstadt sind zwei ungleiche Partner, die nicht zusammen passen, davon sind namhafte Handelsexperten überzeugt, zudem die Philosophien auch der Muttergesellschaften zu unterschiedlich sind.

So halten Fachleute Kaufhof in der Digitalisierung besser aufgestellt als Karstadt, die in der letzten Zeit zwar eine Reihe von Zukäufen im Onlinebereich getätigt hätten, jedoch diesen Bereich nicht in die Kernmarke Karstadt integrierten.

Der Londoner Immobilienspezialist Francis Brightfull, spezialisiert auf das Retailgeschäft, glaubt dass das Konzept von Kaufhof tragfähiger sei und das Publikum des 21. Jahrhunderts besser anspreche. So ist er davon überzeugt, dass es Benko lediglich um die Flächen in den wertvollen 1a Lagen der Innenstädte gehe, deren er habhaft werden könne. „Solche Flächen in Berlin und Hamburg, in Köln oder Düsseldorf eignen sich doch bestens für exklusives Wohnen und Büroflächen – besser als für das Retailgeschäft.“

Immobilienfixiert

Insofern unterstellt er – wie auch viele andere dem österreichischen Milliardär letztendlich ein reines Interesse an der Immobilie. Anders als bei HBC, die klassische Einzelhändler seien.Hier hat man sich gerade aufgemacht, das angestaubte Image der Kaufhäuser zu polieren, und die Kunden wieder mehr Anreize zu geben, ein klassisches Kaufhaus zu betreten.Das funktioniert aus der Verbindung zwischen stationärem Verkauf und einem guten Digitalgeschäft.

Finanziell nur über hohe Schulden zu wuppen

Finanzfachleute befürchten unterdessen, dass sich Benko bei dem Kaufhof-Deal auch finanziell überheben könnte. Zwar ließ die Signa Holding in den letzten Wochen verlauten, dass das Unternehmen mit einer Milliarde an zusätzlichem Eigenkapital ausgestattet sein, um den Deal zu finanzieren. Doch wie bei vielen Übernahmeangeboten ist auch dieser Deal Schuldenfinanziert und muss erst verdient werden.

„Diese Schulden müssen von den Beschäftigten erwirtschaftet oder durch hohe Mieten eigener Flächen wieder hereinkommen“, befürchtet man dann auch hinter vorgehaltener Hand in Gewerkschaftskreisen. Offiziell will man sich allerdings nicht äußern, der gesamte deutsche Einzelhandel scheint sich bei diesem Deal in Schockstarre zu befinden, Partei für die eine oder andere Seite will man nicht ergreifen.

Investmentbanker sind unterdessen skeptisch, ob die Signa-Holding den Deal überhaupt leisten könne. „Drei Milliarden Euro sind auch für jemanden wie Benko ´ne Menge Holz“, sagt einer, der mit solchen Deals befasst ist. Zudem weist er darauf hin, dass in der Vergangenheit alle Deals in Richtung Kaufhof am mangelnden Nachweisen sowohl an ausreichender finanzieller Liquidität und finanzieller Glaubwürdigkeit gescheitert seien.

Ähnlich sehen das auch andere Kommentatoren. René Benkos Ruf sei zweifelhaft. Vielen ist der Mann nicht ganz geheuer. Nicht nur, dass der Österreicher die Schule geschmissen hat,  er wurde wegen einer Schmiergeldaffäre zu einer Bewährungsstrafe rechtskräftig verurteilt  und ist bekannt dafür sich mit zumindest fragwürdigen Geschäftspartner, die ihm die Geschäfte finanzieren, einzulassen. Viele seiner bisherigen und gegenwärtigen Finanzpartner wie die Falcon Bank, George Economou und Beny Steinmetz wurden oder werden in verschiedenen Strafverfahren verfolgt.

Über den Autor

Markus Lichtenberg ist Journalist und spezialisiert auf Thema rund um Mobilität und Stadtentwicklung.

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