Natürlichkeit und Faire Produktion stehen bei Chapatidesign im Mittelpunkt. (Foto: Chapati-Design)

Ein Faible für natürliche Stoffe und extravagante Schnitte hatte Hamid Mohammadi schon immer. Die Mär geht, dass der studierte Diplom-Ingenieur für Kunststofftechnik erst nach dem Besuch einer Messe, nämlich des damaligen Import Shop Berlin,  seine Leidenschaft zum Beruf machte.

Nicht mehr Kunststoff, sondern Naturstoffe heisst es seitdem- Schon ein Jahr später kam die erste Kollektion auf den Markt – mit vier Schnitten und insgesamt 400 Stücken. Heute gehören zu Chapati-Design acht Ladengeschäfte in Berlin und ein Franchise-Unternehmen in Nürnberg. Geschäftsführer Mohammadi und seine 32 Mitarbeiter beliefern rund 190 Wiederverkäufer und eine Vielzahl von Endverbrauchern in Europa und Übersee.

Zwischen dem ersten Gespräch mit einem indischen Bekleidungshersteller und den heutigen Geschäftserfolgen liegen 18 Jahre .

Chapati öffnet Perspektiven

Der Name des Modelabels kommt aus dem Indischen: Chapati heißt übersetzt Brot. Das Brot zum Leben verdienen, Selbständigkeit und Unabhängigkeit erlangen, das verbindet der Gründer von Chapati mit seinem Firmennamen.

Der aus dem Iran stammende Mohammadi verweist im Zusammenhang mit der aktuellen Flüchtlingsdebatte auf offizielle Zahlen, wonach aktuell 42 Prozent aller in Deutschland lebenden Migranten selbständig sind. „Ein Fünftel aller Gründer in Deutschland sind Migranten und mehr als 40 Prozent von ihnen beschäftigen Mitarbeiter. Das spielt in den aktuellen Diskussionen leider kaum eine Rolle“, sagt der heute 49-Jährige.

Chapati Design

Die Kleidung, die Chapati anbietet, ist nachhaltig hergestellt. (Foto: Chapati-Design)

Chapati bedeutet aber nicht nur Lohn und Brot für die Mitarbeiter in Deutschland. Die Kleidungsstücke werden bei einem Hersteller in Indien produziert, inzwischen in der zweiten Generation. Die 148 Arbeiterinnen und Arbeiter erhalten monatlich ein Festgehalt. „Das schließt Arbeit unter Zeitdruck dauerhaft aus“, meint Hamid Mohammadi. Auch würden keine Kinder und Jugendlichen unter 18 Jahren beschäftigt. Zudem verdienen Männer und Frauen den gleichen Lohn.

Er fügt hinzu: „Den Familien, die mit Chapati ihr Geld und Brot verdienen, helfen wir direkt und unbürokratisch.“ So wurde mit dem Produzenten ein Zuschlag auf die Einkaufspreise vereinbart, wodurch die Beschäftigten einen zusätzlichen Bonus in Höhe eines 13. Monatsgehaltes bekommen. „Das wird seit 2013 zum Fest der Lichter Diwali ausgezahlt, bei dem die Familien traditionell zusätzliche Ausgaben haben.“

Mohammadi betont, dass die Verantwortlichen von Chapati mindestens zweimal jährlich in den Herstellungsbetrieben vor Ort seien. Damit könne man in regelmäßigen Abständen alle Produktionsstätten, in denen die Kleidung hergestellt werde, persönlich überprüfen.

Chapati Shop

Aus kleinen Anfängen ist eine ganze Modekette entstanden, wie hier der Laden in der Berliner Oranienstraße. (Foto Chapati-Design)

Neben fairen Arbeitsbedingungen und Direkthilfe für die Beschäftigten legt Chapati großen Wert auf die Auswahl der Rohstoffe für seine Textilien. „Wir verwenden seit Sommer 2013 einen ständig wachsenden Anteil an Bio-Baumwolle“, erläutert Mohammadi. „Inzwischen wird fast 80 Prozent unserer Kollektion aus GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle hergestellt.“ Damit unterstützt Chapati den biologischen Anbau, bei dem keine umweltschädlichen Substanzen verwendet werden und das Land weniger Wasser benötigt.

Doch nicht nur um faire Arbeitsbedingungen kümmert sich der Chapati-Verantwortliche Hamid Mohammadi. „Unsere Ladengeschäfte in Berlin, sowie das Büro erhalten Ihren Strom durch einen Öko-Stromversorger.“ Zudem werde der Müll, der im Produktionsprozess anfalle, komplett recycelt. Stoffreste würden weiterverwendet, z.B. für Patchwork-Kleidungsstücke. „Alle Farben, die für unsere Stoffe verwendet werden, sind AZO FREE. Der Name „azo“ entstammt einem alten französischen Namen für Nitrogen: „Azote“. Dies wiederum setzt sich aus den griechischen Worten a (= nicht) und zoe (= leben) zusammen. Bereits hier lässt sich erahnen, wie ungesund Azo-Farben sind“, fügt der Unternehmer zu.

Eine farbige Brücke zwischen Morgen- und Abendland

Firmengründer Mohammadi sieht die Kollektion als eine „bunte Brücke zwischen Orient und Okzident“. Er wird auch in diesem Jahr die Gelegenheit nutzen, mit alten und neuen Kunden über die Chapati-Philosophie zu sprechen: „Das Leben ist ein Ornament aus Menschen aller Farben, aller Sprachen, Bilder und Gesänge. Chapati webt einen Stoff, in dem Du Frieden träumst, ihn anlegst wie ein Gewand, ihn weiterreichst mit dem Lächeln des Wiedererkennens am Anderen, am Fremden, der Freund wird.“

Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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