FAIReconomics Newsletter KW 11/20                                            Englisch version

solar-panel-4716640_640 FAIReconomics Newsletter KW 11/20: Groko Streit um den Solardeckel, EU-Offshore-Strategie, zu viel Lärm, Psychologie in der Klimakrise, nachhaltige Mobilität und Neues aus dem Bundestag Newsletter

Streit in der GroKo killt Solarausbau: Bislang sieht das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) einen Deckel für die Förderung von Solarenergieanlagen vor. Er liegt derzeit in Deutschland bei einer Gesamtleistung von 52 Gigawatt und wird möglicherweise im Frühsommer erreicht sein.  Oberhalb des Deckels wird keine Förderung mehr bezahlt und damit würde, so die Verbände der Zubau an Photovoltaik einbrechen. Auch wenn sich die Koalition darauf geeinigt hat, den Deckel zu streichen, hakt es derzeit. Die Unionsparteien blockieren die Aufhebung des Deckels, obwohl ein fertiger Gesetzentwurf des Bundesrates vorliegt. Die Unionisten wollen ein Gesamtpaket über Kohleausstieg und Windausbau. Es wäre politisch nicht kommunizierbar, dass in der Solarbranche nur deshalb reihenweise Arbeitsplätze verloren gingen, weil sich die Große Koalition bei der Windenergie nicht einigen kann“, heißt es bei den Verbänden. „Das drohende Ende der Solarförderung wird von der Union als Druckmittel missbraucht, den Windabstand gegen den Widerstand der SPD durchzusetzen. Das ist sachfremd und inakzeptabel“, sagte Gero Lücking, Geschäftsführer Energiewirtschaft beim Unternehmen Lichtblick. Ohne die Aufhebung des Deckels wird die Bundesregierung doch ihr Ziel, bis 2030 mindestens 65 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen, deutlich verfehlen. Nun kommt ein Zeichen der Kanzlerin, die den Ausbau von Wind- und Solarenergie offenbar stärker als bisher geplant vorantreiben will. rnd.dezdf.de ,  spiegel.de  , n-tv.de

Europäische Offshore Strategie kommt im Herbst: Auf der Offshore-Stromproduktion auf See hat die EU viel Hoffnung gelegt. In 20 Jahren könnte sie zur wichtigsten Energiequelle der Europäischen Union werden. Bis zum Jahr 2050 müssten Offshore zwischen 230 bis 450 GW Wind produziert werden, um die Ziele des Green Deals zu erfüllen, zur Zeit sind es nur 22 GW in europäischen Gewässern. Nun arbeitet die EU-Kommission an einer Offshore-Strategie zur Förderung von Windparks auf See. Deutschland macht Druck und möchte noch in diesem Jahr Regelungen für internationale  Projekte entwickeln. euractiv.de

Bis zu 30 Prozent weniger CO2 als noch in den 90ern des vergangenen Jahrhunderts können Regenwälder heute noch speichern. Das haben Forscher ermittelt. Die Entwicklung ist schneller als selbst die  „pessimis­tischs­ten Klimamodellen“  spiegel.de

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Forscher widerlegen Landwirtschaftsfunktionäre:  Forscher sind sauer auf die Landwirtschaftsverbände. Die behaupten nämlich die Wissenschaft habe falsche Nitratwerte nach Brüssel gemeldet. Das weist Martin Bach, Agrarwissenschaftler und Nähr­stoffexperte an der Uni­ Gießen zurück. Die Nitrat- und die Wasser­rahmenrichtlinie der EU verlangt, dass alle Grundwas­ser­körper weniger als 50 Milligramm Nitrat pro Liter enthalten. In ihrem Aufruf zu einer De­monstration hatten die Bauern der Bundesrepublik vorgeworfen, ihre eigenen Landwirte gegen­über den europäischen Mitbewerbern durch die hohen Werte zu benachteiligen. taz.de

Wer in Großstädten lebt, lebt kürzer: Die Schadstoffe in der Luft von Großstädten lässt die Menschen dort drei Jahre kürzer leben. Im globalen Mittel verkürze die schlechte Luft die Lebensdauer der Menschen um fast drei Jahre, so das Ergebnis der Studie. Luftverschmutzung führte 2015 weltweit zu etwa 8,8 Millionen vorzeitigen Todesfällen. Kriege und andere Gewalt verkürzt die durchschnittliche Lebensdauer nur um 0,3 Jahre.  spiegel.de

EU-Kommission stellt Klimagesetz vor: Am vergangenen Mittwoch hat die EU-Kommission offiziell ihr erstes Klimagesetz vorgestellt. Das Gesetz sieht vor, dass die Europäische Union bis 2050 klimaneutral wird. Der schwedischen  Klimaaktivistin Greta Thunberg reicht das nicht, sie nennt das Gesetz  eine „Kapitulation“. Der Gesetzesentwurf sieht vor, dass die EU ihre Treibhausgasemissionen bis Mitte des Jahrhunderts deutlich reduzieren und ein erhöhtes Ziel für 2030 erreichen. Das ist aber noch nicht festgelegt. Selbst Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen musste einräumen, dass es sich um einen kurzfristigen Vorschlag handelt. tagesspiegel.de

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Zu viel Lärm für Millionen Europäer: Die Europäische Umweltagentur (EEA)  berichtet, dass etwa 113 Millionen Menschen in Europa dauerhaft mit einer durch den Straßenverkehr ver­ursachten Lärmbelastung über 55 Dezibel leben müssten. Das entspricht der permanenten Lautstärke von Regen, eines Kühlschrankes oder eines leisen Gespräches. Der Straßenverkehr ist die Haupt­quelle der Lärmumweltverschmutzung. 22 Millionen seien von einem ungesund hohen Lärmpegel durch Züge, vier Millionen durch Flugzeuge und eine Million durch Industrielärm betroffen. Der Dauerlärm ist für 12.000 vorzeitige Todesfälle verantwortlich und trägt zu kognitiven Störungen bei 12.500 Kindern in Europa beigetragen haben.  zdf.de

BUCHTIPP DER WOCHE:

9783962381998 FAIReconomics Newsletter KW 11/20: Groko Streit um den Solardeckel, EU-Offshore-Strategie, zu viel Lärm, Psychologie in der Klimakrise, nachhaltige Mobilität und Neues aus dem Bundestag Newsletter Postwachstumsstadt – Konturen einer solidarischen Stadtpolitik

Städte ohne Wachstum – eine bislang kaum vorstellbare Vision. Doch Klimawandel, Ressourcenverschwendung, wachsende soziale Ungleichheiten und viele andere Zukunftsgefahren stellen das bisherige Allheilmittel Wachstum grundsätzlich infrage. Wie wollen wir heute und morgen zusammenleben? Wie gestalten wir ein gutes Leben für alle in der Stadt? Während in einzelnen Nischen diese Fragen bereits ansatzweise beantwortet werden, fehlt es noch immer an umfassenden Entwürfen und Transformationsansätzen, die eine fundamental andere, solidarische Stadt konturieren. Diesen Versuch wagt das Projekt Postwachstumsstadt.  In diesem Buch werden konzeptionelle und pragmatische Aspekte aus verschiedenen Bereichen der Stadtpolitik zusammengebracht, die neue Pfade aufzeigen und verknüpfen. Die Beiträge diskutieren städtische Wachstumskrisen, transformative Planung und Konflikte um Gestaltungsmacht. Nicht zuletzt wird dabei auch die Frage nach der Rolle von Stadtutopien neu gestellt. Dadurch soll eine längst fällige Debatte darüber angestoßen werden, wie sich notwendige städtische Wenden durch eine sozialökologische Neuorientierung vor Ort verwirklichen lassen. oekom.de

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Attac Urteil:  Finanzbehörden verzichten auf den Entzug der Gemeinnützigkeit allerdings nur bei anderen Organisationen. taz.de
Nike: Versucht es mit Nachhaltigkeit. wiwo.de
Klimabilanz in Frage gestellt: Northstream 2 soll mehr Methan freisetzen als lange angenommen. klimareporter.de
NRW: Betreiber von Steinkohlekraftwerken wollen gegen Kohleausstiegsgesetz klagen. faz.net
Norwegischer Staatsfonds: Fordert von Unternehmen mehr Angaben zur Nachhaltigkeitsrisiken. dlf.de
Nationale Wasserstoffstrategie: Uneinigkeit über grünen und blauem Wasserstoff. Am 18. März im Kabinett? zfk.de
Radioaktive Abfälle: Zentrales Lager in Würgassen geplant. morgenpost.de
Digitale Technik: Einsatz beim Waldschutz. heise.de

NACHHALTIGE MOBILITÄT:

Autobauern drohen Strafzahlungen von der EU: Die Unternehmensberatung Deloitte warnt die Autoindustrie vor hohen Strafen durch die Überschreitung der CO2 Grenzwerte. Die C02-Flottengrenzwerte ließen sich nur mit mehr verkauften E-Autos einhalten. deloitte.com

Software Updates bei Dieselfahrzeugen: Von den ursprünglich im Rahmen des Nationalen Forum Diesel (NFD) gemeldeten 5,3 Millionen Diesel-Fahrzeugen sowie den nachgemeldeten 1 Million zusätzlichen Fahrzeugen sind laut Bundesregierung bislang 5,3 Millionen umgerüstet. Davon seien etwa 2,9 Millionen Fahrzeuge im Rahmen eines verpflichtenden Rückrufs umgerüstet worden, heißt es in der Antwort der Regierung (19/17390) auf eine Kleine Anfrage der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen (19/16651). Die Wirksamkeit von Software-Updates zur Reduzierung der Stickoxid-Emissionen sei vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) eingehend untersucht und dazu am 10. Januar 2020 ein Bericht zur Wirksamkeit von Software-Updates veröffentlicht worden, heißt es weiter. Der Bericht zeige, „dass die Durchführung der Software-Updates erkennbar zu einer deutlichen Verringerung der Stickoxid-Emissionen führt“. Durch die Software-Updates im Rahmen der freiwilligen Servicemaßnahmen würden die Stickoxid-Emissionen im Realbetrieb um rund 59 Prozent bei den betroffenen Fahrzeugen verringert. Bei den Fahrzeugen der verpflichtenden Rückrufe werde durch die Softwareverbesserung eine Stickoxid-Reduzierung von rund 41 Prozent im Realbetrieb erreicht, heißt es in der Antwort.

Maut Untersuchungsausschuss: Vor dem 2. Untersuchungsausschuss („PKW-Maut“) hat ein Zeuge die Zustände im Bundesverkehrsministerium kritisiert Und hier lag einiger Sprengstoff. „Ich habe im Bundesverkehrsministerium Entscheidungsstrukturen kennengelernt, in denen ich nicht weiterarbeiten wollte“, sagte Joachim Leitner in der Sitzung vergangenen Donnerstag. „Unsere fachliche Arbeit wurde von politischen Vorgaben dominiert“, erklärte der Jurist und Verkehrsingenieur, der von September 2015 bis April 2017 als Referent im Verkehrsministerium arbeitete und dort Mitglied der Projektgruppe zur Vorbereitung der PKW-Maut war. Mittlerweile arbeitet er beim Umweltbundesamt. Bereits in seinem Eingangsstatement in der vom Vorsitzenden Udo Schiefner (SPD) geleiteten Sitzung gab Leitner zu Protokoll, er mache sich heute seine Rolle im Ministerium zum Vorwurf. „Ich wurde nie beauftragt, die Rechtsauffassung der Bundesregierung zu überprüfen“, betonte er während der Vernehmung. „Ich war beauftragt, sie zu vertreten.“ Bei der Beantwortung von parlamentarischen Anfragen und dem Verfassen von Sprechzetteln habe er mit vorgegebenen Textbausteinen arbeiten müssen. So seien beispielsweise stets der „echte Systemwechsel“ und die Frage der Gerechtigkeit betont worden. „Man hatte Weisungen auszuführen. Sie waren so, dass ich keinen bis wenig fachlichen Input leisten konnte“, erklärte der Zeuge weiter. vergabeblog.de

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WLAN in Zügen: In Deutschland sind nach Angaben der Bundesregierung 94,5 Prozent des Schienennetzes mit LTE/4G versorgt. Das geht aus der Antwort (19/17189) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/16872) hervor. Die Regierung beruft sich in der Antwort auf Daten aus dem Breitbandatlas des Bundes (Datenstand Mitte 2019). Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) habe im Jahr 2019 auf 23,3 Prozent der von der DB Regio AG gefahrenen Personenkilometer ein kostenloser WLAN-Zugang zur Verfügung gestanden, heißt es weiter. 100 Prozent der 295 ICE-Züge des Fernverkehrs hätten 2019 über kostenloses WLAN in der 1. und 2. Klasse verfügt. „Die ICE-Züge haben 2019 rund 73 Prozent der Personenkilometer-Gesamtleistung der DB Fernverkehr erbracht“, schreibt die Regierung. Die technische Verfügbarkeit des WLAN-Systems habe im Jahresdurchschnitt 2019 deutlich über 97 Prozent gelegen, heißt es in der Antwort. Auf die Nachfrage, ob die Mobilfunkbetreiber ihrer Verpflichtung nachgekommen sind, bis zum 31. Dezember 2019 eine vollständige Mobilfunkabdeckung an den ICE-Trassen zu erreichen, teilt die Bundesregierung mit: „Nach Angaben der Mobilfunknetzbetreiber konnten die Hauptverkehrswege (Autobahnen und ICE-Trassen) zum Jahresende 2019 noch nicht in vollem Umfang versorgt werden.“ Verzögerungen hätten die Mobilfunknetzbetreiber mit externen Einflüssen, wie zum Beispiel fehlende Vermietbereitschaft an potentiellen Standorten, fehlende Baugenehmigungen sowie mit Denkmal-, Natur- und Umweltschutz begründet. „Darüber hinaus verweisen die Mobilfunkunternehmen auf unterschiedliche Rechtsansichten zum Inhalt der Versorgungsauflage, die Gegenstand laufender Gerichtsverfahren sind“, heißt es in der Antwort. Die Bundesnetzagentur für Elektrizität, Gas, Telekommunikation, Post und Eisenbahnen prüfe derzeit die Angaben der Mobilfunknetzbetreiber, schreibt die Regierung.

Mobilitätszentrum in München: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) plant ein „Deutsches Zentrum Mobilität der Zukunft“ in München. Das Gesamtvolumen bezifferte Scheuer auf 500 Millionen Euro. Er sprach von einem europaweit und vielleicht sogar weltweit einzigartigen Projekt. Auf Basis neuer Technologien sollten Antworten auf die Frage gefunden werden, „wie sich Menschen in Zukunft fortbewegen wollen und wie Waren transportiert werden“, sagte Scheuer. Das Geld dafür soll aus dem Bundeshaushalt kommen. Der Münchener Oberbürgermeister Reiter kennt die Pläne des Bundesverkehrsministers nicht. rnd.de

Das E-Mobilität sorgt für das Aus des Erdgasautos: Die Welle der batterieelektrischen Antriebe ist angerollt. Gleichzeitig scheint ein Alternativantrieb dem Ende nah, wenn es nach den Plänen des VW-Konzerns geht. nzz.ch

Niederlande und Norwegen:  In Europa am besten auf E-Mobilität vorbereitet. elektroautos-news.net

BMW braucht Unterstützung: Beim Umbau zur e-Mobilität ist der Münchener Autobauer auf die IG Metall angewiesen. automobil-produktion.de

LETZTE WOCHE IM BUNDESTAG:

Ausbau der Offshore Energie: Bis 2030 will die Bundesregierung das Ausbauziel von 20 GW installierter Offshore-Windenergieanlagen erreichen. Das schreibt sie in einer Antwort (19/17337) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/16871). Bisher liege das Ausbauziel bei 15 GW, mit der Novellierung des Erneuerbare-Energie-Gesetzes und des Windenergie-auf-See-Gesetzes im ersten Halbjahr 2020 soll die Erhöhung festgeschrieben werden. Wichtig sei der Anschluss der Anlagen mit leistungsfähigen Unterseekabeln, diese sollen in der Nordsee zum Ende des Jahrzehnts eine Übertragungsleistung von 2.000 MW pro Anbindungssystem erbringen. Auch mit der Sammelanbindung mittels Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ) und Konverterplattform können Kabel und damit Eingriffe in die Natur eingespart werden. Nach Angaben der Bundesregierung kann durch die erhöhte Kapazität der Anbindungssysteme die für den Ausbau benötigte Kabelanzahl halbiert werden. Beim Netzausbau an Land seien einige Schlüsselprojekte realisiert worden oder stünden am Ende der Planung.

Meeresbiodiversität gefährdet: Die Meeresbiodiversität in Nord- und Ostsee ist in den vergangenen Jahren verstärkt unter Druck geraten. Es brauche daher eine gemeinsame Strategie, die Naturschutz, Klimawandel und soziale Folgen gleichzeitig betrachte. Darin waren sich die geladenen Sachverständigen in einem öffentlichen Fachgespräch des Ausschusses für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit am Mittwochvormittag einig. „Die Folgen der Klimakrise, die Plastikvermüllung und die Zerstörung durch Fischerei haben die Meere in eine nie dagewesene Situation geführt“, sagte der Sachverständige Thilo Maack (Greenpeace Deutschland). Er verwies darauf, dass das Jahr 2020 ein entscheidendes für den Meeresschutz sein sollte. Die für 2020 definierten Ziele, mindestens zehn Prozent der Meere unter Schutz zu stellen und einen „Guten Umweltzustand“ zu erreichen, würden jedoch nicht erreicht. 96 Prozent der Gewässer befänden sich nicht in einem guten Zustand und auch von 32 untersuchten Fischarten in der Nordsee seien nur neun in einem guten Zustand. Es sei daher wichtig, die negativen Faktoren so zu regulieren, dass sich der aktuelle Zustand nicht weiter verschlechtere. Eine besondere Bedeutung bei der Umsetzung komme der Fischerei zu. Auf die ökologischen Risiken durch versenkte Kriegsmunition verwies Edmund Maser vom Institut für Toxikologie und Pharmakologie für Naturwissenschaft in Kiel: „Es handelt sich um ein weltweites Problem, aber durch den Ersten und Zweiten Weltkrieg sind die deutschen Küsten besonders betroffen“, sagte Maser. Rund 70 Jahre nach Kriegsende beginne ein Teil der 1,6 Millionen Tonnen Kriegsmunition durchzurosten. Durch unnötige Sprengungen der Munition entständen „fußball- bis basketballgroße Brocken“, durch die sich Schadstoffe auf dem Meeresgrund weiter verteilten und ein vielfach höherer Eintrag in marine Nahrungsnetze stattfinden könnte, sagte Maser. Punktuell seien bereits Stoffe in Dorschen und den Gallen von Plattfischen nachgewiesen worden, es fehle aber noch an Daten für eine belastbare toxikologische Risikobewertung, so der Sachverständige. Anne Böhnke-Henrichs (Naturschutzbund Deutschland e.V.) betonte in ihrem Statement, dass die Biodiversität der Meere und die Klimakrise zusammen gehörten. Eins der großen Probleme für die Biodiversität sei die Grundschleppnetz-Fischerei, durch die Lebewesen und maritime Lebensgemeinschaften zerstört würden.

Umstrittene Gebäude-Energetik: Einhellig haben es die Sachverständigen begrüßt, dass die Bundesregierung die Vorgaben für Gebäude-Energetik in einem Gesetz bündeln will. Der Entwurf (19/16716) für das neue Gesetz zur Vereinheitlichung des Energiesparrechts für Gebäude (GEG) stößt allerdings auf zahlreiche Einwände. Dies zeigte sich bei einer Experten-Anhörung im Ausschuss für Wirtschaft und Energie unter der Leitung von Klaus Ernst (Die Linke). Das GEG soll das Energieeinsparungsgesetz, die Energieeinsparverordnung und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz zusammenführen.

Maria Hill vom Zentralen Immobilien Ausschuss plädierte dafür, hinsichtlich der energetischen Anforderungen an Neubau und Bestand keine Änderung am Gesetzentwurf vorzunehmen. Dies gelte auch für den Grundsatz der Wirtschaftlichkeit. Die Beachtung des Wirtschaftlichkeitsgebots trage wesentlich dazu bei, die Akzeptanz der Energie- und Wärmewende in der Bevölkerung zu erhalten und zu stärken. Um die Wende sozialverträglich im Gebäudebestand zu ermöglichen, bedürfe es zusätzlicher Fördermittel. Diese sollten einen relevanten Anteil der energiebedingten Kostenanteile an den Gebäuden ausüben.

Michel Durieux kritisierte namens des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, dass der verfolgte Zweck, das Ordnungsrecht zu entbürokratisieren und zu vereinfachen, mit dem Gesetzentwurf nicht erreicht werde. So enthalte er deutlich mehr Paragraphen als die Summe der zusammengefassten Einzelregelungen. Nur ein verständliches Gesetz könne dem, der das Gesetz anwenden muss, angemessen in Schulungsangeboten vermittelt werden. Eine Vereinfachung müsse bei der weiteren Überarbeitung oberstes Ziel sein.  bundestag.de

Änderung der Düngeverordnung: Derzeit ist eine Verordnung zur Änderung der Düngeverordnung in Vorbereitung und soll zügig abgeschlossen werden, um das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom 21. Juni 2018 vollständig umzusetzen. Die Bundesregierung stehe deshalb mit der EU-Kommission in engem Kontakt, heißt es in einer Antwort (19/17388) auf eine Kleine Anfrage (19/16798) der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. Weiter heißt es dazu, dass in einem weiteren Schritt die EU-Kommission beurteilen müsse, ob die Urteilsumsetzung zeitlich und inhaltlich ausreichend erfolgt ist. Sollte dies nicht der Fall sein, sei mit einem Klagebeschluss und einer Klageerhebung beim EuGH im Zweitverfahren zu rechnen. Im Jahr 2016 war ein Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen die Bundesrepublik aufgrund der Nichterfüllung der Nitratrichtlinie am Europäischen Gerichtshof eingeleitet worden. Dieses Verfahren endete im Juli 2018 mit der Verurteilung Deutschlands.

Seeverkehr und Emissionen: Im internationalen Warenverkehr verursachen laut Bundesregierung der Seeverkehr und der Schienenverkehr geringere Treibhausgas-Emissionen als andere Verkehrsträger. Das geht aus der Antwort der Regierung (19/17169) auf eine Kleine Anfrage der FDP-Fraktion (19/16904) hervor. Zur Verringerung der Treibhausgase seien stets technische und betriebliche Maßnahmen notwendig, heißt es in der Antwort weiter. Der Meeresumweltausschuss der Internationalen Seeschifffahrts-Organisation (IMO) habe unter Zustimmung der 174 Mitgliedstaaten der IMO einen Emissionsminderungspfad festgelegt. Dieser stehe im Einklang mit den Zielen des Pariser Klimaübereinkommens. „Die Erarbeitung geeigneter und ergebnisorientierter Maßnahmen zur Umsetzung der Auftaktstrategie zur Reduktion von Treibhausgas-Emissionen der internationalen Seeschifffahrt bildet den aktuellen Schwerpunkt der Tätigkeit der Bundesregierung in diesem Bereich“, heißt es in der Antwort. Für das Erreichen der Klimaschutzziele, die die Staatengemeinschaft mit dem Abkommen von Paris angenommen haben, sei eine Reduzierung der Treibhausgas-Emissionen des gesamten internationalen Seeverkehrs erforderlich. „Eine mögliche Ausweitung des europäischen Emissionshandels auf den Schifffahrtsbereich müsste zunächst im Hinblick auf die damit erreichbaren konkreten Emissionsreduktionen sowie mittel- und langfristig ausreichende Anreize zur Nutzung kohlenstoffarmer und kohlenstofffreier Kraftstoffe und die damit insgesamt verbundenen Vor- und Nachteile analysiert werden“, schreibt die Bundesregierung.

Kooperation mit Baumpflanzungen-Initiative: Die Zusammenarbeit des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) mit der „Plant-for-the-Planet“-Initiative, die weltweit Menschen motivieren will, Bäume zu pflanzen, interessiert die AfD-Fraktion in einer Kleinen Anfrage (19/17261). So wollen die Abgeordneten wissen, mit welchen Finanzmitteln das BMZ die Initiative seit 2011 gefördert hat und in welcher Weise weitere Ressorts der Bundesregierung mit dieser kooperieren. Außerdem fragen sie, wie die Bundesregierung die Vorwürfe bewertet, die Initiative habe fehlerhafte Daten über Baumpflanzungen „in einem relevanten Umfang“ verbreitet. Die Fragesteller berufen sich dabei auf eigene Zeitungsrecherchen.

WÖRTLICH GENOMMEN

Es gibt keine andere menschliche Aktivität, die in so kurzer Zeit so hohe Emissionen verursacht wie eine Fernreise. Ich mag aber dieses Schwarz-Weiß-Zeichnen nicht. Ich sage nicht: Jetzt können wir gar nicht mehr reisen. Die Frage ist, ob wir anders reisen können und was wir von der Reise erwarten. Momentan verreisen wir immer häufiger und immer weiter. Da braucht es eine Trendwende.

Stephan Gössling, Professor für Nachhaltigkeit an der Universität Lund,  die Billigfluglinien suggerierten uns ja auch, dass es möglich sei, zu Preisen zu fliegen, die niedriger seien als das, was der Brennstoff koste. Es sei ja ein induzierter Verkehr. Wenn man für solche Flüge einen normalen Preis zahlen müsste, würden sie nicht stattfinden. Man schaffe hier Nachfrage durch Subventionen. Man spreche von Preisen, die manchmal nur einem Drittel der realen Betriebskosten entsprächen. Wenn es sehr billig sei, flögen wir halt auch viel. sueddeutsche.de

Ein weiteres Problem ist der Plastikmüll. Alle Regionen der Weltmeere sind von Mikroplastik betroffen. Sogar in der Tiefsee ist Plastik zu finden. Auf Helgoland bauen die Basstölpel bereits ihre Nester aus Plastikfäden. Es bleibt eine große Gefährdung für die Lebewesen im Meer und für die Seevögel.

Antje Boetius, Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, es gebe eine ganze Reihe bedrohter Arten, die auf der Roten Liste ständen. Das Bundesamt für Naturschutz würde schätzen, dass ein Drittel der Meeresbewohner in der Nord- und Ostsee aktuell bedroht seien. In zwanzig Jahren ohne Veränderung würde es eine weitere Verschlechterung des Umweltzustandes geben. Die Artenzusammensetzung würde sich stark verschieben. Es werde eine enorme Zuwanderung von invasiven Tieren und Pflanzen geben. Bereits jetzt wanderten zwei bis drei neue Arten jedes Jahr ein. Das alles habe natürlich auch Folgen für die Menschen. Wenn wir bestimmte Arten aus dem Ökosystem verlören, würde sich das ganze Nahrungsnetz verändern. Besonders wenn die Räuber fehlten, wie die großen Fische oder Schweinswale. Dazu könne sich durch Erwärmung und ungünstige Nährstoffeinträge Algenpest ausbreiten. Für die Menschen, die an den Küsten lebten, sei das fatal, da diese zunehmend vom Tourismus abhängig seien. Dieser laufe besser, wenn die Meere gesünder seien. Auch Starkstürme veränderten die Küstenlandschaften und könnten das Leben der Bewohner beeinträchtigen. tagesspiegel.de

MEHR WISSEN

Große, windgetriebene Meeresströmungen verschieben sich polwärts: Die Verlagerung der sogenannten Ozeanwirbel werden durch die Auswertung von Datenreihen der vergangenen vierzig Jahren gezeigt. Die großen, windgetriebenen Strömungssysteme der Ozeane haben sich in den zurückliegenden 40 Jahren mit hohem Tempo Richtung Pol verschoben. Aus den Datensätzen lassen sich Rückschlüsse auf den Verlauf der großräumigen Oberflächenströmungen ziehen. Demnach verschieben sich sowohl auf der Nordhalbkugel als auch auf der Südhalbkugel der Erde die Grenzen der sogenannten Ozeanwirbel und ihrer wichtigen Randströme um 800 Meter pro Jahr Richtung Pol. Angetrieben wird diese Verlagerung gigantischer Wassermassen maßgeblich durch die Erderwärmung. Die Folgen des Wandels spüren Mensch und Natur, berichten die Forscher: Unter anderem steigt in den betroffenen Regionen der Meeresspiegel, Arten wandern ab und Sturmgebiete ziehen auf neuen Bahnen.  awi.de

Weit weg in Deutschland – New Work:  Arbeitgeber sind der Hauptgrund, warum nach wie vor an den alten Strukturen und Handlungsmustern festgehalten. Nur jeder fünfte Arbeitnehmer hat die Möglichkeit mobil zu arbeiten. Jeder zweite würde sich aber ein zeit- und raumflexibles Arbeiten wünschen. zukunftderarbeit.de

Wie Psychologie in der Umwelt- und Klimakrise helfen kann:  Es ist normal, dass man sich durch den Klimawandel ängstlich oder überfordert fühlt. Die Psychologin Renée Lertzman beschreibt , dass es die allermeisten Menschen, egal welcher politischen Couleur, beunruhigt. Diese Gefühle müssen uns aber nicht lähmen oder gegeneinander aufbringen, sondern sie lassen sich in etwas Produktives verwandeln. Doch das benötigt psychologisches Geschick. ted.com

Entwicklungsminister Müller: Stärkerer Kampf gegen Heuschreckenplage in Afrika angemahnt. dw.com
Richtige Ernährung: Butter ist der Feind des Klimas. spiegel.de
Kleine Bierflaschen: Über eine gemeinsame Gesellschaft soll künftig ein Pool für 0,33-Liter-Longneck-Flaschen gepflegt werden. welt.de
Entsorgung von Rotorflügeln: Fraunhofer Institut forscht an Recycling. spektrum.de

DAS LETZTE:

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Fake News- Facebook spielt eine große Rolle: Facebook spielt bei der Verbreitung von Fame News eine wichtige Rolle. Bei Forschern gilt dieses soziale Medium als „Schlüsselfaktor“ für Desinformation. Generell schließt der Konsum wenig vertrauenswürdiger Webauftritte den Konsum legitimer Nachrichtenseiten aber nicht aus. Ähnlich wie bei Propaganda handele es sich bei der Wirkung stark verzerrender Inhalte um ein „Zusammenspiel aus Merkmalen der Nachricht und aus Empfänglichkeitsfaktoren des Publikums“. Spannender sei aber die offen gebliebene Frage, „warum Wählende sich zu solchen Inhalten hingezogen fühlen“ und was sie motiviere, ihre Lebenszeit damit zu verbringen sowie „wenig demokratische oder populistische Akteure zu wählen“. heise.de

Alle Fotos Quelle –  pixabay.com

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Über den Autor

Frank Tetzel ist Chefredakteur von FAIReconomics. Seine Schwerpunkte liegen auf den Themen: Energie, Mobilität, Tourismus, Arbeit und Stadt der Zukunft.

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